Fingerkraut, Fingerstrauch (Potentilla): Pflanzen, Schneiden & Vermehren

Fingerkraut, Fingerstrauch (Potentilla)
Fingerkraut, Fingerstrauch (Potentilla)

Das immergrüne Fingerkraut, auch als Fingerstrauch bekannt, ist eine häufig anzutreffende Gartenpflanze, die sich durch ihre Genügsamkeit auszeichnet.

Obwohl die Pflanze kaum Pflege und Aufmerksamkeit benötigt, verwöhnt sie das Auge den ganzen Sommer über bis in den Herbst hinein mit ihren bunten Blüten und auch in den kalten Monaten sorgt sie durch ihr immergrünes Laub für etwas Farbe im winterlichen Einheitsgrau.

Fingerkraut, Fingerstrauch (Potentilla) – Steckbrief von Gartenbista

Fingerkraut, Fingerstrauch (Potentilla): Pflegetipps für Schnellleser

  • Blütezeit: Juni bis Oktober
  • Standort: sonnig
  • Boden: sandig bis lehmig, feucht, durchlässig
  • Pflanzzeit: Frühjahr oder Herbst
  • Pflanzen: keine Besonderheiten zu beachten
  • Kübelhaltung: möglich
  • Vermehrung: Stecklinge
  • Aussaatzeit: ganzjährig möglich
  • Gießen: im ersten Jahr regelmäßig
  • Düngen: im ersten Jahr
  • Blütenpflege: ausgeblühte Blüten können entfernt werden
  • Schneiden: Rückschnitt im Frühjahr
  • Überwinterung: winterhart
  • Krankheiten: Blattfleckenkrankheit, Echter Mehltau
  • Schädlinge: keine

Allgemeine Infos über das Fingerkraut

Weißes Fingerkraut
Weißes Fingerkraut

Das Fingerkraut (Potentilla) ist auf der nördlichen Halbkugel sehr verbreitet und es wächst vorzugsweise an Berghängen. In China ist es bis in Höhen von 5.000 Meter heimisch. Entsprechend anspruchslos und pflegeleicht ist die Pflanze, die auch in Deutschland in vielen Parks und Gärten anzutreffen ist. Der wilde Fingerstrauch hat gelbe Blüten, doch es gibt inzwischen viele Züchtungen, die weiße, orangefarbene oder rosarote Blüten aufweisen.

Der Fingerstrauch wächst buschig und bodendeckerartig und erreicht sowohl in der Höhe als auch in der Breite etwa 50 bis 150 Zentimeter.

Fingerkraut Standort

Das Fingerkraut (Potentilla) wächst als Wildform bevorzugt im Gebirge und ist dadurch auch an extreme Standorte gut angepasst. Einen passenden Standort im Garten zu finden ist daher nicht schwer, da der Fingerstrauch sowohl Hitze als auch alle anderen Wetterextreme verträgt.

Sein bevorzugter Standort ist vollsonnig, doch auch an einem absonnigen Standort oder im lichten Halbschatten wird er gedeihen.

Je nach Art kann der Fingerstrauch (Potentilla) auf verschiedene Weise eingesetzt werden. Er eignet sich als

  • Bodendecker
  • niedrige Hecke
  • Beeteinfassung
  • Solitärpflanze
  • Gruppenpflanzung
  • Rosenbegleiter

und macht sich vor allem im Blumengarten und in Parkanlagen sehr gut. Sehr gut ist er auch zur Hangbepflanzung geeignet.

360°-Video von den Fingerkräutern (Potentilla)

In diesem Gartenbista-Video zeigen wir Ihnen in einer 360°-Ansicht, wie die Fingerkräuter (Potentilla) aussieht.

360°-Video von den Fingerkräutern (Potentilla)- Gartenbista-Videostudio, gedreht im August

Fingerkraut Boden

Die Bodenansprüche des Fingerstrauchs sind ebenfalls sehr gering, der optimale Boden ist

  • frisch bis mäßig feucht
  • locker und durchlässig
  • sandig bis lehmig
  • pH-Wert unter 8
  • kalkarm
  • ohne Neigung zu Staunässe

Die Staunässe ist das Einzige, was dem robusten Fingerstrauch wirklich zu schaffen machen kann, mit allen anderen Bodenverhältnissen wird er sich arrangieren, auch wenn sie nicht seinen Idealvorstellungen entsprechen.

Staunässe kann ihm jedoch wirklich zum Verhängnis werden, so dass zu schwere und wenig durchlässige Böden auf jeden Fall mit grobem Sand oder Kies aufgelockert werden müssen und eine Drainage eingearbeitet werden sollte.

