Torffreie Erde verwenden und auf Torf im Garten verzichten – der Umwelt zu Liebe!

Torffreie Erde
Torffreie Erde

Torfreie Erde: Lange Zeit wurde Torf abgebaut und für die Bodenverbesserung mit Blumenerde gemischt. Dabei wurden kaum die Folgen für die Natur und Umwelt hinterfragt. Durch den Torfabbau verschwanden somit weltweit viele Hochmoore und damit auch eine gewisse Artenvielfalt. Im Laufe der Zeit schärfte sich jedoch das Bewusstsein der Menschen hinsichtlich des Naturschutzes. Der Torfabbau wurde vielerorts untersagt. Torf in Blumenerde jedoch blieb. Immer mehr Hobbygärtner setzen jedoch nun auch auf torffreie Erde – der Umwelt zuliebe.

Was bedeutet torffreie Erde?

Häufig wird im Handel torffreie Erde angeboten. Dies bedeutet, dass sich in dieser Erde kein Torf befindet. Es werden aber auch torfreduzierte Erden verkauft. Diese enthalten einen geringeren Anteil an Torf.
Torf bildet sich in Mooren aus organischen Pflanzenmaterialien, die nicht vollständig zersetzt worden sind. Getrocknet ist Torf demnach sehr gut brennbar, denn er stellt auch gleichzeitig die erste Phase der Inkohlung dar. Wenn der Gehalt an organischen Pflanzenmaterialien über 30 Prozent liegt, spricht die Wissenschaft von Torf.

Eine niedrigere, prozentuale Zusammensetzung wird als Feuchthumus oder auch Moorerde bezeichnet.
Zudem werden bestimmte Torfarten klassifiziert, die sich aus den entsprechenden Moorarten ergeben. So wird der Torf, der sich in Niedermooren bildet, Niedermoortorf bezeichnet. Hochmoortorf bildet sich dagegen in Hochmooren. Übergangstorf nennen einige Experten eine Torfart, die von ihrem Charakter und der Zusammensetzung her eine Mischung der beiden Moorarten Niedermoor und Hochmoor besitzt.

Wie entsteht ein Moor eigentlich?

Für die Entstehung eines Moores sind einige Faktoren unerlässlich. Sofern alle Voraussetzungen vorliegen, kann sich im Laufe der Zeit ein Moor bilden. Diese wären:

Entstehung von Moor
Entstehung von Moor
  1. Ausreichende Niederschlagsmenge
  2.  Hohe Luftfeuchtigkeit
  3. Wasserstau am Boden
  4. Hohe Produktion an pflanzlichen Substanzen
  5. Zersetzung von Pflanzensubstanzen ist geringer als Neuproduktion
  6. Sonniger Standort

Hochmoore

Interessant ist das Beispiel des Hochmoors, das auch Regenmoor oder ombothrophes Moor genannt wird. Es speist sich ausschließlich aus Regenwasser, ist salz- und mineralarm und sauer. Ein Hochmoor bildet sich dann, wenn durch Ablagerungen von Pflanzenresten der Grundwasserstand überstiegen wird. Dies bedeutet, dass ein Hochmoor sich stets aus einem Niedermoor entwickelt. Ein Niedermoor entwickelt sich mithilfe des Grundwassers.

Durch kontinuierlichen Mangel an Sauerstoff und einen höheren Säuregrad können abgestorbene Pflanzenteile nicht oder nur teilweise zersetzt werden. Es bildet sich am Boden eine Schicht aus unzersetzten Pflanzenmaterialien, die dann zur Torfbildung führen. Je mehr Pflanzenmaterialien sich absetzen, desto höher steigt die Schicht an Torf. Sofern dann das Niveau des Grundwasserspiegels überstiegen wird und sich das Moor nur noch von Regenwasser speisen kann, spricht die Wissenschaft von einem Hochmoor. Die ausschließliche Speisung und Ernährung durch Regenwasser wird auch als ombrogen bezeichnet. Regenmoore wachsen somit stetig in die Höhe. Wissenschaftler unterteilen Hochmoore in verschiedene Unterarten. So gibt es:

