Strebergarten – Wissenswertes über einen Schrebergarten & Tipps zum Gestalten

Lesezeit: 9 Min.
Strebergarten
Strebergarten

Während er noch vor einigen Jahren als verstaubt und antiquiert belächelt wurde, erlebt der Strebergarten inzwischen eine echte Renaissance: die kleine, grüne Parzelle ist bei Menschen jeder Altersklasse sehr beliebt. Er ermöglicht nahezu jedem, dem (Großstadt-)Alltag zu entfliehen und sich seine eigene kleine Ruheoase zu schaffen. Die Bewirtschaftung unterliegt jedoch einigen Regularien. Wir haben für Sie alles Wesentliche zusammengefasst, was Sie über einen Schrebergarten wissen sollten.

Kurz & knapp

  • Strebergarten ist die volksmündliche Bezeichnung für einen Schrebergarten
  • Bei diesem handelt es sich um eine Parzelle innerhalb eines Kleingartenvereins
  • Wer eine solche Parzelle pachten möchte, wendet sich an einen örtlichen Kleingartenverein
  • Eine dortige Mitgliedschaft ist Voraussetzung dafür, dass ein Pachtvertrag zustande kommt
  • Beim Pachten von Schrebergärten entstehen einmalige sowie jährliche Kosten, die ortsabhängig schwanken
  • Die Bewirtschaftung und Gestaltung eines Kleingartens unterliegen Regularien, an die sich jeder Pächter zu halten hat

Was ist ein Strebergarten?

Bei einem Strebergarten handelt es sich um eine maximal 400 m2 große, umzäunte Grünfläche, die zu einer Kleingartenanlage gehört. Diese wird von einem Kleingartenverein verwaltet. Im Gegensatz zu Hausgärten unterliegen diese Parzellen strengen Regularien, die in den jeweiligen Vereinssatzungen unter Berufung auf das Bundeskleingartengesetz verankert sind.

Die Bezeichnung „Strebergarten“ hingegen ist im Laufe der Jahrzehnte entstanden, als immer mehr Kleingärtner das Klischee des spießigen Besserwissers zu erfüllen schienen. Es ist kein offizieller Begriff, jedoch weiß jeder, was damit gemeint ist. Ebenso verhält es sich mit der Bezeichnung „Laubenpieper“. Diese wiederum bezieht sich darauf, dass den Kleingärtner unterstellt wird, sie sitzen den ganzen Tag vor ihrem Gartenhäuschen und schimpfen und meckern vor sich hin.

Kriterien

  • Der Kleingarten wird zur naturnahen, nichtkommerziellen Bewirtschaftung, zum Anbau von Nutzpflanzen sowie zur Erholung genutzt
  • Eine Parzelle darf maximal 400 m2 groß sein
  • Die Fläche wird dauerhaft verpachtet
  • Sie muss in einer Kleingartenanlage gelegen sein
  • Diese Anlage beinhaltet neben den einzelnen Gärtchen auch Gemeinschaftsflächen, Spielflächen, Wege sowie ein vereinsheim
  • Jeder Pächter muss Mitglied in dem betreffenden Kleingartenverein sein

Die gesetzlichen Bestimmungen zur Definition und Bewirtschaftung eines Schrebergartens sind im Bundeskleingartengesetz verankert. Zudem gelten die jeweiligen Satzungen des Kleingartenvereins.

Strebergarten – Vorteile des kleinen Gärtchens

Schrebergarten - grüne Oase mitten in der Stadt
Schrebergarten – grüne Oase mitten in der Stadt

Gleich nach dem Entspannen ist die Gartenarbeit die liebste Freizeitbeschäftigung der Deutschen. Leider hat nicht jeder die Möglichkeit, einen Garten direkt am Haus zu besitzen oder zumindest bewirtschaften zu können. Für all jene Menschen ist ein Schrebergarten eine gute Alternative.

Dasselbe gilt für all diejenigen, die mitten in der Stadt wohnen – womöglich noch in riesigen Wohnblocks ohne ein Fleckchen Grün um sie herum. Ein gepachteter Kleingarten bietet ihnen Natur, Erholung und Entspannung.