Fingerkraut (Potentilla) pflanzen

Blühender Fingerstrauch (Potentilla)
Blühender Fingerstrauch (Potentilla)

Die ideale Pflanzzeit für das Fingerkraut liegt im Herbst oder im Frühjahr, doch Containerpflanzen aus dem Handel können ganzjährig gepflanzt werden, solange kein Frost herrscht.

Der Boden sollte gut aufgelockert werden, damit die Wurzeln des Fingerstrauchs, die sehr tief in den Boden gehen, sich entsprechend ausbreiten können.

Je nachdem zu welchem Zweck der Fingerstrauch gepflanzt wird, kann man sich bei der Pflanzung an folgende Richtwerte halten:

  • als Einfassung oder niedrige Hecke drei Pflanzen pro Laufmeter pflanzen
  • als Bodendecker vier bis sechs Pflanzen pro Quadratmeter pflanzen

Gartenbista-Tipp: Natürlich kann der Fingerstrauch auch als Einzelpflanze gepflanzt werden. Als solche ist er vor allem für einen kleinen Garten geeignet, in dem nicht viel Platz für andere Blühsträucher zur Verfügung steht.

Wird der Fingerstrauch im Kübel gepflanzt, muss auf jeden Fall ein ausreichend großes Pflanzgefäß gewählt werden.

Am Boden sollte eine Drainage eingearbeitet werden, damit überschüssiges Wasser gut abfließen kann und es sollte auf Übertöpfe und Untersetzer verzichtet werden, in denen sich Regenwasser sammeln kann. Durch die so entstehende Staunässe wird die Pflanze stark geschädigt und kann sogar eingehen.

Pflege des Fingerkrauts

Blühendes Fingerkraut im Garten
Blühendes Fingerkraut im Garten

Was die Pflege angeht, ist der Fingerstrauch (Potentilla) auch für absolute Anfänger und Gartenarbeitsmuffel geeignet.

Im ersten Jahr und insbesondere nach der Pflanzung braucht er viel Wasser und muss entsprechend gegossen werden. In dieser Phase muss die Pflanze ihre tief in das Erdreich hineinreichenden Hauptwurzeln noch ausbilden und ist daher bei Trockenheit auf zusätzliche Wassergaben angewiesen. Ist der Fingerstrauch jedoch gut angewachsen, muss er auch bei anhaltender Trockenheit nicht gewässert werden.

Gartenbista-Tipp: Im Kübel sollte man das Fingerkraut regelmäßig gießen und den Boden feucht halten.

Da der Fingerstrauch sehr gut mit einem nährstoffarmen Boden zurechtkommt, sind in aller Regel zusätzliche Düngergaben nicht notwendig. Die Pflege beschränkt sich also wirklich auf das Gießen nach Bedarf in der ersten Phase nach der Pflanzung.

Fingerkraut schneiden

Auch im Hinblick auf den Schnitt ist der Fingerstrauch sehr pflegeleicht.

  • nach der Blüte auf die Hälfte oder ein Drittel zurückschneiden
  • wer sich die Arbeit sparen möchte kann den Strauch auch nur alle 2-3 Jahre schneiden

Der Fingerstrauch blüht wie viele andere Sommerblüher am diesjährigen Holz. Um eine üppige Blüte im Folgejahr zu gewährleisten ist es also sinnvoll, das Fingerkraut jeweils nach der Blüte zu schneiden. Wurde der Schnitt einmal verpasst, ist das nicht tragisch, doch wird gar nicht geschnitten, verkahlt der Strauch im Lauf der Jahre von unten her und wird unansehnlich. Alle paar Jahre sollte also auch der Gartenarbeitsmuffel die Schere ansetzen.

Wer sich die Mühe machen möchte, kann regelmäßig die ausgeblühten Blüten entfernen, was jedoch je nach Größe und Anzahl der Pflanzen nur bedingt möglich und sinnvoll ist.

Beim Schneiden ist außerdem folgendes zu beachten:

  • wird der Fingerstrauch als Hecke genutzt, sollte diese im März einen Formschnitt bekommen
  • abgestorbene Triebe und solche, die aus der Form wachsen, können jederzeit geschnitten werden
  • tote Triebe sollten immer bis ins lebende Holz geschnitten werden
  • bodendeckende Arten werden im März auf etwa 10 Zentimeter Höhe heruntergeschnitten
  • zum Schneiden immer scharfe Schneidinstrumente benutzen, um die Pflanze nicht durch Quetschungen zu beschädigen

Wer sich an diese einfachen Regeln hält, wird an dem Fingerstrauch (Potentilla) viele Jahre Freude haben, ohne dass er verkahlt und jeden Sommer die schönen bunten Blüten genießen können.

