Fichtennadeln erkennen und verwenden

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Fichtennadeln sind sehr viel mehr als nur der Blattschmuck eines Gehölzes: sie besitzen heilsame Wirkungen und werden deswegen gerne in der Naturheilkunde verwendet. In welchen Fällen dies möglich ist und wie sich die Blätter der Fichte zweifelsfrei erkennen lassen, haben wir für Sie zusammengefast.

Allgemeine Informationen über Fichtennadeln

Fichtennadeln
Fichtennadeln

Bei Fichtennadeln handelt es sich – wen wundert´s? – um die Nadeln der Fichte, oder besser gesagt: um die Blätter. Klingt zunächst seltsam, aber tatsächlich ist eine Nadel auch ein Blatt- zumindest botanisch gesehen. Diese besondere Blattform bietet mehrere Vorteile: zum einen schützt sie den Baum vor Fressfeinden. Kaum ein Wildtier hat Interesse daran, sich beim Fressen den Mund zu zerstechen, wodurch Nadelbäume weitestgehend verschont bleiben. Zum anderen – und das ist noch wichtiger – bieten die Nadeln aufgrund ihrer kompakten Wuchsform einen sehr guten Kälteschutz. Wer sich gefragt hat, warum diese Art Bäume auch im Winter grün ist (Lärchen mal ausgenommen), der hat hier die Antwort: Frost und eisige Kälte können den Nadeln nichts anhaben.

Aussehen & Merkmale der Fichtennadeln

Die vierkantigen Nadeln der Fichten sind 1-2 cm lang und sitzen an kurzen, braunen Stielen und sind rings um den Zweig verteilt. Sie sind starr und haben sehr spitze Enden, wodurch im Umgang mit ihnen Verletzungen wie Kratzer entstehen können.

Fichtennadeln sind ganzjährig grün. Sind sie noch jung und frisch, besitzen sie eine hellgrüne Farbe und werden als „Maitriebe“ bezeichnet. Sie sind voll mit ätherischen Ölen, die umso intensiver vertreten sind, je jünger ein Trieb ist.

Unterschiede zu Tannennadeln

Tatsächlich gibt es nur wenige Unterschiede zwischen den beiden Nadeln: Härte und Anordnung.

Tannennadeln Fichtennadeln
Härte weich, biegsam hart, spitz, starr
Anordnung an den Seiten eines Zweiges rings um einen Zweig
Sitz direkt am Zweig an kurzen braunen Stielen
Haltbarkeit lange kurz

Während man einen Tannenzweig ganz entspannt in die Hand nehmen kann, ist dies bei einem Fichtenzweig nicht ganz so angenehm: die spitzen Nadeln stechen gleich zu und vermiesen einem dadurch jeglichen Körperkontakt. Kein Wunder, dass in heimischen Wohnzimmern zu Weihnachten überwiegend Tannen- und nicht etwa Fichtenbäume anzutreffen sind…

Sind Fichtennadeln giftig für Menschen oder Tiere?

Weder für Menschen noch für Tiere ist die Fichte giftig und kann demzufolge sehr gut in heimischen Gärten kultiviert werden. Etwas Vorsicht ist jedoch bei allzu neugierigen Katzen angesagt: sie sollten nicht in die älteren Zweige beißen, da es aufgrund der Härte der Nadeln leicht zu Verletzungen im Mundraum kommen kann.

Verwendung in der Küche

Das Fichtenholz ist ein wichtiges Nutzholz, doch die Fichte wird auch in andren Bereichen sehr geschätzt. Sowohl in der Küche als auch in der Naturheilkunde ist sie vielseitig einsetzbar, wobei überwiegend die jungen Triebspitzen verwendet werden. Zum Aromatisieren von Speisen sind die jungen Nadeln bestens geeignet:

  • Fischgerichte
  • Kräuterbutter
  • Kräuterquark
  • Pesto
  • Salate
  • Soßen

Auch ein Fichtennadeltee ist sehr belebt. Er ist nicht nur aromatisch, sondern zudem ein fantastisches Mittel gegen Husten und Erkältungskrankheiten.

Wirkung & Anwendung in der Naturheilkunde

Die ätherischen Öle wirken

  • durchblutungsfördernd
  • entzündungshemmend
  • schleimfördend

und werden deswegen gerne bei verschiedenen Beschwerden eingesetzt:

  • Atemwegsbeschwerden
  • Durchblutungsstörungen
  • Erkältungen
  • Gicht
  • Husten, auch Reizhusten
  • Muskelschmerzen
  • Neuralgien
  • Rheuma

Die Anwendung erfolgt entweder innerlich oder äußerlich, in Form von Tee, Vollbädern oder Einreibungen mit Fichtennadelöl.

Gartenbista-Tipp: Gekauftes Fichtennadelöl ist häufig eine Mischung aus den ätherischen Ölen von Kiefern und Fichten!

