Schildläuse bekämpfen: Hausmittel, Chemie, Systematisch

Schildläuse, Coccoidea
Schildläuse, Coccoidea

Für viele Pflanzenfreunde sind sie ein echter Alptraum: Schildläuse, Coccoidea. Diese saugenden Schädlinge treten an sämtlichen Pflanzenteilen von Nutz- und Zierpflanzen auf, und zwar sowohl im Hause als auch im Freien. Da sie nicht nur die Pflanze an sich schädigen, sondern auch auf benachbarte Pflanzen übergehen, bleibt dem Besitzer nichts anders übrig, als die Schildläuse zu bekämpfen. Welche Methoden sind geeignet? Welche Hausmittel können erfolgreich gegen die Coccoidea eingesetzt werden?

Schildläuse bekämpfen – Tipps von Gartenbista

Schildläuse bekämpfen – Tipps für Schnellleser

  • Schadbild: Abgeworfene Blätter; Braune oder grüne Höcker auf den Blättern; Knospen, die sich nicht öffnen; Verfärbte Blätter; Verkrüppelte Blätter; Verkrüppelte Blüten; Verkrustete Triebe; Wollartige Gespinste
  • Gefährdete Pflanzen: Apfelbäume; Asparagus; Beerensträucher; Birnbäume; Efeu; Farne; Fensterblatt; Ficus; Flamingoblumen; Gummibäume; Kakteen; Kirschbäume; Oleander; Orchideen; Palmen; Pfirsichbäume; Pflaumenbäume
  • Ursachen: Pflegefehler
  • Bekämpfungsmethoden: einzeln bekämpfen; Hausmittel; natürliche Fressfeinde; chemische Mittel
  • Einzelbekämpfung: absammeln; mit getränktem Wattestäbchen betupfen
  • Hausmittel: Brennnessel-Jauche; Kernseife-Gemisch; Tabak-Sud; Wermut-Sud
  • Fressfeinde einsetzen: Schlupfwespen; Gallmücken; Florfliegen
  • Chemische Mittel: Stäbchen; Spray
  • Präventivmaßnahmen: regelmäßige Kontrolle der Pflanzen

Wissenswertes über Schildläuse

Weltweit gibt es über 4.000 Arten von Schildläusen, Coccoidea, von denen in Mitteleuropa etwa 90 beheimatet sind. Zu den bekanntesten zählen

  • Deckelschildläuse
  • Napfschildläuse
  • Schmierläuse
  • Wollläuse

Schildläuse erreichen eine Größe zwischen 0,6 mm und 6mm; am auffälligsten ist der Schutzpanzer, den die ungeflügelten Weibchen bilden, und der nicht nur abnehmbar ist, sondern auch seine Farbe der seiner Wirtspflanze annimmt. Dieser Schild dient nicht nur dem Schutz des Weibchens selbst: auch dessen Brut wird wohl behütet. Bis zu 2.000 Eier jährlich legen die Schildläuse ab und vermehren sich somit rasant.

Die Larven der Schädlinge werden also durch den Schild geschützt. So können sie sich in aller Ruhe zu Nymphen entwickeln, dann sprengen sie ihren Panzer und besiedeln neue Pflanzen. Interessanterweise sind lediglich die Weibchen diejenigen, die eine Gefahr für Pflanzen darstellen: sie haben ausgebildete Mundwerkzeuge, welche sie dazu benutzen, um die Pflanzen auszusaugen. Doch nicht nur das: je nach Art injizieren die Schildläuse entweder Gift in die Pflanzen oder sondern Honigtau ab. Dieser führt nicht nur zu Pilzbefall, sondern lockt auch Ameisen an, so dass der geplagte Pflanzenfreund nicht nur Schildläuse bekämpfen muss, sondern auch noch Ameisen.

Dennoch sind es nur die Weibchen, die von heimischen Garten- und Pflanzenfreunden gefürchtet werden; die Männchen hingegen verursachen keine Schäden.

