Ist die Gespinstmotte ein Schädling oder Nützling?

Raupen der Gespinstmotte
Raupen der Gespinstmotte

Nahezu jährlich ist dasselbe Schauspiel zu beobachten: diverse Gehölze sind mit interessant aussehenden Gespinsten überzogen. Ursächlich dafür ist ein kleiner Schmetterling: die Gespinstmotte. Sie legt ihre Eier ab und schützt diese mit den Gespinsten, so dass die Raupen ungehindert die Pflanzenteile auffressen können.

Gespinstmotte – Steckbrief von Gartenbista

  • Farbe: weiß mit schwarzen Punkten
  • Größe: bis 2,5 cm
  • Besonderheiten: schützt Eier durch Gespinste
  • Verbreitung: weltweit
  • Entwicklungsstadien: Ei, Raupe, Puppe, Falter
  • Lebensweise: legen Eier nach dem Schlüpfen ab
  • Schadwirkung: Kahlfraß von Gehölzen

Wissenswertes über die Gespinstmotte

Gespinstmotten gehören zur Familie der Schmetterlinge und sind weltweit mit etwa 900 Arten vertreten. In Mitteleuropa sind 74 Arten beheimatet. Die kleinen Falter würden niemanden stören, wenn sie nicht eine besondere Eigenschaft aufweisen würden: sie legen im Hochsommer ihre Eier an jungen Trieben ab, bevorzugt an

Nach der Eiablage umhüllen sie ihr Gelege mit einem Sekret, welches erhärtet und sich wie ein Schutzschild über die Eier legt. So können die gelben, schwarzgepunkteten Raupen ungehindert schlüpfen, was sie nach wenigen Tagen auch tun. Den Herbst und Winter verbringen sie in diesem Schutz bis etwa Mai. Dann verlassen sie ihre Hülle und fressen junge Triebe und Knospen ihrer Wirtspflanzen. Dadurch entstehen kleine Gespinste, die mit fortschreitender Entwicklung der Larven immer größer und dichter werden. Sie dienen den jungen Raupen wiederum als Schutz bis etwas Ende Juni. Dann ist nicht nur die Zeit als Larve für gewöhnlich beendet, sondern auch die Blätter alle weggefressen. Die Raupen verpuppen sich und verlassen ihren Kokon in Juli/August als adulter Falter. Gleich nach dem Schlüpfen legen die Gespinstmotten Eier ab, und der Zyklus beginnt erneut.

Ist die Gespinstmotte ein Nützling?

Die kleinen weißen Falter besitzen keinerlei Eigenschaften, welche sie als Nützling ausweisen würden.

Oder ein Schädling?

Es wäre unfair, die Gespinstmotten als Schädlinge zu bezeichnen. Im adulten Zustand richten sie keinerlei Schäden an, sondern leben eher zurückgezogen. Sie sind weder bei Berührung giftig, noch greifen sie Menschen oder Tiere an, stechen oder beißen. Leider ist es nur so, dass ihre hungrigen Raupen Fraßschäden, im schlimmsten Fall Kahlfraß an Gehölzen verursachen können. Diese treiben zwar für gewöhnlich umgehend wieder neu aus, jedoch ist die Optik zunächst gestört.

Gespinstmotte Schadbilder

Ob die Gespinste an sich, die durch die Larven entstehen, als Schadbild angesehen werden, ist individuell unterschiedlich. Manch ein Gartenbesitzer stört sich an dieser Optik, andere wiederum finden diese sehr interessant. Dass sich darunter nur noch abgefressene Triebe und demzufolge weder Blätter noch Knospen befinden, gefällt jedoch niemandem.

Raupen der Gespinstmotte bekämpfen?

Es stellt sich die Frage, wie sinnvoll eine Bekämpfung der Raupen tatsächlich ist. Der einzige Vorteil ihrer Vernichtung besteht darin, dass die Gehölze vor Fraßschäden bewahrt werden. Andererseits ist dies ein Eingriff in die Natur, der nicht wirklich notwendig ist, da sich die abgefressenen Pflanzen noch im selben Sommer wieder erholen werden und nicht vom Absterben bedroht sind.

Mit Hausmitteln?

Um den Fraß der Gespinstmottenlarven einzudämmen, können die Gespinste mitsamt den darin befindlichen Raupen mithilfe einer Schere abgeschnitten werden. Danach müssen sie vernichtet werden, was am einfachsten dadurch gelingt, dass sie in kochendes Wasser geworfen werfen. Diese Methode ist zwar brachialisch, jedoch führt sie zu einem schnellen und nicht qualvollen Tod der Larven.

Chemisch?

Wer meint, dass der Einsatz eines speziellen Pflanzenschutzmittels zu einer schnellen Lösung des Problems mit den Gespinstmotten führt, der irrt: es gibt momentan keine chemischen Mittel, die in der Lage sind, durch die Gespinste durchzudringen. Sie bleiben, genau wie Regenwasser, außen auf der Hülle liegen und kommen nicht bis an die Raupen heran. Da für gewöhnlich ein Befall erst dann bemerkt wird, wenn sich die Gespinste zeigen, ist eine chemische Bekämpfung demzufolge nicht möglich.

 

Symbolgraphiken: © Vincent Scherer – Fotolia.com


1 Kommentar

  1. Diese Gespinste sind ein wunderschönes optisches Highlight. Bei uns im Feld sind jedes Jahr viele Gehölze derart überzogen. Zum Glück werden sie in Ruhe gelassen, so dass sich die Raupen in aller Ruhe entwickeln können.

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