Fleischfressende Pflanzen (Karnivoren) – Arten, Haltung & Füttern

Fleischfressende Pflanzen, Karnivoren
Fleischfressende Pflanzen, Karnivoren

Fleischfressende Pflanzen, Karnivoren, spalten die Gemüter der Pflanzenliebhaber: manchen graut es vor ihnen, da sie für unschuldige Insekten den sicheren Tod bedeuten, während andere wiederum die Schönheit und Exotik dieser Gewächse zu schätzen wissen. Wer einmal eine solche Pflanze kultiviert hat, wird in der Regel derart fasziniert von ihr sein, dass dies der Beginn einer großen Karnivoren-Dynastie sein kann. Bei der Pflege der Fleischfressenden Pflanzen ist es wichtig, die individuellen Ansprüche zu kennen, denn nicht alle Sorten können unter denselben Bedingungen kultiviert werden. Viele Arten sind jedoch recht pflegeleicht und können somit auch von Anfängern kultiviert werden.

Fleischfressende Pflanzen, Karnivoren – Steckbrief von Gartenbista

Fleischfressende Pflanzen Pflegetipps für Schnellleser

  • Standort: hell; hohe Luftfeuchtigkeit
  • Substrat: Karnivorenerde; Mischung aus Weißtorf und Quarzsand
  • Pflanzen: Zimmerkultur oder Freiland
  • Vermehrung: Samen; Rhizomteilung; Blattsteckling; Wurzelsteckling
  • Gießen: in den Untersetzer; kalkarmes Wasser; zwischen Wassergaben 2 Tage austrocknen lassen
  • Düngen: nein
  • Besprühen: regelmäßig mit kalkarmem Wasser
  • Schneiden: nicht notwendig
  • Füttern: nicht notwendig
  • Überwintern: abhängig von Art; im Haus oder im Freien
  • Krankheiten: Grauschimmel
  • Schädlinge: Schildläuse; Spinnmilben; Schnecken
  • Giftig: nein
offene Venusfliegenfalle
offene Venusfliegenfalle

Wissenswertes über die Fleischfressenden Pflanzen

Weltweit gibt es über 1.000 verschiedene Karnivoren Sorten, von denen allerdings nur 15 in heimischen Gefilden kultiviert werden können. In der Regel werden sie als Zimmerpflanzen gehalten, wobei es einige Arten gibt, die im Freiland gedeihen möchten. Zu den bekanntesten heimischen Arten zählen:

  • Fettkraut, welches zu den Klebefallen gehört, bevorzugt im Freien wächst und Ort in einem Moorbeet kultiviert wird
  • Kannenpflanze (Nepenthes), die Insekten in kannenförmigen Fallen fängt
  • Sonnentau (Drosera), der überwiegend als Zimmerpflanze kultiviert wird und Klebefallen besitzt
  • Venusfliegenfalle, die sowohl im Hause als auch im Freien kultiviert werden kann
  • Wasserschlauch (Utricularia sandersonii), der schöne Blüten hervorbringt und somit auch optisch ein besonderes Highlight ist

In diesem Gartenbista-Video zeigen wir Ihnen in einer 360°-Ansicht, wie die Venusfliegenfalle aussieht. Am Ende des Videos zeigen wir Ihnen sogar, wie schnell diese „zuschnappen“ kann.

360°-Video von der Venusfliegenfalle inkl. „Zuschnappen“ – Gartenbista-Videostudio, gedreht im Juni

Das Besondere an den Karnivoren ist die Tatsache, dass sie ihre Nährstoffe aus Insekten erhalten, welche sie mit ihren Fallen fangen und die dann mithilfe eines speziellen Enzyms aufgespalten werden. Diese fallen können in fünf unterschiedlichen Formen auftreten:

  • Fallgrubenfallen, zu denen die Schlauchpflanzen gehören.
  • Klappfallen, welche aus zwei Blatthälften bestehen, die bei Berührung zusammenklappen. Die bekannteste Klappfalle ist die Venusfliegenfalle.
  • Klebefallen, bei denen die Beute an einem klebrigen Sekret hängenbleiben, welches von der Pflanze abgesondert wird, beispielsweise der Sonnentau.
  • Reusenfallen besitzen in ihrem Inneren Lockstoffe, welche die Beuteinsekten anlocken. Sie bleiben dann kleben und haben keinerlei Chance mehr, zu entkommen.
  • Saugfallen sind bei den „Wasserschläuchen“ zu finden, der artenreichsten Gattung der Fleischfressenden Pflanzen. Dabei handelt es sich um Fangblasen, die mit Luftgefüllt sind, und die mithilfe von Überdruck ihre Beute einfach einsaugen.

Während die heimischen Arten darauf ausgerichtet sind, Insekten sowie kleine Einzeller zu fangen, können andere Sorten auch größere Tiere wie beispielsweise Frösche oder größere Gliedertiere fangen.

Wer meint, bei den Karnivoren handelt es sich um eine neue Pflanzengattung, der irrt: bereits in seinem 1876 erschienenen Buch „Insektenfressende Pflanzen“ berichtete der Naturforscher Charles Darwin über diese außergewöhnlichen Pflanzen.

Fleischfressende Pflanzen brauchen hellen Standort

Eines haben die Karnivoren Sorten gemeinsam: sie benötigen einen hellen Standort, um optimal gedeihen zu können. In Zimmerkultur ist hierfür ein Südfenster besonders geeignet, allerdings können die Karnivoren in der Regel auch auf der Fensterbank eines Ost- oder Westfensters stehen. Nordfenster hingegen sind lediglich für das Fettkraut geeignet.

Abzuraten ist hingegen von einem Plätzchen im Inneren eines Raumes, da dort in der Regel nicht ausreichend Licht vorhanden ist. Ein derartiger Standort ist nur möglich, wenn dort zusätzliche Beleuchtung installiert wird.

Neben der Helligkeit ist eine hohe Luftfeuchtigkeit ein absolutes Muss bei der Karnivorenhaltung; 70% sollte sie optimaler Weise betragen. Um dies zu erreichen, können die Fleischfressenden Pflanzen in einem kleinen Aquarium oder Terrarium kultiviert werden; alternativ können Zimmerbrunnen oder mit Wasser gefüllte Schalen aufgestellt werden.

Während der Sommermonate können die Karnivoren ins Freie gestellt werden; auch bei ihrem dortigen Standort ist auf eine hohe Luftfeuchtigkeit zu achten. Einige Arten, beispielsweise die Schlauchpflanze, benötigen zudem viel Sonne, um ihre prachtvollen Blüten perfekt ausbilden zu können.

360-Grad-Videos von Fleischfressenden Pflanzen

In diesem Gartenbista-Video sehen Sie in einer 360°-Ansicht, wie der Sonnentau aussieht.

360°-Video vom Sonnentau – Gartenbista-Videostudio, gedreht im Juni

In diesem Gartenbista-Video zeigen wir Ihnen in einer 360°-Ansicht, wie Fettkraut ohne Blüte aussieht.

360°-Video vom Fettkraut (ohne Blüte) – Gartenbista-Videostudio, gedreht im Juni

Fleischfressende Pflanzen vertragen keine Blumenerde

Kap-Sonnentau
Kap-Sonnentau

Bezüglich des Substrats sind die Karnivoren sehr anspruchsvoll: handelsübliche Blumenerde vertragen sie überhaupt nicht; dasselbe gilt für Mischungen aus Gartenerde und Dünger. Optimal geeignet ist spezielle Karnivorenerde. Da diese jedoch sehr teuer ist, kann auch eine Mischung aus

  • Weißtorf und
  • Quarzsand

hergestellt werden.

Gartenbista-Tipp: Nur ungedüngten Weißtorf verwenden!