Wurde der Schnitt über mehrere Jahre versäumt und es hat bereits eine Verkahlung stattgefunden, ist oftmals ein radikalerer Schnitt notwendig. Doch hier ist etwas Vorsicht geboten, denn auch wenn der Fingerstrauch eine robuste Pflanze ist, können gerade alte und geschwächte Pflanzen nach einem Radikalschnitt eingehen. Besser ist es daher, zunächst zu versuchen, die Pflanze mit etwas weniger radikalen Schnittmaßnahmen zu retten.

Fingerkraut vermehren

Das Fingerkraut (Potentilla) wird meist über Stecklinge vermehrt, doch auch eine Vermehrung über Aussaat ist möglich.

Vermehrung über Stecklinge

  • außerhalb der Vegetationsphase zwischen November und Februar einen kräftigen Trieb mit Knospen schneiden
  • diesen sogenannten Edelreiser in 20 Zentimeter lange Stücke schneiden
  • jeweils unterhalb der Knospen anschrägen
  • mit der Schräge nach unten in feuchten Sand stecken
  • bis zum Frühjahr feucht und frostfrei halten
  • im Frühjahr ins Freiland auspflanzen

Alternativ können die Stecklinge auch schon früher geschnitten und direkt im Herbst ins Freiland gesetzt werden. In diesem Fall muss aber bis zum Ende der Vegetationsphase noch genügend Zeit bleiben, dass die Stecklinge Wurzeln bilden können, denn sonst werden sie den Winter nicht überstehen.

Beim Schneiden der Stecklinge muss immer darauf geachtet werden, dass diese von einer gesunden und kräftigen Mutterpflanze stammen und das nur gesunde Triebe ausgewählt werden.

Vermehrung über Aussaat

Wer das Fingerkraut lieber per Aussaat vermehren möchte, geht folgendermaßen vor:

  • Samenkörner ganzjährig in Pflanzgefäße aussäen
  • je nach Witterung im Haus oder draußen aufbewahren
  • feucht halten

Nach einigen Wochen kommt es zur Keimung und ab einer Größe von etwa 5 Zentimetern kann die Jungpflanze ins Freiland übersiedeln. Dabei ist jedoch auf die passende Witterung zu achten, am besten sind wiederum das Frühjahr und der frühe Herbst geeignet.

Wie auch bei der Pflanzung gekaufter Containerpflanzen muss bei selbstgezogenen Jungpflanzen und Stecklingen darauf geachtet werden, dass diese ausreichend gewässert werden, bis sie ihre langen Wurzeln ausgebildet haben und sich selbst im tiefen Erdreich mit Wasser versorgen können.

Fingerkraut überwintern

Das Fingerkraut ist winterhart
Das Fingerkraut ist winterhart

Das Fingerkraut ist unter anderem in China in Höhen von über 5000 Meter und in Sibirien heimisch, mit einem deutschen Winter kommt es also hervorragend klar. Es ist winterhart und kann ohne Schutz im Beet belassen werden. Lediglich vor zu viel Nässe kann es in regenreichen Wintern durch Tannenzweige geschützt werden.

Wird es im Kübel kultiviert, muss jedoch der Wurzelballen vor dem Durchfrieren geschützt werden. Dazu wird der Kübel in Folie oder Jute gewickelt und auf einen Holz- oder Styroporblock gestellt.
Der Kübel sollte an einen etwas geschützten Platz verbracht werden, wo die Pflanze nicht zu nass werden kann, denn die größte Gefahr droht ihr durch Staunässe. An einem trockenen Standort sollte der Fingerstrauch im Kübel an frostfreien Tagen etwas gegossen werden, damit er nicht austrocknet.

Fingerkraut Krankheiten und Schädlinge

Für Krankheiten und Schädlinge ist der robuste Fingerstrauch nur wenig anfällig.

Selten kann er vom Echten oder falschen Mehltau oder von der Blattfleckenkrankheit befallen werden. Alle drei Krankheiten werden durch Pilze verursacht und sollten mit entsprechenden Fungiziden aus dem Fachhandel behandelt werden, da die Pflanze ohne Behandlung absterben kann.

Der Fingerstrauch: ein genügsamer Sommerblüher für jeden Garten

Wer kein Fan von Gartenarbeit ist, sich aber trotzdem gern an einem hübschen Blühstrauch erfreuen möchte, der trifft mit dem Fingerstrauch (Potentilla) eine gute Wahl.

Die Pflanze ist genügsam und anspruchslos und gedeiht auch mit einem Minimum an Pflege gut. Darüber hinaus ist sie sehr vielseitig und kann als Hecke, als Einfassung oder als Blickfang im kleinen Vorgarten eingesetzt werden. Kein Wunder also, dass sich das Fingerkraut in deutschen Parks und Gärten großer Beliebtheit erfreut.

 

Graphiken: © 7monarda – Fotolia.com, M. Schuppich – Fotolia.com


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.