  • Deckenmoore, die sich in stark ozianischen Gebieten, wie Irland, Schottland und Norwegen befinden
  • Planregenmoore, die sich hautsächlich an Küstenregionen in Südschweden, Norwegen, Lofoten, Minnesota und Ontario erstrecken
  • Plateauregenmoore, die sich in Nordwesteuropa in weniger stark ausgeprägten ozeanischen Gebieten befinden
  • Gebirgshochmoore, wie einige im Erzgebirge, die sich in montanen, aber weniger alpinen Regionen bilden
  • Kermimoore, die vor allem große Moorflächen in Russland und Finnland bilden
  • Aapamoore, die sich in der subpolaren Region nördlich des 66. Breitengrades und somit vor allem in Nord-Sibirien und Mittelfinnland befinden
  • Palsamoore, die sich in Gebieten der Dauerfrostböden, wie der Tundra, erstrecken
  • Polygonmoore, die hauptsächlich in arktischen und subarktischen Gebieten, wie Russland und Nordamerika, anzutreffen sind

Niedermoore

Niedermoore hingegen bilden sich überall dort, wo ein erhöhter Grundwasserspiegel zu finden ist. Dies können Gebiete rund um Flussniederungen, Mulden, Quellgebieten und Senken sein. Charakteristisch für ein Niedermoor ist, dass dieses relativ wenig in die Höhe wächst und sich aus dem Grundwasser, Sicker- und Quellwasser in erster Linie ernährt. Ein Niedermoor ist nährstoffreich und von einem hohen Artenreichtum an Flora und Fauna geprägt. Wie auch Hochmoore werden Niedermoore nochmals unterteilt. In Mitteleuropa werden sie vornehmlich anhand ökologischer und hydrologischer Kriterien klassifiziert.

Klassifizierung von Torf

Torf entsteht nur sehr langsam. Wissenschaftler setzen ein Torfwachstum von 1 mm pro Jahr an. Es gibt aber auch Fälle, bei denen die Torfablagerung bis zu 1 cm pro Jahr wächst. So gibt es Moore, die Jahrtausende für ihr Wachstum benötigen. Das Teufelsmoor bei Worpswede ist ein solches Beispiel. Es benötigte etwa 8000 Jahre, um zu entstehen. Je nach dem Verdichtungsgrad der Pflanzenteile kann Torf in unterschiedliche Kategorien und Heizwerte eingestuft werden. Torf gibt es als:

  • Weißtorf, bei dem die Pflanzenstruktur noch erkennbar ist (= jüngste Schicht, auch Rasentorf genannt)
  • Brauntorf, bei dem eine strukturlose Masse mit schwer zersetzbaren Pflanzenteilen entsteht (= mittlere Schicht, auch Fasertorf genannt)
  • Schwarztorf, bei dem kaum noch Pflanzenteile erkennbar sind (= älteste Schicht, auch Pechtorf genannt)

Weißtorf wird hauptsächlich der im Handel erhältlichen Blumenerde beigesetzt. Er soll vor allem die Erde auflockern und zugleich fruchtbarer machen. In Mooren sind die haupttorfbildenden Pflanzen:

  • Torfmoose (Sphagnum)
  • Braunmoose
  • Heidearten, wie Besenheide und Glockenheide
  • Bergkiefer (Pinus mugo)
  • Binden
  • Sauergräser (Simsen, Arten der Segge, Wollgräser)
  • Schwarzerlen

Warum ist Torf-Verwendung umweltschädlich?

Tofabbau
Torfabbau

Die Moornutzung und Trockenlegung ist schon Jahrhunderte, wenn nicht gar Jahrtausende alt. Bereits im Römischen Reich wurde das Forum Romanum durch die Errichtung eines umfangreichen Entwässerungssystems, der Cloaca Maxima, während der Regierungszeit von Tarquinius Priscus trockengelegt. Nasse Standorte wurden im Laufe der Geschichte stets versucht, trockenzulegen. Ein wichtiger Grund stellte damals die Eindämmung der Malaria dar.

Durch die Trockenlegung der Moore und Sümpfe konnten sich die Überträgermücken nicht mehr vermehren. Dadurch konnte die Krankheit weitestgehend ausgerottet werden. Ein weiterer Grund war die schlechte Bewirtschaftbarkeit von sumpfartigen Gebieten. Viele Bauern versuchten deshalb, Moore zu entwässern und den Boden dann zu bewirtschaften. Durch die Trockenlegung der Moore wurde aber die spezifische Artenvielfalt in vielen Regionen deutlich verringert. Vor allem der Bestand der carnivoren Pflanzen ging deutlich zurück.

