Pfaffenhütchen (Euonymus europaeus): Giftig? Wie vermehren?

Bunte Blüten und leuchtendes Herbstlaub – das Pfaffenhütchen, ein Blickfang für jeden Garten

Pfaffenhütchen (Euonymus europaeus): Giftig? Wie vermehren?
Pfaffenhütchen (Euonymus europaeus): Giftig? Wie vermehren?

Das Pfaffenhütchen, auch bekannt als Spindelstrauch, ist mit seinen attraktiven, bunten Blüten und Früchten und dem im Herbst spektakulär verfärbten Laub ein echter Blickfang und es ist in vielen deutschen Gärten anzutreffen.

Aber Vorsicht, die bunte Schönheit hat es in sich: das Pfaffenhütchen ist hochgiftig und eine Vergiftung kann zu schweren Leber- und Nierenschäden oder sogar zum Tod führen.

Informationen zum Pfaffenhütchen auf einen Blick

  • Wissenschaftlicher Name: Euonymus europaeus
  • Ordnung: Celastrales (spindelbaumartige Gewächse)
  • Familie: Celastraceae (Spindelbaumgewächse)
  • Gattung: Euonymus (Spindelsträucher)
  • Art: gewöhnlicher Spindelstrauch
  • Heimat: das Pfaffenhütchen (Euonymus europaeus) ist in ganz Europa heimisch, kommt aber auch in Asien und im Kaukasus vor.
  • Arten: weltweit gibt es fast 200 verschiedene Arten des Pfaffenhütchens.
  • Namensursprung: seinen Namen verdankt es dem Umstand, dass die Form seiner Frucht an die Kopfbedeckung katholischer Geistlicher erinnert.
  • Andere Namen: die Früchte und Samen des Pfaffenhütchens dienen im Winter vielen Vögeln als Nahrung, daher ist das Pfaffenhütchen auch unter dem Namen Rotkehlchenbrot bekannt.
  • Wuchshöhe: die Wuchshöhe der Sträucher beträgt etwa drei Meter, manche Arten wachsen zu bis zu sechs Meter hohen Bäumen heran.
  • Sommergrün: das Pfaffenhütchen ist sommergrün, wirft also im Winter sein Laub ab. Zuvor verfärben sich die Blätter meist leuchtend rot.
  • Pflanzung: das Pfaffenhütchen kann als Solitärstrauch, als Hecke oder auch als Kübelpflanze kultiviert werden.
  • Blütenoptik: die Blüten sind eher unauffällig, weißlich-grün und blühen von Mai bis Juni.
  • Früchte: deutlich auffälliger als die Blüten sind die Früchte des Pfaffenhütchens. Die rosa bis rot gefärbten Früchte reifen von September bis Oktober. Während der Blüte zieht das Pfaffenhütchen viele Insekten an und dient ihnen als Nahrungsquelle.
  • Giftigkeit: das Pfaffenhütchen ist die „Giftpflanze des Jahres 2006“. Für Menschen und Haus- und Nutztiere sind alle Pflanzenteile, insbesondere aber die Samen, hochgiftig. Schon die Aufnahme von zwei Samen kann zu schweren Vergiftungserscheinungen führen.

Der ideale Standort und Boden für das Pfaffenhütchen

Das Pfaffenhütchen ist sehr anspruchslos, was seinen Standort angeht. Im Vollschatten wird es nicht gut gedeihen und nur wenige Blüten bilden, aber solange es genügend Licht und Wärme bekommt, stellt es keine weiteren Anforderungen.

Vollsonnige oder auch halbschattige Plätze sind ganz nach dem Geschmack des Pfaffenhütchens und dort wird es viele Blüten und seine charakteristische Herbstverfärbung in voller Pracht zeigen.

  • Anforderungen an den Boden

Etwas größere Ansprüche stellt das Pfaffenhütchen an den Boden. Es gedeiht am besten in lockeren, gut durchlässigen und nährstoffreichen Böden. Je mehr Humus und Kalk im Boden vorhanden sind, desto wohler fühlt sich das Pfaffenhütchen.

Was es nicht gut verträgt sind schwere, lehmige Böden, die zu Staunässe neigen.

