Fettkraut (Pinguicula vulgaris): Pflege, Vermehren & gegen Fruchtfliegen

Fettkraut, Pinguicula vulgaris
Fettkraut, Pinguicula vulgaris

Kaum eine Pflanzengattung spaltet die Gemüter der Hobbygärtner derart wie die Fleischfressenden Pflanzen: die einen finden sie abschreckend und heimtückisch, die anderen wiederum sind begeistert von ihrer dekorativen Optik und den meist hochinteressanten Blüten. Zu letzterer Gruppe gehören immer mehr Menschen, da viele der Karnivoren zudem noch pflegeleicht sind. Besonders beliebt ist das Fettkraut, Pinguicula vulgaris, da es sämtlicher positiven Eigenschaften vereinigt und so robust ist, dass sie auch für Anfänger im Bereich der Kanivorenkultivierung bestens geeignet ist. Dennoch gibt es einige Aspekte bei der Fettkraut Pflege, die berücksichtigt werden müssen, damit die Fleischfressende Pflanze ein langes Leben hat…

Fettkraut, Pinguicula vulgaris – Steckbrief von Gartenbista

Fettkraut Pflegetipps für Schnellleser

  • Standort: hell; keine direkte Sonne; 18°C – 30°C; hohe Luftfeuchtigkeit
  • Substrat: Torf und Quarzsand; Karnivorenerde; Weißtorf
  • Pflanzen: im Frühjahr ins Freiland
  • Umtopfen: jährlich im Frühjahr, wenn Pflanzgefäß zu klein geworden ist
  • Vermehrung: Blattstecklinge oder Samen
  • Gießen: Substrat immer feucht halten; Staunässe vermeiden; kalkarmes oder destilliertes Wasser
  • Düngen: nicht notwendig; Nährstoffbedarf wird über gefangene Insekten gedeckt
  • Überwinterung: winterhart; auch im Haus möglich: 5-10°C; weniger gießen; nicht düngen
  • Schneiden: nicht notwendig
  • Schädlinge: keine bekannt
  • Krankheiten: Grauschimmel
  • Insektenvernichtung: Fruchtfliegen; Trauermücken; neben Obstkörbe oder zwischen Küchenkräuter setzen
  • Heilwirkung: krampflösend; anwendbar gegen Husten, Magen-Darm-Beschwerden und bei Wunden
Fettkraut, Pinguicula vulgaris
Fettkraut, Pinguicula vulgaris

Wissenswertes über das Fettkraut

Bei dem Fettkraut, Pinguicula vulgaris, handelt es sich um eine Fleischfressende Pflanze, die zur Gattung der Fettkräuter (Pinguicula) gehört, der etwa 85 verschiedene Arten angehören.

Ursprünglich stammt das Fettkraut aus Mittelamerika, von wo aus es seinen Weg in die ganze Welt nahm. Auch nach Deutschland, wo tatsächlich einige Sorten in freier Natur gedeihen. Diese werden jedoch immer seltener und sind zudem noch durch die Zerstörung ihrer Lebensräume extrem gefährdet. So sehr, dass die in Deutschland heimischen Arten gemäß der Bundesartenschutzverordnung besonders geschützt sind. Frei wachsendes Fettkraut darf demzufolge weder abgepflückt noch ausgegraben werden.

Sämtliche Fettkrautarten bilden rosettenförmig angeordnete Blätter aus, die Feuchtigkeit speichern können. Dies hilft den Pflanzen, in Phasen anhaltender Trockenheit überleben zu können. Diese Blätter besitzen zudem kleine Drüsen, welche ein klebriges Sekret absondern. An diesem bleiben Insekten hängen und werden anschließend mithilfe von Enzymen von dem Fettkraut verdaut. Sie dienen ihm als Nahrung und versorgen ihn mit Nährstoffen. Gespeichert werden überschüssige Nährstoffe ebenfalls in den Blättern, so dass die Karnivore in den Wintermonaten, wenn wenige Insekten vorhanden sind, von diesem Speicher zehren kann.

Mitten aus diesen Rosetten entstehen zwischen Mai und August die ausgesprochen dekorativen Blüten, die an etwa 10 – 15 cm langen Blütenstängeln sitzen. Sie erinnern aufgrund ihrer Form und violetten Farbe stark an Veilchen und haben einen Durchmesser von maximal 13 mm. Nach der Blüte bilden sie Fruchtkapseln, in denen sich schwarze Samen befinden.

360°-Video vom Fettkraut

In diesem Gartenbista-Video zeigen wir Ihnen in einer 360°-Ansicht, wie Fettkraut ohne Blüte aussieht.

360°-Video vom Fettkraut (ohne Blüte) – Gartenbista-Videostudio, gedreht im Juni

Fettkraut Standort: Hell, keine direkte Sonne

Während Pinguicula vulgaris in ihrer Heimat als Freilandpflanze wachsen, werden sie hierzulande überwiegend als Zimmerpflanze kultiviert. Der dort gewählte Standort sollte sehr hell sein, vorzugsweise auf der Fensterbank. Da direkte Sonneneinstrahlung jedoch zu vermeiden ist, sollte diese Fensterbank gen Osten oder Westen gelegen sein.