Mit dem industriellen Torfabbau gelangte die Zerstörung der Artenvielfalt auf ihren Höhepunkt. Anfänglich wurde Torf nur als Brennmaterial und die daraus resultierende Asche als Düngemittel für Felder verwendet. Zunehmend verbreitete sich auch eine Nutzung des Torfs als Baustoff für den Hausbau. Der Torfabbau nahm um 1880 zu, als Torf nun auch als Brennmaterial für die Eisen- und Stahlindustrie eingesetzt wurde. Als bekannt wurde, dass Torf durch seine höhere Wasserspeicherkapazität und Belüftung den Gartenboden für Pflanzen verbessern kann, wurde Torf schließlich auch für den Garten- und Landschaftsbau gewonnen.

Noch heute boomt der Verkauf von Gartenerde mit Torfanteil. Die Wirkung ist allerdings unter Experten äußerst umstritten, denn Torf senkt den pH-Wert im Boden und macht ihn sauer. Nicht viele Gartenpflanzen bevorzugen ein saures Bodenmilieu. Immer mehr Gartenliebhaber steigen vor allem der Umwelt zuliebe und wegen der Umstrittenheit der Wirkung des Torfs auf Alternativen um. Noch heute werden rund 8,2 Millionen Kubikmeter Torf in Norddeutschland abgebaut. Zudem wird aus West-Sibirien, Kanada und aus dem Baltikum Torf importiert.

In Deutschland wird der Torfabbau zum Schutz der eigenständigen Biotope nicht mehr aus intakten Mooren und auch nicht mehr maschinell betrieben. Stattdessen wird der Torf gefräst oder ausgebaggert und dann an der Luft aus schon bestehenden Torfabbaugebieten getrocknet. Der gestochene und freigelegte Torf ist jedoch klimaschädlich. Im Torf enthalten ist eine hohe Konzentration von Kohlendioxid, die an der Luft durch die Zersetzung freigesetzt wird.

Durch den massiven Torfabbau in Hochmooren, vornehmlich heutzutage für die Gewinnung von Gartenerde, wurde die Artenvielfalt stark minimiert. In Mitteldeutschland kommen beispielsweise so gut wie kaum noch Moore und damit die spezifische Flora und Fauna vor. Aber nicht nur der Torfabbau trägt zum Rückgang der Moore bei, sondern auch die Verwendung von Düngemitteln und Pestiziden sowie schadstoffbelastetes Regenwasser. Diese Faktoren können den Haushalt der Moore aus dessen Gleichgewicht bringen und intakte Moore sterben lassen.

Bereits abgetorfte Moorflächen werden seit einigen Jahren in vielen Ländern, darunter auch Deutschland, Finnland und Kanada, erneut bewässert, um eine Regeneration des Feuchtgebietes zu erlangen. Betriebe, die Torf für Blumenerde abbauen, sind verpflichtet worden, das Moor nach dem Abbau wieder zu renaturieren. Allerdings benötigt es viel Zeit, damit sich ein Moor mit all seiner Flora und Fauna bildet. Experten gehen davon aus, dass es etwa tausend Jahre braucht, bis sich ein Moor mit einer Torfschicht von rund einem Meter Höhe gebildet hat. Auch wenn in Deutschland keine intakten Moore mehr abgebaut werden dürfen, werden trotzdem rund zehn Millionen Kubikmeter Blumenerde mit Torfanteil pro Jahr hierzulande verkauft. Der meiste Torf stammt dabei aus dem Baltikum.

Durch die Zerstörung der Moore ging in Deutschland der Bestand der Artenvielfalt zurück. Die Pflanzen, die an Hochmooren heimisch sind, sind wahre Spezialisten im Hungern. Hochmoore sind in der Regel baumfrei. Stattdessen finden sich etliche Arten carnivorer Pflanzen, Heiden und Gräser.