Fichtennadel Tee Rezept

Für eine Tasse des aromatischen Tees werden folgende Zutaten benötigt:

1 Teelöffel Fichtennadeln
150 ml Wasser

Und so geht´s:

  • Nadeln sehr klein schneiden
  • Wasser aufkochen
  • Fichtennadeln in eine Tasse geben
  • Mit dem Wasser übergießen
  • Abdecken
  • 7-8 Minuten ziehen lassen
  • Abseihen

Zwei- bis dreimal täglich eine Tasse davon trinken. Falls der Tee zu aromatisch sein sollte, kann er mit etwas Honig gesüßt werden.

Vollbad mit Fichtennadeln

Für ein entspannendes, wohltuendes Vollbad werden etwa 250 g Fichtentriebe benötigt. Diese werden in einen großen Topf geben, mit einem Liter kochenden Wasser überbrüht und fünf Minuten ziehen gelassen. Anschließend abseihen und dem Badewasser zufügen

Fichtennadel Sirup selber machen

Früher als Honig für arme Leute verschrien, hat der Fichtennadel Sirup heutzutage viele Fans. Dies liegt nicht nur an seinem harzigen, frischen Aroma, sondern auch an seinen vielfältigen Verwendungsmöglichkeiten: sowohl zu deftigen Gerichten als auch z Süßspeisen und Desserts ist er eine fantastische Ergänzung. Das Beste ist jedoch, dass man ihn ganz leicht selber machen kann.

Bei der Ernte sind jedoch einige Kriterien zu beachten:

  • Keine Fichtentriebe aus der Nähe von stark befahrenen Straßen verwenden
  • Möglichst Triebe aus dem eigenen Garten nutzen
  • Im Wald den Besitzer um Erlaubnis fragen (Triebe fremder Bäume dürfen nicht einfach so abgezupft werden)
  • Grundsätzlich achtsam und vorsichtig mit den Bäumen umgehen!

Rezept

Benötigt werden:

500 g Triebe (im Frühjahr ernten)
500 g Rohrzucker
1 l Wasser
gegebenenfalls Saft einer Zitrone

Und so geht´s:

  • Triebe reinigen und gründlich abwaschen
  • Mit dem Wasser aufkochen
  • 30 Minuten köcheln lassen
  • Abkühlen lassen
  • Topf über Nacht in den Kühlschrank stellen
  • Mischung durch ein feines Sieb in einen weiteren Topf geben
  • Mit dem Zucker (und gegebenenfalls dem Zitronensaft)
  • Kochen, bis die Mischung eine sirupartige Konsistenz bekommen hat

Umgehend in sterile Flaschen oder Gläserfüllen und fest verschließen. An einem kühlen und dunklen Ort ist der Fichtennadel Sirup etwa ein Jahr lang haltbar.

Gartenbista-Tipp: Durch Hinzufügen der Zitrone wird der Geschmack noch frischer!

Hilfe, meine Fichte verliert Nadeln!

So eine stolze Fichte trägt ihre Nadeln für gewöhnlich mehrere Jahre lang. Dass gelegentlich die eine oder adere herunterfällt, ist ganz natürlich. Nicht normal ist es hingegen, wenn eine Fichte viele Nadeln abwirft. Dies stellt nicht nur ein optisches Problem dar, sondern kann bis zum Tode des Gehölzes führen. Demzufolge ist es unabdingbar, die Ursache für den Nadelabwurf herauszufinden.

Ursachen & Abhilfe

Wenn eine Fichte mit ihrer Umgebung oder mit den Umständen ihrer Kultivierung nicht einverstanden ist, so zeigt sie dies, indem sie ihre Nadeln abwirft. Zuvor verfärbten die sich von Grün über Gelb nach Braun.

Ursache Abhilfe
kein Anwachsen nach Ein- oder Umpflanzen zurückschneiden, gründlich wässern
Nährstoffmangel Dünger verbreichen
Schädlinge Schädlingsbekämpfung
Staunässe Drainage legen
Trockenheit umgehend gründlich wässern
Überdüngung keine Abhilfe möglich
verdichteter Boden Erde mit Sand anreichern, Drainage legen

Video-Tipp der Redaktion: Fichtennadeltee herstellen

In folgendem Video kann man sehr schön sehen, wie ein Tee aus Fichtennadeln hergestellt wird:

▶️

Was ist noch interessant für Pflanzenfreunde?

Diese Fragen stellen Pflanzenfreunde häufig:

Kann ich mit Fichtennadeln düngen?

Als Dünger sind die Nadeln der Fichte nicht geeignet: sie säuern den Boden so stark an, dass nur sehr wenige Gewächse mit solch einem Substrat zurechtkommen würden. Im Übrigen nicht einmal die Fichten selbst: ihnen ist ihr eigener Boden manchmal auch zu sauer…

Wie gesund sind Fichtenspitzen?

Wenn die Triebe der Fichten nicht durch Abgase kontaminiert worden sind, so sind sie sehr gesund. Ihre ätherischen Öle sind ganz besonders bei Atemwegserkrankungen sinnvoll einsetzbar.

Wann Fichtenspitzen ernten?

Die frischen Triebspitzen werden geerntet, wenn sie noch ganz jung sind: im Mai und Juni ist der beste Zeitpunkt.

 

Symbolgraphiken: © azure – stock.adobe.com


• 17. Dezember 2021 • Kategorie: Pflanzen

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