Sind die Bodenverhältnisse am gewünschten Standort nicht ideal für das Pfaffenhütchen, kann mit folgenden Maßnahmen nachgeholfen werden:

  • Boden gründlich lockern.
  • Für eine bessere Durchlässigkeit Sand und kleine Kieselstein untermischen.
  • Großzügig Humus untermischen.

Je nachdem, wie es um die Feuchtigkeit des Bodens beschaffen ist, wird das Pfaffenhütchen unterschiedlich reagieren. In feuchten Böden wächst es schneller, in trockenen Böden wird es mehr Blüten ausbilden.

Bis zu einem gewissen Maß kann man durch die Wahl des Standorts oder durch gezieltes Wässern also entweder das Wachstum oder den Blütenreichtum beeinflussen.

Gartenbista-Tipp: Sowohl Staunässe als auch ein komplettes Austrocknen sollten unbedingt vermieden werden, da beide Extreme die Pflanze schädigen.

Beliebte Pfaffenhütchen Arten

Etwa 200 Arten des Pfaffenhütchens sind weltweit bekannt. In Deutschland ist am häufigsten der Gewöhnliche Spindelstrauch Euonymus europaeus anzutreffen.

Weitere sehr beliebte Arten und Zuchtformen des Pfaffenhütchens sind:

  • Euonymus europacus „Red Cascade“ mit besonders großen Früchten und rot-gelbem Herbstlaub.
  • Euonymus europacus „Atropurpureum“ mit zunächst grünen Blättern, die sich im Lauf der Zeit dunkel purpurn verfärben und im Herbst scharlachrot leuchten.
  • Euonymus japonicus ein immergrünes japanisches Pfaffenhütchen.
  • Euonymus fortunei ein beliebter, immergrüner Bodendecker, auch als Kriechspindel bekannt.

Pfaffenhütchen pflanzen

  • Pflanzen laubabwerfender Pfaffenhütchen Arten

Das Pflanzen des Pfaffenhütchens ist denkbar unkompliziert. Die laubabwerfenden Arten, zu denen Euonymus europaeus gehört, sollten immer im Winter gepflanzt werden. Dazu eignet sich ein frostfreier, trockener, nicht zu sonniger Wintertag am besten.

  • Pflanzen immergrüner Pfaffenhütchen Arten

Immergrüne Arten sollten eher im Frühjahr gepflanzt werden.

Gartenbista-Tipp: Vor dem Einpflanzen sollte der Wurzelballen des Pfaffenhütchens in einem Wassereimer gut gewässert werden.

  • Was beim Pfaffenhütchen pflanzen beachtet werden sollte
Frucht des Pfaffenhütchens (Euonymus europaeus)
Frucht des Pfaffenhütchens (Euonymus europaeus)

Das Pflanzloch sollte etwa eineinhalb bis zweimal so breit und tief sein wie der Wurzelballen. In die ausgehobene Erde wird am besten gleich eine gute Portion Humus eingearbeitet. Nach dem Pflanzen muss das Humus-Erde Gemisch gut angedrückt werden, von einem Festtreten sollte man wegen der empfindlichen Flachwurzeln jedoch absehen.

Abschließend wird das Pfaffenhütchen gründlich angegossen und bis der Strauch nach einigen Wochen angewachsen ist, sollte regelmäßig großzügig gegossen werden.

Gartenbista-Tipp: Soll das Pfaffenhütchen als Hecke gepflanzt werden, empfiehlt es sich, die Pflanzen in einem Abstand von einem halben Meter zu setzen.

Die Pflege des Pfaffenhütchens

  • Pfaffenhütchen gießen

Auch was die Pflege angeht, ist das Pfaffenhütchen sehr anspruchslos. Bei länger anhaltenden Trockenperioden im Sommer sollte es gegossen werden, jedoch erst, wenn die oberste Erdschicht ausgetrocknet ist.

Um ein Austrocknen zu verzögern und eine Verdichtung des Bodens zu vermeiden, kann eine Mulchschicht um die Wurzeln herum aufgebracht werden.

Staunässe muss jedoch unter allen Umständen vermieden werden. Da das Pfaffenhütchen in kalkhaltigem Boden gut gedeiht, verträgt es auch sehr gut die Gabe von kalkhaltigem Wasser.