Durch den Abbau von Hochmooren für Garten- und Blumenerde wurden folgende Pflanzenspezialisten in ihrem Bestand massiv minimiert:

  • Rundblättriger Sonnentau (Drosera rotundifolia)
  • Venusfliegenfalle (Dionaea muscipula)
  • Rosmarinheide (Andromeda polifolia)
  • Glockenheide (Erica tetralix)
  • Besenheide (Calluna vulgaris)
  • Moosbeere (Vaccinium oxycoccos)
  • Torfmoose
  • Wollgräser (Eriphorum)
  • Seggen (Carex)
  • Scheiden-Wollgras (Eriophorum vaginatum)
  • Rasenbinsen (Trichophorum)

Braucht man Torf überhaupt im Garten als Hobbygärtner?

Unter Experten ist die Wirkung des Torfs, den Boden zu verbessern, umstritten. Bekannt ist, dass eine der wichtigsten Eigenschaften der Hochmoore darin besteht, enorm viel Wasser zu akkumulieren und zu speichern. Ein Stück Torf kann somit bis zu 70 Prozent aus Wasser bestehen. Ein Pflanzenwachstum kann damit besonders in den Sommermonaten gefördert werden. Bei der Gartenverwendung kann zwischen Schwarztorf und Weißtorf unterschieden werden.

Schwarztorf

Beim Schwarztorf handelt es sich um die unterste schon fast vollständig zersetzte Pflanzenschicht in einem Hochmoor. Der Torf besteht etwa aus 70 % Wasser und Mineralien. Der Rest sind organische Substanzen. Schwarztorf darf nicht mit Feuchthumus oder Moorerde verwechselt werden, denn diese bestehen aus weniger als 30 % organisches Material. Schwarztorf wird im Garten gern bei kalkhaltigen Böden eingesetzt, denn der Torf besitzt einen pH-Wert von 3 bis 4. Schwarztorf senkt damit den hohen pH-Wert von kalkhaltigen Böden.

Damit der Torf allerdings im Garten eingesetzt werden kann, muss er eine längere Zeit eingefroren werden. Dies führt dazu, dass der Schwarztorf später nach dem Auftauen mehr Wasser speichern kann und nicht schrumpft. Die Aufnahmekapazität von Wasser nach dem Einfrieren liegt beim Schwarztorf beim drei- bis vierfachen seines eigenen Gewichts. Sofern der Torf nicht eingefroren wurde, liegt ein sogenannter Industrietorf vor, der kaum noch Wasser aufnimmt. Daher ist dieser Torf als Beimischung zur Blumenerde unbrauchbar.

Torf für Hobbygärtner
Torf für Hobbygärtner

Schwarztorf mit seiner pH-senkenden Wirkung soll bei folgenden Gartenpflanzen das Wachstum positiv beeinflussen:

  • Rhododendren (Rhododendreae)
  • Azaleen (Rhododendreae)
  • Sämtliche Moorbeetpflanzen
  • Heidelbeeren (Vaccinium myrtillus)
  • Gemüse

Nicht alle Pflanzen benötigen einen niedrigen pH-Wert, um gedeihen zu können. Einige Pflanzen benötigen auch einen höheren pH-Wert. Bei diesen Pflanzen ist eine Beimischung von Schwarztorf eher kontraproduktiv.

Weißtorf

Beim Weißtorf handelt es sich um die obere Schicht eines Moores. Der Name ist allerdings irreführend. Der Torf ist nicht weiß, vielmehr handelt es sich um abgestorbene Pflanzenteile, die noch nicht zersetzt sind. Im Handel wird Weißtorf daher häufig als Torfmull angeboten. Weißtorf besitzt einen pH-Wert von 3 bis 4.

Zum Vergleich: Gartenerde hat einen pH-Wert von 5 bis 6. Damit Weißtorf im Garten verwendet werden kann, muss dieser mit Kalk gemischt werden. Für eine ausreichende Wasserspeicherung muss der pH-Wert dabei bei mindestens 3,5 liegen. Der Torf kann laut Experten bis zum 8-fachen seines Gewichts Wasser aufnehmen und dieses dann sehr langsam abgeben. Erden, denen Weißtorf beigemischt wird, werden lockerer, kohlensäurehaltiger und saurer. Eine beliebte Verwendung des Weißtorfs ist die Beimischung bei Lehm- und Sandböden.