Karnivoren pflanzen

Fleischfressende Pflanzen werden für gewöhnlich in Pflanzgefäßen kultiviert, da es dort besonders gut möglich ist, für einen optimalen Wasserhaushalt zu sorgen. Sehr gut können diese Gefäße in ein kleines Aquarium oder Terrarium gestellt werden, um eine perfekte Luftfeuchtigkeit zu erreichen. Grundsätzlich sollten sie zudem auf einem Untersetzer platziert werden, in den das Gießwasser gefüllt wird.

Sollen die Karnivoren im Freiland kultiviert werden, gibt es hierfür zwei verschiedene Möglichkeiten:

  • In ein Moorbeet eingraben
  • Zusammen mit ihrem Pflanzgefäß eingraben

Bei der zweiten Option ist es sinnvoll, ein Pflanzgefäß mit einem Wasserspeicher zu verwenden.

Keinesfalls sollte die Pflanze in gewöhnliche Gartenerde gesetzt werden; darüber hinaus sollten folgende Kriterien beachtet werden:

  • Fleischfressende Pflanzen so einpflanzen, dass alle genügend Licht bekommen
  • Nicht unterhalb von Bäumen pflanzen
  • Sonnigen Standort wählen

Fleischfressende Pflanzen Vermehrung ist schwierig

Prinzipiell ist es zwar möglich, eine Karnivore zu vermehren, jedoch ist dies ein schwieriges Unterfangen, welches nicht zwingend von Erfolg gekrönt ist. Es stehen vier verschiedene Möglichkeiten zur Auswahl; welche individuell gewählt wird, hängt in der Regel von der Pflanze sowie von den Fähigkeiten und Fertigkeiten ihres Besitzers ab:

  • Samen, bei denen es sich meistens um Lichtkeimer handelt und die nicht lange haltbar sind.
  • Rhizomteilung, bei der die betreffende Karnivore vorsichtig aus dem Gefäß genommen und in mehrere Teile zerbrochen wird. Jedes einzelne Teil wird dann in ein eigenes Töpfchen eingepflanzt.
  • Blattstecklinge, die in frisches Pflanzsubstrat gedrückt werden. Wichtig ist, das Substrat gleichmäßig gut fecht zu halten.
  • Wurzelstecklinge, die dadurch gewonnen werden, indem ein Stück Wurzel abgetrennt und in ein eigenes Pflanzgefäß gesetzt wird.
Großer Wasserschlauch (Utricularia vulgaris)
Großer Wasserschlauch (Utricularia vulgaris)

Fleischfressende Pflanzen Pflegetipps

  • Gießen: Gegossen wird grundsätzlich in den Untersetzern, wobei der dortige Wasserstand dann 2-3 cm betragen sollte. Bevor erneut Wasser aufgefüllt wird, muss zunächst das alte verbraucht werden; danach wird die Karnivore zwei Tage lang gar nicht gegossen. Keinesfalls darf kalkhaltiges Wasser verwendet werden, da die Fleischfressenden Pflanzen keinen Kalk vertragen. Optimal ist destilliertes Wasser.
  • Düngen: Es ist nicht notwendig, Karnivoren zu düngen; im Gegenteil: sie vertragen weder Dünger noch nährstoffhaltige Erde.
  • Besprühen: Um die hohe Luftfeuchtigkeit, die Karnivoren zum Gedeihen benötigen, zu gewährleisten, sollten die Pflanzen regelmäßig mit kalkarmem Wasser besprüht werden.

Fleischfressende Pflanzen schneiden?

Es ist nicht notwendig, Karnivoren zu schneiden. Lediglich abgestorbene Pflanzenteile sollten entfernt werden.

Gartenbista-Tipp: Zu groß gewordene Fleischfressende Pflanzen nicht durch einen Schnitt, sondern durch Teilung verkleinern!

Fleischfressende Pflanzen füttern?