  • Pfaffenhütchen düngen

Von April bis Juli sollte das Pfaffenhütchen etwa zweimal im Monat mit einem organischen Dünger gedüngt werden und im Frühjahr und Herbst sollte dem Boden jeweils eine großzügige Portion Kompost oder Humus beigemischt werden. Auch ein paar Handvoll Hornspäne nimmt das Pfaffenhütchen bei dieser Gelegenheit gern an.

  • Pfaffenhütchen schneiden

Was den Schnitt angeht, so ist es zwar nicht unbedingt erforderlich, das Pfaffenhütchen zu schneiden, aber einen leichten Rückschnitt sollte man ihm dennoch gönnen.

Überlässt man das Pfaffenhütchen einfach sich selbst, wird es im Lauf der Jahre sehr breit und ausladend werden und oft mehr Raum einnehmen, als ursprünglich vorgesehen.

Mit einem leichten Auslichtungsschnitt im Frühjahr oder Herbst kann man diese oft ungewünschte Ausdehnung von Anfang an verhindern und erhält trotzdem einen natürlichen, gleichmäßigen Wuchs.

Lässt es sich nicht vermeiden, verträgt das Pfaffenhütchen jedoch auch einen radikalen Rückschnitt.

Wird mehr als nur ein bisschen geschnitten, empfiehlt es sich, den Schnitt im Frühjahr vorzunehmen, um die Folgen des Schnitts durch das Laub kaschieren zu lassen.

Pfaffenhütchen vermehren

  • Pfaffenhütchen vermehren durch ausgraben von Jungpflanzen

Die Vermehrung des Pfaffenhütchens ist so einfach, dass es einfacher kaum geht: das Pfaffenhütchen vermehrt sich, nicht immer zur Freude des Gärtners, nämlich gern selbst. Die schnellste und leichteste Methode ist daher wirklich, unter einem bestehenden Spindelstrauch nach Jungpflanzen Ausschau zu halten, diese vorsichtig auszugraben und am gewünschten Standort wieder einzupflanzen.

  • Pfaffenhütchen vermehren mittels Stecklingen

Wer dort wider Erwarten nicht fündig wird, kann jedoch auch etwas gezielter und planvoller vorgehen und das Pfaffenhütchen über Stecklinge vermehren.

Die beste Zeit dafür ist Ende Juni, also einige Zeit nach Beendigung der Blüte im Mai.

Als Stecklinge schneidet man nun junge, gesunde Triebe, möglichst ohne Fruchtansätze in einer Länge von 10 bis 15 Zentimetern.

Sehr wichtig ist, dazu immer eine scharfe Gartenschere zu benutzen, um den Trieb nicht durch Quetschen zu beschädigen. Die Blätter sollten nun auf etwa ein Drittel ihrer Größe verkürzt werden, sind Fruchtansätze oder ausgeblühte Blüten vorhanden, müssen diese entfernt werden. So kann der Trieb alle Energie in das Wachstum der Wurzeln stecken.

Der Trieb wird in einem Pflanzgefäß in feuchte Anzuchterde gesteckt. Um ein gleichmäßig feuchtwarmes Klima zu erzeugen, kann eine Plastiktüte oder Folie über den Trieb gezogen werden, jedoch muss regelmäßig gelüftet werden, um eine Schimmelbildung zu vermeiden.

Nun heißt es abwarten, denn es kann bis zu drei Monate dauern, bis sich neue Blattaustriebe zeigen, die signalisieren, dass die Vermehrung geglückt ist.

Der angewurzelte Trieb kann nun an seinen gewünschten Standort ausgepflanzt werden, in den ersten Jahren sollte der jungen Pflanze jedoch unbedingt ein Winterschutz gewährt werden.

  • Pfaffenhütchen mit Samen vermehren

Eine weitere Möglichkeit ist die Vermehrung des Pfaffenhütchens über Samen. Hier muss man jedoch noch mehr Geduld aufbringen, denn es kann bis zu einem Jahr oder sogar länger dauern, bis das Pfaffenhütchen keimt.

Zur Aussaat werden die Früchte kurz vor dem Öffnen geerntet und bis zur Öffnung trocken gelagert. Die so gewonnenen Samen können direkt im Freiland gesät werden.

Pfaffenhütchen Giftigkeit

Der einzige Nachteil des Pfaffenhütchens ist seine Giftigkeit für Menschen, aber auch für Haus- und Nutztiere wie Hunde, Katzen, Hasen, Kaninchen, Hamster und Meerschweinchen sowie Pferde, Ziegen, Schweine und Schafe.