Torf in Gartenerde

Die Frage danach, ob Torf in Gartenerde tatsächlich einen positiven Effekt hat, kann man anhand der beschriebenen Fakten gut erkennen. Im Prinzip geht es bei Torfbeimischungen nur darum, den pH-Wert des Bodens zu senken und eventuell die Wasserspeicherkapazität zu erhöhen. Dies kann sinnvoll sein bei Kalk- und Sandböden. Allerdings kann man diesen Effekt auch der Umwelt zuliebe mit Humus, Hornspäne und Kompost erreichen. Wer denkt, mit Torf seine Gartenpflanzen mit Nährstoffen gut zu versorgen, der irrt. Torf ist extrem nährstoffarm. Die Gartenerde muss also trotzdem gedüngt werden, auch wenn Torf beigemischt ist. Bezüglich eines kräftigen Wachstums der Pflanzen kann deshalb geschlussfolgert werden, dass der Einsatz von Torf in Garten- und Blumenerde nicht wichtig ist. Kompost, Humus und Späne können als gute und umweltfreundiche Alternativen genommen werden.

Torffreie Erde – für welche Pflanzen geeignet?

Torffreie Blumenerde benötigen in erster Linie alle Pflanzen, die keine sauren Böden lieben. Dazu gehören Pflanzen, die mit einem hohen Kalkgehalt zurechtkommen. Böden, mit einem hohen Kalkgehalt weisen einen pH-Wert von über 7,2 auf. Pflanzen, die sich hier wohlfühlen sind Efeuarten (Hedera), Wicken (Vicia), Vergissmeinnicht (Myosotis), Geranien (Pelargonium), Petunien (Petunia) und Waldreben (Clematis).

Neutrale bis leicht kalkhaltige Böden mit einem pH-Wert von 6,6 bis 7,2 lieben Astern (Aster), Margeriten (Leucanthemum), Rosen (Rosa), Erdbeeren (Fragaria), Gladiolen (Gladiolus), Lavendel (Lavandula), Birnen (Pyrus), Buchs (Buxus), Ahorn (Acer), Dahlie (Dahlia), Hyazinthen (Hyacinthus), Schwertlilien (Iris), Nelken (Dianthus) und Tulpen (Tulipa).

Einen eher schwach sauren Boden mit einem pH-Wert zwischen 5,9 und 6,5 lieben vor allem Rittersporn (Delphinium), Glockenblumen (Campanula), Flammenblumen (Phlox) und Lilien (Lilium). Einen sauren Boden mögen Heidearten (Erica), Fuchsien (Fuchsia), Azaleen (Rhododendron), Hortensien (Hydrangea) und Rhododendren (Rhododendron). Auch Pflanzen, die einen sauren Boden lieben, können in torffreie Erde gesetzt werden, sollten jedoch noch eine gute Schicht Humus hinzuerhalten.

Gartenbista-Tipp: Erde, die mit Torf angereichert wurde, kann laut Experten sogar die Bodenqualität verschlechtern. Der Grund liegt darin, dass der Torf extrem nährstoffarm ist. Durch eine Mischung eines normalen Gartenbodens mit Torf kann somit der Nährstoffgehalt für Pflanzen sinken. Wenn schon nährstoffarme Böden zusätzlich mit Torf angereichert werden, können kaum noch Pflanzen auf dem Boden gut gedeihen, sofern es keine Hungerspezialisten, zum Beispiel Hochmoor-Pflanzen, sind. Demnach ist es ratsam auf torffreie Erde zurückzugreifen. Einfache Gartenerde kann mit Humus, Rinden, Kalk, Holzabfällen und Späne angereichert werden, um ebenfalls eine gute Durchlüftung sowie eine Nährstoffanreicherung zu erreichen.

Torffreie Blumenerde

Torffreie Blumenerde kann bereits im gut sortierten Handel von fast allen namhaften Anbietern gekauft werden. Einige Anbieter bieten Blumenerde aber auch als torfreduziert oder torfarm an. Dies bedeutet nichts anderes, als dass in der Erde noch ein gewisser Anteil an Torf enthalten ist. Somit ist diese Erde nicht torffrei. Um sicher zu gehen, dass auch torffreie Blumenerde gekauft wird, sollte auf das „RAL-Gütesiegel“ und auf die Bezeichnung „torffrei“ geachtet werden. Diese Blumenerde ist ohne Torfzusatz und somit für die Natur unbedenklich.