Den Karnivoren eilt der Ruf voraus, dass sie seitens ihres Besitzers gefüttert werden müssen. Für manch einen Pflanzenfreund ist dies ein abschreckender Gedanke: Insekten fangen und diese in die Fallen der Pflanzen zu werfen ist nicht jedermanns Sache… Muss es auch nicht sein: es gibt keinen Grund, Karnivoren zu füttern, da sie sich selbst mit Nahrung versorgen.  Sie fangen selbst im Winter kleine Einzeller und Insekten, die ihnen als Nährstoffquelle dienen.

Achtung: Verstorbene Insekten nicht in die Fallen legen! Wer meint, unbedingt seine Fleischfressende Pflanze füttern zu müssen, kann ihr gelegentlich ein kleines, lebendes Insekt zukommen lassen.

Fleischfressende Pflanzen überwintern

In welcher Form die Überwinterung zu erfolgen hat, ist abhängig von der Karnivorenart. Die meisten Karnivoren sind nicht winterhart und müssen demzufolge ins Haus geholt werden. Dort sollten sie ein Winterquartier bekommen, welches folgende Kriterien erfüllen sollte:

  • Hell
  • Temperaturen zwischen 5°C und 10°C
  • Je heller es ist, desto wärmer darf es sein

Werden während der Überwinterung Pflanzenteile braun, so ist dies kein Grund zur Besorgnis. Im Frühjahr werden diese Teile entfernt und die Pflanze wie gewohnt weiterkultiviert.

Einige Arten sind winterhart, so dass sie ganzjährig im Freien verbleiben können, beispielsweise die Venusfliegenfalle sowie einige Sonnentauarten. Gegebenenfalls sollten sie einen kleinen Winterschutz bekommen.

Andere hingegen benötigen ganzjährig Temperaturen von mindestens 20°C; zu diesen zählen unter anderem die Kannenpflanzen.

Kannenpflanze/ Nepenthes
Kannenpflanze/ Nepenthes

Fleischfressende Pflanzen Krankheiten und Schädlinge

Karnivoren sind in der Regel sehr unempfindlich gegenüber Krankheiten und Schädlingen, jedoch können – besonders bei falscher Pflege – auch diese an den Fleischfressenden Pflanzen auftreten:

  • Grauschimmel: Stehen die Pflanzen zu feucht und/oder zu kalt, kann Grauschimmel auftreten. Dies ist insbesondere im Winter der Fall. Tritt diese Erkrankung auf, müssen betroffene Pflanzenteile umgehend entfernt werden. Die Karnivore muss danach isoliert werden.
  • Schildläuse: Diese Schädlinge saugen nicht nur die Fleischfresssende Pflanze aus, sondern scheiden auch noch honigartigen Rußtau aus, der wiederum zu Pilzerkrankungen führen kann. Ein Schildlausbefall sollte mit einem speziellen Pflanzenschutzmittel bekämpft werden.
  • Spinnmilben: Gelegentlich siedeln sich Spinnmilben an; gut zu erkennen an weißen, spinnwebenartigem Gewebe an den Pflanzenteilen. Auch dieser Schädling sollte mit einem Insektizid bekämpft werden.
  • Schnecken: Besonders im Moorbeet siedeln sich gerne Schnecken an den Karnivoren an. Diese können abgesammelt oder mit einem Pflanzenschutzmittel bekämpft werden.

Achtung: Schimmelt das Pflanzsubstrat, handelt es sich dabei nicht um eine Krankheit, sondern lediglich um einen optischen Makel. Dieser kann leicht durch ein Umtopfen in frisches Substrat behoben werden; auch sollte zukünftig die betroffene Pflanze weniger gegossen werden.

Sind Fleischfressende Pflanzen giftig?

Manch ein Pflanzenfreund hat die Befürchtung, dass Fleischfressende Pflanzen giftig seien. Diese Angst ist absolut unbegründet: Karnivoren sind absolut ungiftig und werden in manchen Ländern sogar zu medizinischen Zwecken verwendet.

 

 

Graphiken: © PRILL Mediendesign – Fotolia.com; Michael Tieck – Fotolia.com (2); Daniel Strauch – Fotolia.com (2)


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