Die Temperaturen sollten zwischen 18°C und 30°C liegen; zudem muss eine Luftfeuchtigkeit von mindestens 60% bestehen. Um diese zu erreichen, können mit Wasser gefüllte Schalen aufgestellt werden.

Wer seine Pinguicula vulgaris lieber im Freien kultivieren möchte, sollte dies in einem Moorbeet tun.

Gartenbista-Tipp:  Fettkraut zwischen Küchenkräuter stellen, da die Karnivore lästige Trauermücken fängt.

Fettkraut braucht nassen Boden

Im Gegensatz zu viele anderen Pflanzen benötigt die Pinguicula vulgaris einen nassen und sauren Boden, um optimal gedeihen zu können. Empfehlenswert ist demzufolge eine Mischung aus

  • Torf und
  • Quarzsand,

dem ein wenig Lehm untergemischt wird.

Alternativ können auch handelsübliche Karnivorenerde oder Weißtorf verwendet werden.

Pinguicula vulgaris im Freiland
Pinguicula vulgaris im Freiland

Fettkraut pflanzen

Soll die Pinguicula vulgaris in Freilandhaltung kultiviert werden, wird sie im Frühjahr ausgepflanzt:

  • Pflanzloch muss etwas größer als Wurzelballen sein
  • Fettkraut vorsichtig aus dem Töpfchen nehmen
  • Ins Pflanzloch einsetzen
  • Erde gut andrücken
  • Gründlich wässern

Fettkraut umtopfen

Für Fettkraut, das in Pflanzgefäßen gehalten wird, ist das Umtopfen eine der wichtigsten Pflegemaßnahmen. Diese hat in der Regel jährlich im Frühjahr zu erfolgen, wenn das bisherige Töpfchen zu klein geworden ist:

  • Fettkraut vorsichtig aus dem Pflanzgefäß nehmen
  • Neues Pflanzgefäß mit Substrat füllen
  • Karnivore in das Pflanzgefäß einsetzen
  • Gründlich angießen

Achtung: Die Wurzeln können leicht beschädigt werden und sind deshalb mit besonderer Vorsicht zu behandeln!

Fettkraut Vermehrung durch Stecklinge

Pinguicula vulgaris kann sehr gut durch Blattstecklinge vermehrt werden; dies geschieht im Herbst:

  • Von einer bestehenden Pflanze ein Blatt mit einem Stielrest abschneiden
  • Feuchtes Substrat in ein kleines Pflanzgefäß geben
  • Blattsteckling so tief hineinstecken, dass nur noch das Blatt herausschaut
  • Substrat und Steckling mit kalkarmem Wasser besprühen
  • Plastiktüte über den Topf ziehen

Nun dauert es einige Wochen, bis der Steckling Wurzeln bildet. Ist dies der Fall, wird er neue Triebe bilden; die Plastiktüte kann nun entfernt werden. Wichtig ist, dass sowohl der Steckling als auch das Substrat gleichmäßig feucht gehalten werden, ohne dass Staunässe entsteht.

Im folgenden Frühjahr können die frisch gezogenen Pflanzen ins Freiland ausgepflanzt oder in größere Pflanztöpfe umgetopft werden.

Gartenbista-Tipp: Plastiktüte regemäßig lüften, um der Bildung von Grauschimmel vorzubeugen!

Junge Fettkrautpflanzen
Junge Fettkrautpflanzen

Fettkraut Vermehrung durch Samen

Alternativ kann die Pinguicula vulgaris auch über Samen vermehrt werden; dies geschieht ebenfalls im Herbst. Entsprechendes Saatgut kann entweder aus den Samenkapseln bestehender Pflanzen entnommen oder im Fachhandel käuflich erworben werden:

  • Anzuchtgefäß mit Substrat füllen
  • Saatgut auf Erde legen, nur leicht andrücken, nicht mit Erde bedecken (Lichtkeimer)
  • Gefäß an einen hellen und warmen Ort stellen
  • Substrat feucht halten

Nach einigen Wochen werden sich die ersten Keimlinge zeigen. Haben diese einen Durchmesser von etwa 3-5 cm erreicht, können sie in Einzeltöpfe pikiert werden; ins Freiland werden sie jedoch erst im kommenden Frühjahr ausgepflanzt.

Sollen die jungen Karnivoren hingegen als Zimmerpflanzen gehalten werden, werden sie im Frühling in ihr endgültiges Pflanzgefäß umgetopft.

Fettkraut Pflege Tipps

  • Gießen: Pinguicula vulgaris benötigt zwar feuchtes Substrat, verträgt aber im Gegensatz zu anderen Karnivoren keine Staunässe. So ist es unabdingbar, das Substrat regelmäßig zu kontrollieren, um es ständig feucht halten zu können; im Winter kann die Wassergabe eingeschränkt werden. Verwendet werden sollte kalkarmes oder destilliertes Wasser.
  • Düngen: Es ist nicht notwendig, die Fleischfressende Pflanze zu düngen, da sie genügend Nährstoffe durch die gefangenen Insekten aufnimmt.