Doch Vorsicht: Viele Verbraucher lassen sich von der Bezeichnung „Bio-Blumenerde“ irreführen. Bio-Erde muss nicht automatisch torffrei sein. Vielmehr sind es andere Faktoren, die zur Bezeichnung Bio-Erde führen können. Häufig nutzen Anbieter die Bezeichnung „Bio“ nur für Marketingstrategien. Sie hoffen dadurch, dass viele Verbraucher auf diese Blumenerde zurückgreifen ohne dabei genauer auf die Zusammensetzung zu achten. Viele Bio-Blumenerden sind deshalb auch mit Torf angereichert, was wiederum nicht sonderlich ökologisch ist.

Gartenbista-Tipp: Mit torffreier Blumenerde lässt sich auch gut gärtnern. Wichtig ist dabei eine gute Nährstoffversorgung. Diese kann mittels Flüssigdünger im Gießwasser oder aber durch Kompostbeigabe erfolgen. Flüssigdünger lieber in kleineren Mengen, dafür aber häufiger verabreichen. Eine lockere Erde erreicht man durch Zugabe von Späne, Sand- und Steingemische, Humus und Gartenabfälle. Für eine höhere Wasserspeicherung kann Ton- oder Lavagranulat unter die torffreie Blumenerde gemischt werden. Ton und Lava binden Wasser und geben dieses bei Bedarf an die Pflanzen ab. So haben Sie im Handumdrehen eine torffreie Blumenerde auf ökologischer Basis geschaffen.

Anzuchterde und Anzuchttöpfe torffrei

Anzuchttöpfe sollten für ein gutes Austreiben der Pflanzen möglichst torffrei sein. Torf ist grundsätzlich nährstoffarm, da er aus Hoch- bzw. Regenmooren gewonnen wird. Als Beimischung unter der Anzuchterde kann er diese in ihrer Nährstoffintensität mindern, was bedeutet, dass die Anzuchterde durch Torfzusätze weniger Nährstoffe enthalten kann. Eine Reduktion der Nährstoffe hat aber ein schwächeres Wachstum der Pflänzchen zur Folge. Beim Kauf von Anzuchterde demnach darauf achten, dass kein Torf beigefügt ist.

Torffreie Erde für Gemüse und Tomaten

Auch wenn viele Gemüsearten säuerlichen Boden mögen, gedeihen sie auch gut in torffreier Erde. Dazu gibt es bereits bei vielen namhaften Anbietern spezielle Kräuter- und Gemüseerde, die torffrei ist. Häufig ist diese für salzempfindliche, junge Pflanzen jedoch nicht geeignet. Allerdings kann der Großteil der Gemüse- und Tomatenpflanzen in die angebotene Spezialerde ausgepflanzt werden.

Gartenbista-Tipp: Neben Gemüse, wie Tomaten-, Kohl- und Gurkenpflanzen, lassen sich auch viele Kräuter ebenso mit einer torffreien Gemüseerde gut heranziehen. Dabei ist eine torffreie Gemüse- und Tomatenerde in der Regel auch für die meisten mediterranen Kräuter wie Basilikum, Rosmarin und Thymian geeignet. Natürlich gibt es diese Spezialerde auch wieder in Bio-Qualität. Hierbei besonders darauf achten, dass ausschließlich rein organische, biologische Düngung zugesetzt wurde. Viele der Bio-Erden tragen auch den Gütesiegel „ECOCERT“.

Rasenerde

Neben Gemüse- und Blumenerde gibt es auch bereits torffreie Rasenerde in Bio-Qualiät zu kaufen. Häufig ist diese in ihrer Zusammensetzung auf die Nährstoffverhältnisse des Rasens abgestimmt. So fügen viele Anbieter zur verbesserten Wasserspeicherung Pflanzenkohle dazu. Pflanzenkohle hat mitunter die Eigenschaft, vermehrt Wasser zu speichern, die Anzahl der Mykorrhizen zu erhöhen, toxische Stoffe zu binden und die Bodendurchlüftung zu verbessern. Dies kann dazu führen, dass der Rasen resistenter gegen Schädlinge wird und die einzelnen Halme widerstandsfähiger. Pflanzenkohle gibt es auch als Biokohle, die in torffreie Bio-Rasenerde häufig enthalten ist.