  • Vergiftungserscheinungen

Die Vergiftungserscheinungen, die durch das Pfaffenhütchen hervorgerufen werden, können sowohl bei Kindern wie auch bei Tieren sogar zum Tod führen, weshalb in Gärten, in den Kinder spielen oder Haustiere freien Zugang haben, vielleicht eher auf das Pfaffenhütchen verzichtet werden sollte.

Zu den Vergiftungserscheinungen, die auch noch 15 bis 18 Stunden nach dem Verzehr von Pflanzenteilen oder Samen auftreten können, gehören neben Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und Durchfall auch Herzprobleme.

Die Vergiftungen können zu Leber- und Nierenschäden und vor allem bei Kindern im schlimmsten Fall zum Tod führen. Auch für Tiere verlaufen Vergiftungen mit den Samen des Pfaffenhütchens oft tödlich.

  • Welche Teile des Pfaffenhütchens sind besonders giftig?

Die Giftigkeit betrifft alle Pflanzenteile des Pfaffenhütchens, besonders giftig sind jedoch die Samen und gerade diese animieren vor allem kleine Kinder durch ihr buntes Aussehen oft dazu, sie in den Mund zu stecken und herunterzuschlucken.

  • Welche Gifte enthält das Pfaffenhütchen?

Bei den Giften des Pfaffenhütchens handelt es sich um herzwirksame Glykoside, die die Schlagkraft des Herzens steigern und gleichzeitig die Schlagfrequenz herabsetzen. Diese Stoffe sind auch im Fingerhut enthalten und werden in Anlehnung daran in der Medizin auch als Digitalis bezeichnet.

Außerdem enthält das Pfaffenhütchen Evonin, Koffein und Theobromin sowie vor allem in der Rinde Bitterstoffe und Gerbstoffe.

  • Nutzung des Pfaffenhütchens in der Heilkunde

Teile des Pfaffenhütchens wurden früher in der Heilkunde eingesetzt und sollten eine herzstärkende und wundreinigende Wirkung haben und sich außerdem positiv auf den Harndrang auswirken. Aus den Früchten wurde ein Ungeziefermittel hergestellt.

Heute wird das Pfaffenhütchen aufgrund seiner Toxizität nicht mehr als Heilpflanze verwendet.

Pfaffenhütchen überwintern

Das Pfaffenhütchen ist winterhart und braucht keine Hilfe um über den Winter zu kommen. Ausnahmen bilden jedoch Jungpflanzen und Pfaffenhütchen, die im Kübel gehalten werden.

Pfaffenhütchen Krankheiten und Schädlinge

Pfaffenhütchen (Euonymus europaeus) im Spätsommer
Pfaffenhütchen (Euonymus europaeus) im Spätsommer

Das Pfaffenhütchen (Euonymus europaeus) wird relativ oft von der Pfaffenhütchen-Gespinnstmotte befallen. Zur Bekämpfung werden am besten die befallenen Triebe und Zweige herausgeschnitten.

Außerdem zeigt der Strauch eine Anfälligkeit für echten Mehltau und falschen Mehltau und den Befall mit Filzgallmilben und Spindelbaum-Schildläusen.

Das Pfaffenhütchen: ein schöner, aber sehr giftiger Zierstrauch

Wer keine Gefahren durch die Giftigkeit des Pfaffenhütchens zu befürchten hat, also weder kleine Kinder noch Haustiere hat, die sich im Garten aufhalten, der hat mit dem Spindelstrauch einen attraktiven und pflegeleichten Blickfang in seinem Garten. Auch dem Naturschutz und der Umwelt tut man mit der Anpflanzung eines Pfaffenhütchens etwas Gutes, denn trotz seiner Giftigkeit für Säugetiere bietet er Vögeln und Insekten eine wichtige Nahrungsquelle.

Gefahr und Nutzen einer Anpflanzung sollten aufgrund der Gefahren jedoch gut überdacht werden, und gerade wenn Kinder den Garten zum Spielen nutzen, sollte auf eine Pflanzung des Pfaffenhütchens besser verzichtet werden.

 

Fotos: © M. Schuppich, Peter Eggermann, LinieLux – Fotolia.com


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