Krähenbeere (Empetrum nigrum) – Pflege & Verwendung

Die Krähenbeere richtig pfegen.
Die Krähenbeere richtig pflegen.

Die Krähenbeere ist ein Heidegewächs, das hauptsächlich in Moorlandschaften zu finden ist. Sie bildet eine Nahrungsquelle für Insekten und Vögel, sowie ein Genussmittel für den Menschen. In nördlichen Gegenden, wo die Kultur häufig vorkommt, wird die Frucht der Pflanze auf verschiedenste Weise verwendet. Ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich über große Teile Europas und der gemäßigten Klimazone der Nordhalbkugel. Im Garten sollte man auf ausreichende Bewässerung und einen passenden Standort achten.

Krähenbeere (Empetrum nigrum) – Steckbrief von Gartenbista:

  • Blütezeit: Mai bis Juni
  • Standort: sonnig
  • Boden: feucht, leicht sauer, humos
  • Pflanzen: vier bis fünf Exemplare pro Quadratmeter
  • Vermehrung: über Samen oder vegetativ
  • Gießen: feucht halten
  • Düngen: nicht notwendig
  • Schneiden: Erziehungsschnitt im Frühling möglich
  • Überwinterung: bis -45°C winterhart
  • Pflanzenhöhe/-größe: bis zwei Meter im Durchmesser; bis 50 cm hoch
  • Giftig: wenig giftig
  • Heilwirkung: hilft gegen Durchfall, enthält Vitamin C
  • Krankheiten: Pilzkrankheiten

Wissenswertes über Empetrum nigrum

Bei der Krähenbeere handelt es sich um einen in Europa heimischen Zwergstrauch. Die Art Empetrum nigrum kommt in zwei von einander abweichenden Unterarten vor. Empetrum nigrum nigrum hat männliche und weibliche Blüten. Diese Unterart muss also an jedem Standort stets als Pärchen vorkommen, um sich natürlich vermehren und Früchte tragen zu können.

Die Krähenbeere hat weibliche und männliche Blüten.
Die Krähenbeere hat weibliche und männliche Blüten.

Die eingeschlechtlichen Blütenstände bilden sich einzeln oder in Zweier- bzw. Dreiergruppen in den Achseln der Blätter. Die Farbe der Blüte reicht von Grünrosa bis Purpur, wobei die männlichen Blüten eher blass sind und die weiblichen kräftige und intensive Farben aufweisen. Zu sehen ist die Farbenpracht zwischen Mai und Juni.

Befruchtete weibliche Blüten bilden im weiteren Jahreslauf kleine schwarze Steinfrüchte aus. Diese Art der Krähenbeere ist immergrün und bildet am Boden entlang kriechende Zweige aus, welche bis zu einem Meter Länge erreichen können. Dadurch bilden sie einen Teppich, der eine maximale Höhe von 50 cm erreicht. Teilweise bilden sich entlang der langen Zweige kleine Wurzeln aus.

Junge Triebe sind behaart, während die älteren ihre Behaarung abgelegt haben und gänzlich kahl sind. Genauso steht es mit den Blättern, die bis zu sechs mm lang und höchstens zwei mm breit werden. Die nadelförmigen Blätter des Zwergstrauches sind in Quirlen um den Ast angeordnet. Manchmal wachsen sie wechselständig. Die Ränder dieser Nadeln sind eingerollt. Die Farbe des Laubes wechselt im Jahreslauf von Gelbgrün im Sommer bis hin zu rötlichen Tönen in der kalten Jahreszeit. Empetrum nigrum nigrum wächst vermehrt in den Mittelgebirgen Deutschlands. Die einzelnen Exemplare werden bis zu 80 Jahre alt.

Die zweite Unterart trägt den wissenschaftlichen Namen Empetrum nigrum hermaphroditum. Sie ist vor allem in Nordeuropa und im Alpenraum zu finden. Ein wesentlicher Unterschied zu der verwandten Unterart sind die zwittrigen Blüten. Zudem werden die Zweige dieser Unterart höchstens einen halben Meter lang. Sie kriechen am Boden entlang oder wachsen etwas in die Höhe. Trotz der teilweise kriechenden Wuchsform entwickeln sich an den Zweigen niemals Wurzeln.

360°-Video

In diesem Gartenbista-Video zeigen wir Ihnen in einer 360°-Ansicht, wie die Krähenbeere (Empetrum nigrum) aussieht.