Alternativen und Tipps für torffreies Gärtnern

Viele Hersteller von Blumenerde bieten immer mehr torffreie Erde an. Der Grund liegt darin, dass viele Verbraucher bereits auf ein ökologisches Gärtnern umgestiegen sind. Die Sensibilität für Natur und Ökologie ist bei vielen Menschen im Laufe der Zeit gestiegen. Daher findet torffreie Erde immer mehr Anklang bei Hobbygärtnern. Als Ersatz für Torf mischen viele Hersteller Alternativstoffe unter die Erde. Diese können sich vorteilhaft, aber auch in einigen Fällen nachteilig auf das Pflanzenwachstum auswirken.

Kompost nutzen

Kompost gilt als wichtiger Nährstofflieferant für Gartenerde, denn er liefert unter anderem Kalium und Phosphat. Die Erde sollte jährlich mit Kompost angereichert werden, denn dieser baut sich relativ schnell ab und verliert dabei wichtige Stoffe, wie Stickstoff. Wer einen Garten besitzt, kann leicht selbst Komposterde herstellen oder aber auch im Handel kaufen. Doch Vorsicht: Nicht jede Pflanze verlangt nach Kompost und nicht jeder Kompost ist geeignet.

Torffreie Erde – Ersatzstoffe / Mischung

Torffreie Erde lässt sich hervorragend auch durch Ersatzstoffe und Erdgemische anreichern, sodass der Boden nährstoffreich und locker wird. Aber nicht alle Ersatzstoffe sind auch ökologisch. Umstritten sind beispielsweise Xylit und Kokosfasern. Viele Hersteller bieten bereits Gartenerde als Mischungen mit etlichen Ersatzstoffen an. Häufig werden für Torf folgende Ersatzstoffe eingesetzt:

Torfmischung
Torfmischung
  • Kokosfasern
  • Rindenhumus
  • Rindenmulch
  • Holzfasern
  • Lavagranulat
  • Tongranulat
  • Pflanzenkohle
  • Xylit

Kokosfasern sind als ökologischer Ersatzstoff umstritten. Mitunter durch den Einsatz von Kokosfasern in Blumenerde werden viele Kokosbaumplantagen als Monokulturen errichtet, die wiederum den einheimischen Baumbestand und die Vegetation in den südasiatischen Gegenden drastisch verringern. Daher ist der Einsatz von Kokosfasern unter Ökologen heftig umstritten. Kokosfasern haben die Eigenschaft, viel Wasser aufnehmen zu können, kaum von Schimmel befallen zu werden und durch ihre Struktur den Boden zu lockern. Allerdings sind sie wie Torf nährstoffarm. Torffreie Erde mit einem hohen Anteil an Kokosfasern muss demnach häufiger gedüngt werden.

Rindenhumus wird überwiegend aus Fichtenrinde, aber auch aus anderen Baumrinden hergestellt. Dieser kann gut Wasser und Nährstoffe aufnehmen und diese an die Pflanze wieder abgeben. Zudem ist er in der Lage, wachstumshemmende Stoffe, wie Gerbsäuren, Phenole und Harze, durch Abbauprozesse zu verringern. Rindenhumus wird häufig auch mit Stickstoff und anderen Nährstoffen vorab angereichert und ist vor allem für Starkzehrer gut geeignet.

Rindenmulch hingegen besteht aus überwiegend groberem Rindenmaterial. Es ist nicht wie beim Rindenhumus fermentiert und enthält noch wachstumshemmende Stoffe. Rindenmulch wird eher für die Durchlüftung des Bodens eingesetzt.

Holzfasern als Ersatzstoff für Torf eignen sich in erster Linie für eine gute Durchlüftung. Die krümelige Struktur besitzt jedoch kaum Nährstoffe, weshalb hier die torffreie Blumenerde öfters gedüngt werden sollte. Zudem können Holzfasern kaum Wasser speichern, wodurch die Pflanzen somit häufiger bewässert werden müssen.

Lavagranulat hingegen ist der perfekte Sauerstofflieferant unter der Erde. Durch seine poröse Struktur trägt das Lavagranulat zu einem hohen Sauerstoffgehalt bei. Zudem lockert es gleichzeit die Erde auf und kann viel Wasser speichern. Vor allem in lehmigen und schwereren Böden kann das Lavagestein die Wasserabfuhr begünstigen, was wiederum das Risiko einer Staunässe minimiert.