Schildläuse auf einem Kaktus
Schildläuse auf einem Kaktus

Woran lässt sich ein Schildlausbefall erkennen?

Das Unangenehme am Schildlausbefall ist, dass er sich erst sehr spät bemerkbar macht. Zunächst leben die Läuse bescheiden und unauffällig auf Blattunterseiten sowie in Blattachseln. Sind Indizien gegeben, so kann davon ausgegangen werden, dass dieser Befall bereits weit fortgeschritten ist.

Das Schadbild, welches durch die Anwesenheit von Schildläusen entsteht, kann in mannigfaltiger Form auftreten:

  • Abgeworfene Blätter
  • Braune oder grüne Höcker auf den Blättern
  • Knospen, die sich nicht öffnen
  • Verfärbte Blätter
  • Verkrüppelte Blätter
  • Verkrüppelte Blüten
  • Verkrustete Triebe
  • Wollartige Gespinste

Welche Pflanzen sind besonders gefährdet?

Obwohl prinzipiell sämtliche Zier- und Nutzpflanzen von Schildläusen heimgesucht werden, gibt es einige, auf die die Schädlinge besonders stehen:

  • Apfelbäume
  • Asparagus
  • Beerensträuchern
  • Birnbäume
  • Efeu
  • Farne
  • Fensterblatt
  • Ficus
  • Flamingoblumen
  • Gummibäume
  • Kakteen
  • Kirschbäume
  • Oleander
  • Orchideen
  • Palmen
  • Pfirsichbäume
  • Pflaumenbäume

Gartenbista-Tipp: Hat man als Pflanzenfreund solche Spezies in seinen Gefilden, so sollten diese besonders aufmerksam beobachtet werden.

Ursachen für einen Schildlausbefall

Eine falsche Pflege führt zu kranken Pflanzen: Gesunde Pflanzen haben in der Regel genügend Abwehrkräfte, um sich gegen vereinzelte Schädlinge zu wehren. Anders hingegen sieht es bei geschwächten Pflanzen aus: sie sind nicht widerstandsfähig genug, um sich zur Wehr zu setzen. Dieses Unwohlsein zeigen sie auch darin, dass sie die Zusammensetzung ihres Safts ändern. Ein Teufelskreis beginnt, denn genau dieser veränderte Pflanzensaft wirkt auf Schädlinge wie ein Magnet. Die Folge: ohnehin schon geschwächte Pflanzen werden von einer wahren Invasion Läuse heimgesucht und dadurch noch mehr geschädigt.

Folgende Pflegefehler sind zwingend zu vermeiden:

  • Wassermangel
  • Staunässe
  • Nährstoffmangel
  • Überdüngung
  • Geringe Luftfeuchtigkeit
  • Zu dunkler Standort

Damit eine Pflanze gesund bleibt und sowohl die Sommer- als auch die Wintermonate schadlos übersteht, sollten demzufolge einige Kriterien beachtet werden:

  • Viel Licht, besonders bei der Überwinterung
  • Beim Überwintern keine zu hohen Temperaturen
  • ausgewogene Wasserversorgung
  • Niedrige Luftfeuchtigkeit vermeiden
  • Gute, nährstoffreiche Gartenerde
  • Nicht zu viel stickstoffhaltigen Dünger verwenden
Schildläuse, Coccoidea
Schildläuse, Coccoidea

Schildläuse bekämpfen?

Als Pflanzenfreund stellt man sich immer wieder die Frage, ob es zwingend notwendig sei, Schädlinge zu vernichten. Dabei sollte bedacht werden, dass es zwei verschiedene Arten von schädlichen Insekten gibt:

  • Jene, die durchaus auch nützliche Eigenschaften besitzen und
  • Solche, die ausschließlich Schäden verursachen und keinerlei Nutzen bringen

Schildläuse gehören zur zweiten Kategorie. Sie schädigen nicht nur die Wirtspflanze, sondern wandern immer weiter und weiter auf alle anderen Pflanzen im Umkreis. Hinzu kommt, dass sie sich sehr stark vermehren, so dass bereits eine einzige befallene Pflanze zu einer wahren Invasion von Schildläusen führen kann.