360°-Video von der Krähenbeere (Empetrum nigrum)- Gartenbista-Videostudio, gedreht im August

Verwendung

Die Beeren werden in Skandinavien von der Bevölkerung verzehrt. Ihr Geschmack ist säuerlich bis bitter. Bekannt ist die Krähenbeere in diesen Breitengraden zudem für den leichten Rausch, den sie verursachen kann. Ein Anzeichen dieses Rauschzustandes ist damit einhergehender Schwindel. Aus diesem Grund trägt sie in manchen Regionen zusätzlich den Namen Alpenrauschbeere. Weitere regionale Trivialnamen sind

  • Affenbeere (Schlesien),
  • Appenbeere, Moorheide (Mark),
  • Beerenheide (Niedersachsen),
  • Felsenstrauch, Gichtkraut, Grambeere, Heidbeere (Unterweser).
  • Heidelbeere, Hirtenbeere (Rheinwald).
  • Kränbeere (Ostpreußen),
  • Krähenbeere (Preußen),
  • Nebelbeere (Pongau),
  • Rausch, schwarzer Rauschbeerenstrauch (Österreich),
  • Steinbeere, Steinheide (Kärnten),
  • Strickbeere, Trinkelbeere und Trunkelbeere (Erzgebirge).

Insbesondere nach dem ersten Frost werden im Norden Europas die Großen und Aromatischen dieser Beeren gegessen. Die Sami, ein im äußersten Norden Skandinaviens beheimatetes Volk friert die Beeren in Milch für ihre Wintervorräte ein. Die Inuits verzehren sie mit breiartig zerdrückter Dorschleber. Bei ihnen gilt diese Mahlzeit als Delikatesse.

Gartenbista-Tipp: Die Beeren sind roh und gekocht genießbar.

In Island werden die Beeren in saurer Milch gelagert. Außerdem trinkt man dort den Saft der Frucht. Auf Grönland werden die Krähenbeeren mit Seehundspeck verzehrt, während in Norwegen Wein aus den Früchten bereitet wird. Neben den traditionellen Arten der Verwendung kann aus der Krähenbeere Kompott, Marmelade oder Schnaps hergestellt werden.

Krähenbeere – hoher Vitamin C-Gehalt

In der Volksheilkunde galten Krähenbeeren als wirksames Mittel gegen Skorbut, da sie einen hohen Vitamin C-Gehalt aufweisen. Gleichzeitig sorgt ein hoher Gerbstoffgehalt in der Frucht dafür, dass sie gegen Durchfall Verwendung finden konnte. Die gesamte Pflanze gilt als schwach giftig. Trotzdem gilt die Frucht in Skandinavien und im Norden Russlands roh und verarbeitet als genießbar. Enthaltene Wirkstoffe sind

  • Ursolsäure,
  • Rutin,
  • Quercetin,
  • Ellagsäure,
  • Isoquercetin und
  • Andromedotoxin.

Durch Kreuzungen und die Bildung von Rassen innerhalb der Art weichen die Inhaltsstoffe in ihren Verhältnissen stark voneinander ab. Der Bienenhonig einer Tracht aus Krähenbeeren kann in seltenen Fällen Magen-Darm-Entzündung oder kardiale Komplikationen verursachen.

Die Verwendung der Krähenbeere reicht weiter, indem sie als Hangbefestigung eingesetzt wird. Brach liegende Torf- und Sandflächen werden mit ihr erneut kultiviert. Insekten und Vögel werden von der Pflanze angezogen, da Blüte und Frucht für einige Arten eine gute Nahrungsquelle darstellen. Der Mensch verwendete die schwarze Beere in Lappland zum Färben von Stoffen.

Bilder – Galerie

Herkunft der Krähenbeere

Die Krähenbeere kam ursprünglich auf der norddeutschen Insel Sylt vor. Dort bedecken allen voran drei Pflanzenarten die weiten Heidelandschaften:

  • Glockenheide
  • Krähenheide
  • Krähenbeere

Letztere ist in der Region auch unter dem Namen Bodendeckerheide Bernstein bekannt. Der Name verweist auf die Bernsteinfarbe des Blattwerkes in den Wintermonaten.

Auf den Heiden der Insel finden sich zwischen den Zwergsträuchern zahlreiche Zwergkiefern, Bodendeckerrosen und unterschiedliche Gräser, für die der Norden Deutschlands bekannt ist. Wer den Flair dieser Landschaft in den eigenen Garten holen möchte, kann dies durch eine Kombination der typischen Arten erreichen.

Standort

Die Krähenbeere, welche hauptsächlich auf der nördlichen Halbkugel beheimatet ist, präferiert sonnige Plätze. Sie ist robust und hält eisige Kälte aus. Diese Eigenschaft ist wichtig, da sie in hohen Gebirgslagen, sowie in Nordeuropa anzutreffen ist. Luftfeuchtes und im Winter mildes Klima präferiert der Zwergstrauch. Da die Krähenbeere mit feuchten Böden zurecht kommt, finden sich Bestände an den Dünen der Nord-, sowie Ostsee. In den Alpen wächst sie bis auf eine Höhe von 2800 m. In den nördlichen und Allgäuer Alpen reicht das Verbreitungsgebiet auf eine Seehöhe von 2200 bzw. 2300 m. Auf

  • sauren, moorigen, frischen bis feuchten, nährstoff- und basenarmen Böden,
  • in Heidelandschaften,
  • Sandheiden,
  • Moorheiden,
  • Kiefermooren
  • Zwergstrauchgestrüppen der Gebirge oder Küsten,
  • Hochmoorrändern und
  • Nadelwäldern

wächst sie bevorzugt. Als Nachbarn eignen sich Heidegewächse mit ähnlichen Ansprüchen. Darunter sind Calluna und Erica eine passende Wahl.

