Ist Mundraub erlaubt?

Ist Mundraub erlaubt oder verboten?
Ist Mundraub erlaubt oder verboten?

Es ist Erntezeit. Also ran an die Früchte in Wald und Flur. Straßenbäume werden vom reifen Obst erleichtert, Heidelbeeren am Wegesrand gepflückt und die Pilze in den Wäldern sind bei den meisten Sammlern ohnehin schon Allgemeingut. Früher nannte man derlei Selbstbedienung noch Mundraub. Doch ist dieser Mundraub erlaubt?

Was ist Mundraub?

Dieser Begriff dürfte heute vielfach unbekannt sein. Wurde doch der Tatbestand Mundraub bereits 1975 aus dem Strafgesetzbuch gestrichen. Bis dahin hieß es dort im § 370 Absatz 1 Nr. 5: Mit Geld- oder Haftstrafe wird bestraft, wer Nahrungs- oder Genussmittel oder andere Gegenstände des hauswirtschaftlichen Verbrauchs in geringer Menge oder von unbedeutendem Wert zum alsbaldigen Verbrauch entwendet oder unterschlägt. 

Ist Mundraub erlaubt?

Der Mundraub galt als Übertretung und wurde mit maximal 500 Mark Geld- oder einer Haftstrafe bis zu sechs Wochen bestraft. Im Zuge einer Strafrechtsform wurde dieser Paragraph abgeschafft. Doch Vorsicht! Heute werden derlei Delikte grundsätzlich als Diebstahl gemäß § 242 StGB angesehen. Einzige Abmilderung dabei ist, dass der Diebstahl von Sachen mit geringem Wert nur aufgrund einer Anzeige verfolgt wird (§ 248a StGB).

Von Bedeutung ist das beim Obst am Straßenrand und in allen übrigen Fällen deshalb, weil es in Deutschland in der Regel immer einen Eigentümer für die in Rede stehenden Sachen gibt.

So stehen

  • Bäume,
  • Sträucher
  • und Pilze

entweder auf Eigentumsland, Pachtland oder gehören Kommune, Land oder Bund. Diese sind damit auch Eigentümer der Früchte. Die Wegnahme ohne Einwilligung, um sich das Ganze selbst anzueignen, begründet den Diebstahl.

Gartenbista-Tipp: Wer also fremde Früchte ernten möchte möchte, braucht eine Erlaubnis. Zumindest, wenn es um größere Mengen geht.

Wo darf man Früchte ernten?

^Vor dem Ernten immer um Erlaubnis fragen.
Vor dem Ernten immer um Erlaubnis fragen.

Auf den meisten öffentlichen Flächen dürfte auch das kein Problem sein. Vielfach ist es sogar erwünscht, um die Früchte nicht alljährlich verderben zu lassen. Auf privatem Grund sollte man besser vorher um Erlaubnis fragen. Auch, wenn kein Zaun drumherum den Zutritt blockiert. Sonst kann die Ernte durchaus eine Anzeige zur Folge haben. Denn Unwissenheit schützt in einem solchen Fall gerade nicht vor Strafe.

Nun kann man im öffentlichen Raum durchaus auch entspannt pflücken und ernten, ohne Mundraub zu begehen oder sich in die Gefahr dessen zu begeben. Möglich macht das die Internet-Plattform www.mundraub.org. Sie liefert Infos darüber, wo das Ganze legal ist.

Eine Karte zeigt die Stellen und Orte, wo Ernte frei und erwünscht ist. Beweggrund dieser Organisation ist es, die Vielfalt der Obstsorten und die typischen Anbauflächen auch für die Zukunft zu erhalten. Dafür sorgt auch ein regelmäßiges und möglichst vollständige Abernten der Erträge.

Textquelle: Ralph Kaste

Symbolgrafiken: © Nullplus, Sinuswelle – Fotolia.com


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Du kannst unter Pseudonym kommentieren. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Ja, ich habe die Datenschutzerklärung gelesen.