Demzufolge gibt es nur eine Option: Schildläuse müssen vernichtet werden.

Methoden zur Schildlaus Bekämpfung

Steht der Entschluss fest, Schildläuse bekämpfen zu wollen, so stehen verschiedene Möglichkeiten zur Auswahl:

  • Einzeln bekämpfen
  • Hausmittel verwenden
  • Fressfeinde einsetzen
  • Chemie verwenden
Schildläuse
Schildläuse

Schildläuse einzeln bekämpfen

Da Schildläuse ab einem gewissen Wuchsstadium relativ leicht erkennbar sind, können sie einzeln bekämpft werden. Hierfür stehen zwei verschiedene Optionen zur Verfügung:

  • Schildläuse einzeln einsammeln
  • Schildläuse mit einem getränkten Wattestäbchen betupfen

Wird sich für die erste Maßnahme entschieden, so wird wie folgt vorgegangen:

  • Pflanze in möglichst helles Licht stellen
  • Mit der Hand oder einer Pinzette die Läuse einzeln aufnehmen
  • Auf einem Küchenkrepp zerquetschen

Wer jedoch kein Interesse daran hat, die Schildläuse anzufassen, der sollte sich für die zweite Methode entscheiden:

  • Ein Wattestäbchen in Spiritus tränken
  • Stäbchen auf den Panzer der Schildlaus drücken

Der Alkohol sorgt dafür, dass sich das Schild auflöst und die Laus verstirbt.

Bei beiden Methoden muss jedoch gesagt sein, dass sie sehr viel Zeit in Anspruch nehmen; erfolgversprechend sind sie jedoch allemal, da die Schildläuse unbeweglich auf den Pflanzen sitzen und somit keinerlei Gefahr besteht, dass sie davonlaufen.

Zudem ist es wichtig, etwaig bestehenden Honigtau ebenfalls zu entfernen; dies kann sehr leicht mithilfe einer Seifenlösung geschehen.

Gartenbista-Tipp: Keinesfalls die Schildläuse abkratzen. Zwar würden die Weibchen sterben, jedoch kann es passieren, dass die darunter liegenden Larven über die Pflanze verteilt werden.

Hausmittel gegen Schildläuse anwenden

Seit Jahrhunderten haben sich Hausmittel bei der Schädlingsbekämpfung bewährt. Die diesbezüglichen Möglichkeiten sind mannigfach und extrem einfach anzuwenden:

  • Sud herstellen
  • Mithilfe einer Sprühflasche auf die Pflanzen aufsprühen
  • Alternativ mit einem Pinsel auf die betroffenen Pflanzen auftragen
  • Vorgang so lange wiederholen, bis die Schildläuse verschwunden sind

Als besonders effektiv haben sich folgende Mischungen erwiesen:

  • Brennnessel-Jauche
  • Kernseife-Gemisch
  • Tabak-Sud
  • Wermut-Sud

Brennnesseljauche herstellen:

  • 500 g Brennnesseln
  • 5 l Wasser

Zusammen in einen Behälter mit Deckel geben, drei Tage einweichen, regelmäßig umrühren. Danach filtern.

Kernseife-Gemisch herstellen:

  • 15 ml flüssige Kernseife
  • 15 ml Brennspiritus
  • 1 l Wasser

mischen, eine halbe Stunde ziehen lassen.

Tabak-Sud herstellen:

  • 200 g Tabak
  • 1 l heißes Wasser

mischen und in ein verschließbares Gefäß geben. Etwa eine Stunde ziehen lassen

Wermut-Sud herstellen:

  • 150 g kleingehackter Wermut
  • 5 l kochendes Wasser

30 Minuten ziehen lassen, danach abseihen.

Gartenbista-Tipp: Brennnessel-Jauche nicht bei Zimmerpflanzen anwenden, da sie extrem stinkt!