Vorkommen

Die Krähenbeere ist winterhart.
Die Krähenbeere ist winterhart.

Das Verbreitungsgebiet der Krähenbeere reicht von Skandinavien bis in die Pyrenäen und in die Gebiete des Balkans. In Mitteleuropa finden sich mehr Exemplare in den Mittelgebirgen als im Tiefland. Im Südwesten des Verbreitungsgebietes liegen die Pyrenäen, im Süden reicht es bis in den mittleren Apennin und im Südosten findet man die schwarze Krähenbeere bis Bulgarien.

Die dichtesten Besiedelungsgebiete in den Mittelgebirgen Deutschlands sind

  • Eifel,
  • Harz Thüringer Wald,
  • Rhön und
  • Bayrischer Wald.

Boden

Die Bodenansprüche der Krähenbeere lassen sich in der Nähe eines Gartenteiches am einfachsten decken. Sie präferiert eine feuchte Umgebung. Gleichzeitig benötigt sie einen leicht sauren pH-Wert und einen humosen oder torfigen Untergrund. Der Zwergstrauch akzeptiert auch mäßig kalkhaltige Substrate. Längere Trockenperioden schädigen die Krähenbeere, welche sich bei guten Bedingungen polsterartig über den Boden ausbreitet.

Pflanzung

Im Handel sind Jungpflanzen dieser Art zwischen August und September erhältlich. Wer die teppichbildende Wirkung der Krähenbeere im eigenen Garten erleben möchte, sollte pro Quadratmeter jedenfalls vier bis fünf Pflanzen setzen.

Pflege

Die richtige Pflege der Krähenbeere.
Die richtige Pflege der Krähenbeere.

Die Krähenbeere sollte feucht gehalten werden. Ein Standort in der Nähe eines Gewässers oder eine Bewässerungsanlage ist aus diesem Grund vorteilhaft. Die Heidenpflanze wünscht zwar auf saurem, humosem Boden, braucht aber keine hohe Nährstoffkonzentration. Entsprechend muss sie nicht gedüngt werden.

Zwischen den Pflanzen sollte die Erde auf jeden Fall in Ruhe gelassen werden. Umgraben und Hacken sind Sie unbedingt zu unterlassen. Der Mykorrhiza-Pilz, mit dem die Krähenbeere in einer Symbiose lebt, könnte durch diese Maßnahmen geschädigt oder zerstört werden.

Schneiden

Durch einen optischen Erziehungsschnitt im Frühjahr kann die Teppichbildung der Pflanzenart unterstützt werden. Verjüngungsmaßnahmen sind in der Regel nicht notwendig. Die langlebige Pflanze wird in der Natur bis zu 80 Jahre alt.

Vermehrung

Obwohl sich die Krähenbeere in der Natur über Bestäubung und darauffolgender Samenbildung vermehrt, sind auf diese Art gezogene Jungpflanzen im Handel nicht erhältlich. Vielmehr stammen die Krähenbeeren, die es zu kaufen gibt, aus vegetativer Vermehrung. Wer die Art selbst aussäen möchte, sollte als Substrat für die Keimung sterilen Weißtorf verwenden. Die Krähenbeere keimt bei einer Temperatur von 15 bis 20 °C. Nach der Keimung müssen die Jungpflanzen pikiert werden. Dies gilt als kritische Lebensphase.

Ihren Namen erhält die Art durch die Verdauungsverbreitung durch Krähen, welche sich in der Natur von den Beeren des Zwergstrauchs ernähren. Auf diese Weise ist eine Verbreitung über hohe Distanzen möglich. Die Kulturen der Krähenbeere, die man in Gärten findet, bilden meistens keine Früchte aus. Die Blüten für die nächste Saison werden am Ende des Jahres bereits angelegt. Bienen und Schwebefliegen bestäuben die Blüten der Pflanzenart. Zusätzlich besteht die Möglichkeit der Windbestäubung.

Überwintern

Der Zwergstrauch ist bis -45 °C vollkommen winterhart. Er muss nicht geschützt werden. Besonders liebt die Pflanze eine feuchte Schneedecke in den Wintermonaten.

Krankheiten und Schädlinge

Die Krähenbeere ist anfällig auf Pilzerkrankungen. Bodenverdichtung und dadurch hervorgerufene Staunässe sind in vielen Fällen die Ursachen für diese. Solche Umstände gilt es folglich zu vermeiden.

Symbolgrafiken: © Karin Jähne (2), Iuliia, Dubults  – Fotolia.com


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