Pflaumensorten – Überblick über die Artenvielfalt

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Pflaume
Pflaume

Es gibt hierzulande viele Pflaumensorten, die wunderbar gedeihen. Leider sind sie dennoch nicht alle für den Anbau sinnvoll, da sie krankheitsanfällig sind und so keinen hohen Ertrag versprechen. Hier bekommen Sie einen Überblick über jene Arten, deren Kultivierung sich wirklich lohnt.

Allgemeine Informationen über Pflaumen

Bei den Pflaumen handelt es sich um eine Pflanzenart aus der Familie der Rosengewächse, der 15 Arten und über 2.000 verschiedene Sorten angehören. Sie wachsen als Baum oder Strauch und erreichen Wuchshöhen von 6 m, selten mehr. Die Gehölze selbst machen einen eher sparrigen Eindruck, die jungen Triebe haben keine Blätter, ältere wiederum keine Endknospen. Alles in allem sind Pflaumen nicht unbedingt die dekorativsten Pflanzen – bis zu dem Moment, in dem sie blühen. Dies geschieht im April/Mai. Die zwittrigen Blüten sind weiß, gelegentlich auch rosafarben, und zu Dolden zusammengesetzt; sie besitzen jeweils fünf Kronenblätter. Da sie vielzählig erscheinen und bevorzugt an kurzen Zweigen wachsen, bilden sie eine wunderschöne Blütenkrone. Aus ihnen entwickeln sich im Laufe des Sommers die Früchte, die ebenfalls Pflaumen genannt werden. Je nach Sorte und Art sind sie gelb, grüngelb, rot, purpurfarben, violett, blauschwarz oder blau. Ihre Größe variiert zwischen einem und acht Zentimetern. Von der Form her können sie oval oder rund sein. Pflaumen eignen sich für den Rohverzehr, können jedoch auch sehr gut für Desserts, als Kuchenbelag oder zur Herstellung von Mus oder Konfitüre verwendet werden. Manche Sorten eignen sich zudem hervorragend für die Schnapsherstellung.

Botanisch zählen sowohl Zwetschgen als auch Mirabellen ebenfalls zu den Pflaumen. Sie unterscheiden sich in der Form und Größe.

In alten Hausgärten war es selbstverständlich, dass verschiedenen Pflaumensorten angebaut worden sind. Im Zuge der Neugestaltungen vieler Grundstücke sind die meisten dieser alten Bäume der Axt zum Opfer gefallen, so dass heutzutage mehr neuere Züchtungen kultiviert werden.

Worauf ist bei Pflaumensorten zu achten?

Pflaumensorten
Pflaumensorten

Bei der Auswahl an Pflaumensorten kann man leicht den Überblick verlieren. So kommt manch einer auf die Idee, lediglich aufgrund des Geschmackes der individuellen Frucht eine Kultivierung zu starten. Dies ist natürlich nicht unerheblich. Dennoch gibt es weitere Kriterien, welche möglichst berücksichtigt werden sollten.

Widerstandskraft

Die neuen Züchtungen von Pflaumensorten sind wesentlich widerstandsfähiger gegenüber Schädlingen und Krankheiten. Besonders das Scharka-Virus war bis vor kurzem ein großes Problem für den Pflaumen Anbau, da es eine komplette Ernte zunichtemachen kann. Das von Blattläusen übertragene Virus äußert sich in braunen, harten Stellen, die sowohl auf der Schale als auch im Fruchtfleisch zu finden sind. Eine Bekämpfung ist ausschließlich mit aggressiven chemischen Mitteln möglich, was wiederum nicht nur der gesamten Umwelt schadet, sondern auch die individuellen Früchte nicht unbedingt genießbarer macht. Heutzutage wird besonderes Augenmerk auf Züchtungen gelegt, bei denen das Virus kein so großes Unheil anrichten kann.

Gartenbista-Tipp: Die Hauszwetschge ist zwar eine beliebte, alte Sorte, jedoch extrem anfällig für das Scharka-Virus.