Schlupfwespe
Schlupfwespe

Schildläuse mit Fressfeinden bekämpfen

Für viele Pflanzenfreunde noch absolutes Neuland ist der Einsatz von Fressfeinden bei der Schädlingsbekämpfung. Hierbei werden Nützlinge gezielt eingesetzt, um die Schädlinge zu vernichten. Zu den beliebtesten derartigen Nützlingen zählen die Schlupfwespen. Diese können im Fachhandel erworben werden und werden direkt auf der befallenen Pflanze ausgesetzt. Dort verzehren sie die unerwünschten Schädlinge, ohne dass sie Schäden an irgendwelchen Pflanzen verursachen.

Auch

  • Florfliegen
  • Gallmücken
  • Marienkäfer
  • Schwebfliegen

werden sehr gerne als natürliche Schädlingsbekämpfer eingesetzt, wobei diese nicht unbedingt für Innenräume geeignet sind.

Chemische Mittel gegen Schildläuse einsetzen

Helfen sämtliche Maßnahmen nichts, so müssen spezielle Pflanzenschutzmittel zur Schildlaus Bekämpfung eingesetzt werden. Dies sollte jedoch nur im Notfall geschehen und tatsächlich nur, wenn andere Methoden nicht greifen. Die chemischen Mittel sind zwar ausgesprochen effektiv, aber auch umweltschädlich. Darüber hinaus vernichten sie nicht nur die Schädlinge, sondern auch Nützlinge, die sich in der Umgebung der behandelten Pflanze befinden. Von einer Anwendung bei Nutzpflanzen ist grundsätzlich abzuraten.

Wer nicht umhin kommt, Schildläuse chemisch zu bekämpfen, kann entweder auf

  • Stäbchen oder
  • Spray

zurückgreifen. Die Stäbchen werden in die Erde der befallenen Pflanze gesteckt, wo sie ihr Gift abgeben. Dieses wird von den Wurzeln aufgenommen und gelangt von dort durch den Pflanzensaft  in alle Pflanzenteile.

Die Pflanzenschutzsprays werden direkt auf die Pflanzenteile aufgesprüht. Auch hierbei wird das Gift mithilfe des Pflanzensaftes überall hin verteilt.

Gartenbista-Tipp: Das Gift muss unbedingt systemisch sein, da Kontaktgifte bei Schildläusen nicht wirken!

Schildlausbefall – was ist sonst noch zu tun?

  • Betroffene Pflanzen umgehend separieren
  • Pflanze in einen hellen und kühlen Raum stellen
  • Befallenen Pflanzenteile abschneiden und vernichten
  • Wenn möglich, Pflanze kopfüber mit warmem Wasser abduschen

Leider ist es so, dass nicht immer die Bekämpfung auf Anhieb erfolgreich ist. Trotz aller Bemühungen kann es durchaus passieren, dass immer noch Schildläuse vorhanden sind, was unter anderen daran liegt, dass dieser Schädling gegenüber einigen Methoden resistent ist. Nicht verzagen, sondern einfach verschiedene Bekämpfungsmaßnahmen miteinander kombinieren.

Sollten Pflanzenteile absterben, so ist dies ein ganz normaler Prozess. Zum einen sind sie geschwächt durch das Aussaugen, zum anderen tragen manche Behandlungen zusätzlich dazu bei, dass die Pflanze geschädigt wird. In jenen Fällen werden betroffene Pflanzenteile einfach entfernt.

Präventivmaßnahmen

Aufgrund der Tatsache, dass ein Befall mit Schildläusen zunächst unbemerkt bleibt, sind präventive Maßnahmen zwingend notwendig:

  • Pflanzen regelmäßig auf Schädlingsbefall kontrollieren, speziell die Blattunterseiten
  • Für optimale Pflege sorgen

 

 

Graphiken: © regenbogenfloh – Fotolia.com; Ellie Nator – Fotolia.com; emer – Fotolia.com; ThKatz – Fotolia.com; die_maya – Fotolia.com


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