Tongranulat oder auch Blähton genannt, kann wie das Lavagranulat viel Wasser speichern. Das Granulat wird aus bis zu 1200 °C gebranntem Ton hergestellt und ist äußerst leicht. Dies sorgt dafür, dass nicht nur der Blumentopf insgesamt leichter wird, sondern auch für eine gute Durchlüftung des Bodens. Tongranulat verringert zudem das Risiko, dass sich eine Staunässe bildet.

Pflanzenkohle besteht vereinfacht gesagt aus verkohlten Pflanzenteilen, die in der Lage sind, den Boden gut zu durchlüften, Schadstoffe zu binden und Wasser zu speichern. Pflanzenkohle wird häufig in Bio-Erden verwendet.

Xylit ähnelt optisch gesehen der Holzfaser, ist aber eine Vorstufe der Braunkohle. Xylit speichert jedoch wenig Wasser. Durch den geringen pH-Wert verändert sich die Substanz kaum in der Struktur und kann den Boden dadurch konstant durchlüften. Allerdings ist Xylit unter Ökologen ebenfalls wie Kokosfasern umstritten, da der Braunkohleabbau für die Umwelt ebenfalls eine Belastung darstellt.

Torfmoos als Alternative zum Torf?

Torfmoos gehört in die Abteilung Laubmoose und wächst überwiegend in feuchten Gebieten und Mooren. Durch den starken Moorabbau hat sich der Bestand der Torfmoose ebenso drastisch reduziert. Der Einsatz von Torfmoos als Alternative zum Torf kann daher aus ökologischer Sicht kaum Sinn machen. Allerdings versuchen bereits Landschaftsökologen und Biologen, Torfmoos landwirtschaftlich anzubauen, was jedoch erheblich kostenintensiv ist. Insgesamt lässt sich jedoch sagen, dass Torfmoos als Alternative zu Torf aus biologischer Sicht ideal wäre, da es sehr gute Eigenschaften besitzt. Bisher gibt es jedoch noch keine wirtschaftliche und ökologisch vertretbare Lösung für den Anbau von Torfmoos.

Torffreie Erde selber herstellen – Anleitung

Torffreie Erde kann leicht selbst gemischt werden. Dazu kann Gartenerde, Kompost und Lehm eine Grundmischung hergestellt werden, die dann durch Anreicherung von Hornspäne, Urgesteinsmehl und anderen Ersatzstoffen nach Belieben verfeinert werden kann.

1. Schritt: Benötigte Utensilien bereitstellen:

  • Große Wanne oder Bottich zur Mischung der verschiedenen Erdanteile
  • Messbecher
  • Langer, stabiler Ast oder Stiel für die Mischung der Erden

2. Schritt: Benötigte Erdanteile bereitstellen
Eine Grundmischung für 110 Liter Erde kann bestehen aus:

  • 60 L Gartenerde (= 55 % )
  • 40 L Kompost aus Grünschnitt (= 35 %)
  • 10 L Lehm (= 10 %)
  • Hornspäne (nach Belieben, für Starkzehrer)
  • Urgesteinsmehl (nach Belieben, für die Mineralienversorgung)
  • Kokosfasern, Ton- und Lavagranulat (für Topf- und Kübelpflanzen)

3. Schritt: Erde mischen

Alle Erden gemäß prozentualer Anteile in den bereitgestellten Bottich geben und mit einem langen, stabilen Ast oder dergleichen vermischen. Die Holzspäne und das Urgesteinsmehl erst nach der Grundmischung nur an der Oberfläche einarbeiten. Danach die Erde wie gewohnt auf die Beete verteilen und diese bepflanzen.
Wichtig ist, Lehm mit in die Erde zu geben, denn dieser dient als Wasserspeicher. Zugleich gibt er Nährstoffe an die Pflanzen ab. Für die Verfeinerung des Bodens können vor allem für Starkzehrer, wie Tomaten und Kartoffeln, Hornspäne und Urgesteinsmehl oberflächlich beigemischt werden. Hornspäne liefert viel Stickstoff, wobei das Urgesteinsmehl wichtige Mineralien an die Pflanzen abgibt. Für Topfpflanzen eignet sich zudem auch die Beimischung von Kokosfasern, Lavagranulat und auch Tongranulat. So bleibt die Erde luftiger und Wasser wird gespeichert.

Symbolgrafiken: Константин Брацихин, Bits and Splits, wiltzscher, TippyTortue – Fotolia.com


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