Fruchtbarkeit

Doch die Widerstandkraft ist nicht das einzige Kriterium, welches Beachtung finden sollte. Auch die Fruchtbarkeit ist von Bedeutung. Möglichst sollten selbstbestäubende Bäume gewählt werden. Diese haben den großen Vorteil, dass sie nicht auf andere Gehölze zur Bestäubung angewiesen sind.

Unterschiedliche Erntezeit der Pflaumensorten

Werden mehrere Pflaumen kultiviert, so ist es sinnvoll, dass diese Sorten unterschiedliche Erntezeiten haben. Werden beispielsweise eine frühe und eine späte Sorte angebaut, so hat man als Hobbygärtner über mehrere Wochen hinweg immer frisches Obst. Dadurch ist nicht nur der Vitaminhaushalt gesichert. Dies hat zudem den Vorteil, dass nicht sämtliche Früchte auf einmal verarbeitet werden müssen. Denn – darüber sollte man sich im Klaren sein – ein gut tragender, erwachsener Pflaumenbaum bringt zwischen 70 und 140 kg Früchte hervor. Da diese für gewöhnlich nicht lange lagerfähig sind, ist eine rasche Verarbeitung angesagt.

Pflaumensorten für Hausgärten – das sind die wichtigsten

Pflaumen im Garten
Pflaumen im Garten

Unter der Vielzahl der Pflaumensorten die wichtigsten hervorzuheben, ist ein schwieriges Unterfangen. Es kommt nicht immer nur auf die oben genannten Kriterien an, sondern auch auf das jeweilige Klima, welches in der Region herrscht. So gibt es einige Pflaumen, die selbst in rauen Lagen Früchte hervorbringen werden, während andere ein mildes Klima sowie warme Temperaturen benötigen. Bei der individuellen Auswahl der passenden Pflaume(n) sollten diese Ansprüche zwingend mitberücksichtigt werden.

  • Anna Späth eignet sich besonders gut für milderes Klima. Dort wird sie ovale, saftige Früchte hervorbringen. Diese Pflaumensorte gilt als sehr scharkatolerant und zudem noch reichtragend.
  • Formosapflaume, die bereits ab Ende Juli saftige, süß-säuerliche Früchte hervorbringt. Sie gilt als sehr widerstandsfähig und kann in jedem Boden kultiviert werden.
  • Gelbe Eierpflaume ist leider frostanfällig und demzufolge nicht für raue Lagen geeignet. In milden Regionen sowie bei warmem Sommerwetter wird sie jedoch fantastisch gedeihen und einen hohen Ertrag bringen.
  • Gelber Spilling: wie der Name erraten lässt, sind die süßen Früchte gelblich grün. Die Schale lässt sich gut entfernen, weswegen diese Pflaumensorte sehr gerne als Kuchenbelag verwendet wird. Obwohl es sich bei ihr um eine alte Sorte und nicht etwa um eine neue Züchtung handelt, ist sie sehr widerstandsfähig und anspruchslos.
  • Haganta kann sowohl als Säulenobst als auch als Baum kultiviert werden. ihre aromatischen Früchte können bis zu 80 g schwer werden. diese Züchtung ist sehr scharkatolerant.
  • Jojo ist etwas für Spezialisten, denn eine einzige Frucht kann bis zu 60 g schwer werden. diese Pflaume ist gegenüber dem Scharka-Virus resistent und kann auch in Kübelhaltung kultiviert werden.
  • Juna, die längliche, süßsäuerliche Früchte hervorbringt und als sehr anspruchslos gilt.
  • Kiekespflaume eignet sich selbst für raue Lagen, da sie sehr anspruchslos ist. Ihre Früchte sind groß, saftig und haben einen angenehmen süß-säuerlichen Geschmack. Einziger Nachteil: sie ist nicht selbstbefruchtend.
  • Ontariopflaume, die auch als Gelbe Rundpflaume bekannt ist, gedeiht besonders gut in milderen Regionen. Sie bringt ab August sehr saftige, große Früchte hervor.
  • Tophit ist eine neue Züchtung, die sehr scharkatolerant ist. Ihre süßen Früchte können bis zu 80 g wiegen, sind also recht groß.