Fettkraut überwintern

Pinguicula vulgaris gehört zu den in Deutschland heimischen Pflanzen und übersteht dortige winterliche Temperaturen auch im Freien. Wem dies zu unsicher ist, der kann seine Karnivore gerne auch ausgraben, in ein Pflanzgefäß setzen und in ein Winterquartier im Haus bringen. Bei dieser Art der Überwinterung sind folgende Kriterien zu beachten:

  • Temperaturen sollten zwischen 5°C und 10°C liegen
  • Mäßig gießen

Für Pinguicula vulgaris, die ganzjährig im Haus kultiviert werden, gelten dieselben Regelungen bezüglich der Überwinterung.

Entgegen landläufiger Meinung muss die Fettpflanze auch im Winter, wenn es keine Insekten gibt, nicht gedüngt werden: sie zehrt von den in ihren Blättern gespeicherten Nährstoffen.

Fettkraut schneiden?

Manch ein hochmotivierter Pflanzenbesitzer kommt auf die Idee, seine Fleischfressende Pflanze schneiden zu wollen. Dies ist bei Fettpflanzen nicht notwendig. Im Gegensatz zur Pflege vieler anderer Pflanzen ist nicht einmal das Entfernen abgestorbener Pflanzenteile oder verwelkter Blüten vonnöten.

Bluehendes Fettkraut
Bluehendes Fettkraut

Fettkraut zur Insektenvernichtung einsetzen

Sehr gerne wird das Pinguicula vulgaris zur Vernichtung von lästigen Fruchtfliegen eingesetzt, da diese kleinen Insekten an den Blättern kleben bleiben. So entsteht eine Win-Win-Situation: der Pflanzenfreund ist die Fliegen los, während die Karnivore Nahrung und somit Nährstoffe aus ihnen gewinnt. Sehr gerne werden die kleinen Fleischfressenden Pflanzen neben Obstkörbe gestellt, um diese von den Fruchtfliegen freizuhalten.

Auch gegen Trauermücken sind die Fettpflanzen gut einzusetzen: sie werden zwischen Küchenkräuter gestellt, so dass die kleinen Insekten anstatt auf die Kräuter geradewegs in die Falle fliegen. Leider hat die Fruchtfliegen Vernichtung mit Fettpflanzen einen Haken: Pinguicula vulgaris trägt zwar dazu bei, die Population der Insekten in Grenzen zu halten, kann aber deren Fortpflanzung nicht verhindern. Die Larven befinden sich im Pflanzsubstrat, so dass immer wieder neue Trauermücken entstehen.

Fettkraut Schädlinge und Krankheiten

Das Pinguicula vulgaris ist gegenüber Schädlingen klar im Vorteil: sollte der eine oder andere Parasit versuchen, die Pflanze zu besiedeln, bleibt er kleben und wird verzehrt. Demzufolge stellen Schädlinge keine Gefahr für das Fettkraut dar.

Anders hingegen ist es bei Krankheiten: Grauschimmel tritt bei der beliebten Karnivore relativ häufig auf; vor allem dann, wenn sie zu nass steht. Ein derartiger Befall zeigt sich zunächst durch braune Flecken auf den Blättern. Im fortgeschrittenen Stadium werden sowohl die Blätter als auch die Triebspitzen weich. Schließlich ist die gesamte Pflanze von einem grauen Belag überzogen, der bei Berührung der Pflanzenteile stark aufstäubt.

Befallene Pflanzenteile sind umgehend zu entfernen. Steht die Karnivore in einem Pflanzgefäß, sollte sie in ein anderes umgetopft werden. Wird dabei festgestellt, dass auch die Wurzeln bereits befallen sind, sollte man sich besser von der Pflanze trennen.

Vorbeugend ist auf eine gemäßigte Wasserzufuhr zu achten; Staunässe ist zwingend zu verhindern. Auch sollte lediglich das Pflanzsubstrat bedeutet werden und nicht die Pflanze selbst.

Fettkraut Heilwirkung

In der Naturheilkunde wurde das Fettkraut aufgrund seiner krampflösenden Eigenschaften in früheren Zeiten unterstützend eingesetzt, unter anderem

  • bei Fieber
  • bei Husten
  • bei Magen-Darm-Beschwerden
  • bei Wunden.

Obwohl die Wirkung nachweislich vorhanden ist, spielt das Pinguicola vulgaris heutzutage keine große Rolle mehr in der Homöopathie. Nur eingefleischte Naturheilkundler verwenden die frischen oder getrockneten Blätter noch als unterstützende Therapie bei Husten und Fieber.

Bitte beachten Sie, dass Gartenbista-Artikel nicht den fachlichen Rat eines Arztes, Heilpraktikers oder Physiotherapeuten ersetzen können. Außerdem übernehmen weder der Autor noch Gartenbista das Risiko für eine Eigenbehandlung aufgrund dieses Artikels.

 

 

Graphiken: © Rhombur – Fotolia.com; gabriffaldi – Fotolia.com; Daniel Strauch – Fotolia.com; kelly marken – Fotolia.com; tunedin – Fotolia.com


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.