Gartenbista-Tipp: Experimentierfreudige Hobbygärtner sollten sich näher mit dem Plausich beschäftigen, einem Pflaumenbaum, dessen Früchte ein Pfirsicharoma haben.

Für kleine Gärten

Pflaume als Spalierobst
Pflaume als Spalierobst

Selbst wenn man nur einen kleinen Garten zur Verfügung hat, können dort dennoch Pflaumen gepflanzt werden.

  • Besonders empfehlenswert sind hierfür die Pflaumenbüsche. Ihre Stammhöhe beträgt maximal 80 cm, so dass sie nur wenig Platz in Anspruch nehmen. Sie eignen sich zudem hervorragend für eine Obsthecke, bei der verschiedene Sorten miteinander kombiniert werden können. Im Fachhandel sind diverse Pflaumen erhältlich, welche als Büsche kultiviert werden.
  • Die Zwergpflaume erreicht eine Wuchshöhe von maximal 1,80 m. Ihre mittelgroßen Früchte sind sehr saftig und süß.
  • Spalierobst eignet sich auch für kleine Gärten. Auch Pflaumen können derart kultiviert werden, wobei es schön wäre, wenn bereits derart vorgezogene Pflanzen gekauft werden würden. Im Fachhandel sind welche erhältlich, die U-förmig erzogen worden sind und sich demzufolge bestens als Spalierobst eignen.
  • Sehr interessant sind auch neue Züchtungen, bei denen zwei verschiedene Pflaumensorten an ein und demselben Baum wachsen. Die als Duo-Obst bezeichneten Gewächse bieten den großen Vorteil, dass auf wenig Raum zwei Sorten kultiviert werden können.

Gartenbista-Tipp: Hanita eignet sich ebenfalls sehr gut, da sie langsam wachsend ist, auch mit kühlerem Klima zurechtkommt und ansonsten auch keinerlei Ansprüche stellt.

Pflaumensorten für den Balkon

Anbau auch auf Balkonen möglich
Anbau auch auf Balkonen möglich

Kaum zu glauben, aber tatsächlich möglich: auch auf dem Balkon kann man Pflaumen kultivieren. Die Früchte stehen in ihrer Größe anderen Pflaumen in nichts nach, lediglich das Gehölz an sich ist kleiner. Die maximale Höhe für eine derartige Haltung beträgt 2 m.

  • Gut geeignet ist ein Zwerg-Pflaumen-Stämmchen, das vom Wuchs her eine Miniaturausgabe eines großen Pflaumenbaums ist, jedoch maximal 1,20 m hoch wird. Es benötigt einen sonnigen und geschützten Standort. Dort wird es den ganzen Sommer über bis in den Herbst hinein viele, sehr aromatische Früchte hervorbringen.
  • Säulen-Zwetschgen wie Fruca, Imperial, Haganta oder Topper, die allesamt sonnig bis halbschattig stehen möchten und keine Staunässe vertragen.
  • Spindelbüsche sowie kleine Säulen-Pflaumen hingegen benötigen einen vollsonnigen Standort. Beliebte Sorten sind unter anderem Champion, Gelbe Eierpflaume, Königin Victoria, Ontario sowie Magna Glauca.
  • Wer gerne Renekloden isst, braucht auf diese auch auf dem Balkon nicht zu verzichten, die Zwerg-Reneklode lässt sich sehr gut auch in Kübelhaltung kultivieren.

Gartenbista-Tipp: Auf dem Balkon sollten grundsätzlich nur selbstbefruchtende Pflaumensorten kultiviert werden.

 

Symbolgraphiken: © bojsha – stock.adobe.com; Mahir – stock.adobe.com; Branko Srot – stock.adobe.com; masterskuz55 – stock.adobe.com; Fabio Caironi – stock.adobe.com


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