Nicht zu vergessen die sozialen Funktionen, welche eine Kleingartenkolonie erfüllt, und die alle Altersgruppen umfasst:

Personengruppe Vorteile
Berufstätige Entspannung, Erholung, Hobby (Gärtnern) ausüben, Treffen mit Gleichgesinnten
Familie Gemeinsames Hobby, Anbau von gesunden Nahrungsmitteln, Erholung
Senioren Sinnvolle Beschäftigung, Kontakte mit Gleichgesinnten, Aufenthalt an frischer Luft
Kinder Bewegung im Freien, Kennenlernen und Schätzen der Natur
Behinderte Kontakte knüpfen, Integration

Hat ein Strebergarten auch Nachteile?

Wer sich einen Schrebergarten pachtet, muss sich darüber im Klaren sein, dass er sich dort nicht so frei entfalten kann wie in einem Hausgarten. Die Regularien müssen befolgt werden, da es ansonsten schneller zu einer Kündigung kommen kann, als einem lieb ist. Auch ist es nicht jedermanns Sache, dass ein solches Gärtchen von allen Seiten einsehbar sein muss. Schlampige Ecken, Unkraut in den Beeten sind demzufolge nicht angesagt; ebenso wenig ein Oben-ohne-Sonnenbad, wie es in einem uneinsehbaren Hausgarten möglich ist. Diese Einschränkungen sind zwar etwas unangenehm, machen jedoch die vielen Vorteile nicht wett, die eine solche grüne Parzelle bietet.

Wo finde ich einen Schrebergarten?

Kleingartenanlage
Kleingartenanlage

Im örtlichen Branchenbuch sowie im Internet findet man eine Auflistung sämtlicher Kleingartenvereine in der Umgebung. Diese sollte man tunlichst aufsuchen, um sich vor Ort ein Bild von der Lage, den anderen Pächtern sowie sonstigen Gegebenheiten zu machen. Ganz wichtig bei der Auswahl des Gärtchens ist der Wohlfühlfaktor. Es macht keinen Sinn, sich irgendwo ein Stückchen Grün zu mieten, nur weil dort zufällig eins frei ist. Nicht unerheblich ist auch die direkte Gartennachbarschaft: passen die Leute altersmäßig zu uns? Haben wir vielleicht ähnliche Ideen zur Gestaltung des Schrebergartens?

Wie kann ich ihn mieten?

Zunächst muss man die Mitgliedschaft in dem gewünschten Kleingartenverein beantragen. Bevor dies nicht geschehen ist, kann man keinen Schrebergarten pachten. Nach der einmaligen Zahlung der Aufnahmegebühr kommt man entweder auf die Warteliste oder man erhält seinen Pachtvertrag.

Kosten

Gemäß dem Bundeskleingartengesetz darf die Pacht für einen Strebergarten maximal das Vierfache der ortsüblichen Pacht für Flächen des gewerbsmäßigen Obst- und Gemüseanbaus ausmachen. Die individuelle Summe errechnet sich aus der Größe der jeweiligen Parzelle.

Wer sich für einen Strebergarten interessiert, darf nicht nur die laufenden Kosten für Pacht einkalkulieren. In den meisten Fällen ist zudem noch ein Übernahmepreis zu zahlen, welcher sich aus

  • Zustand des Gartens,
  • Lage des Grundstücks sowie
  • individueller Ausstattung

zusammensetzt. Bundesweit liegen diese Kosten bei durchschnittlich knapp 2.000, – €, jedoch kann die Summe in Großstädten schnell die fünfstellige Marke knacken.

Einmalige Kosten belaufen sich im Bundesdurchschnitt auf folgende Summen:

Aufnahmegebühr Kleingartenverein 0 – 55 €
Ablöse für Übernahme 2.000, – €
Verwaltungsbeitrag 10 – 100,- €
Anschlussgebühren für Wasser & Strom 500 – 700,- €
Kosten für Gartengeräte, Pflanzen etc. 0 – ∞ €

Derartige Summen sind recht überschaubar, zumal es sich um einmalige Zahlungen handelt. Nicht zu vergessen sind jedoch die jährlichen Kosten. Diese belaufen sich durchschnittlich pro Jahr auf folgende Summen:

Pacht für den Schrebergarten Ortsabhängig; mind. 0,17 €/m2
Pacht für die Gemeinschaftsfläche 10 – 12 €
Mitgliedsbeitrag 30 – 80 €
Strom, Versicherungen 25 – 150,- €
Nebenkosten 30 – 400,- €

Wartezeit

Wer einen Schrebergarten pachten möchte, muss unter Umständen eine lange Wartezeit in Kauf nehme. Insbesondere in Großstädten ist die Nachfrage weitaus größer als das Angebot, so dass es mehrere Jahre dauern kann, bis man den begehrten Pachtvertrag in der Tasche hat. In ländlichen Gegenden hingegen stehen in den Kleingartenanlagen viele Parzellen leer; eine Wartezeit wird dort demzufolge entfallen.

Gartenbista-Tipp: Einige Pächter überlassen ihre Grundstücke für einen begrenzten Zeitraum interessierten Hobbygärtnern. Nachfragen beim zuständigen Kleingartenverein und/oder ein Blick ins Internet lohnen sich!

Kann ich auch einen Schrebergarten kaufen?

Der Kauf eines derartigen Grundstücks wird sich schwierig gestalten. Jede Parzelle befindet sich in einer Kleingartenkolonie, deren Eigentümer in der Regel ein Kleingartenverein ist. Diese haben für gewöhnlich kein Interesse daran, ihr Grundstück in Einzelteilen zu verkaufen. Wer außerhalb seiner Wohnanlage einen eigenen Garten haben möchte, sollte auf ein Wochenendhäuschen mit Grundstück zurückgreifen.

Strebergarten gestalten – was ist zu beachten?

Nun ist es bei einem Schrebergarten nicht so, dass man diesen bepflanzen und gestalten kann, wie man gerne möchte. Anders als bei Hausgärten unterliegt die Bewirtschaftung einigen Regularien, an die man sich als Pächter zwingend halten muss. Oberste Priorität haben das Ökologische Gärtnern sowie der Respekt vor der Natur mit all ihren Bewohnern. Dies alleine wäre nicht schwierig zu erfüllen, zumal die meisten Schrebergärtner ohnehin gesammeltes Regenwasser zum Gießen und selbst angelegten Kompost zum Düngen verwenden.

Dennoch sollte man einen Blick auf die Regelungen des jeweiligen Kleingartenvereins werfen. Diese beinhalten grundsätzlich dieselben Vorschriften, können jedoch zusätzlich noch weitere Vorgaben enthalten.

Vorgaben

Die Vorgaben bezüglich der Bewirtschaftung eines Kleingartens beziehen sich darauf, wie man seine Parzelle bepflanzt und bebaut, womit dies geschieht und wie die Parzelle umzäunt ist.

Einfriedung des Strebergartens

Kaum zu glauben, aber auch die Einfriedung einer jeden Parzelle unterliegt Regelungen. Die rührt daher, dass die Fläche als öffentliches Grün angesehen wird und der Pächter lediglich als deren Nutzer. Damit auch andere Menschen einen Blick auf besagte Fläche erhaschen können, muss sie frei einsehbar sein. Im Gegensatz zu Hausgärten ist es also nicht erlaubt, sich hinter dichten Büschen und Hecken zu verstecken; bei Schrebergärten darf die Einfriedung maximal 1,25 m hoch sein.

Dies bedeutet jedoch nicht, dass man seine Parzelle nicht mit einer Hecke umgeben darf: solange sie nicht die vorgeschriebene Höhe überschreiten, können beliebte Pflanzen wie Liguster oder Hainbuchen gepflanzt werden. Sehr beliebt sind auch kleine Jägerzäune. Besonders dekorativ sehen diese aus, wenn sie mit rankenden Zierpflanzen umgeben werden.

Nutzfläche

Ein Teil des Strebergartens muss Nutzfläche sein
Ein Teil des Strebergartens muss Nutzfläche sein

Es ist leider nicht so, dass in einem gepachteten Schrebergarten so viel beziehungsweise so wenig angebaut werden kann, wie man möchte. Mindestens ein Drittel der Gesamtfläche muss als Nutzfläche verwendet werden, das heißt für den nicht gewerbsmäßigen Anbau. Hierzu zählen jedoch essbare Gewächse jeder Art:

  • Gemüsepflanzen
  • Kräuter
  • Obstbäume und -sträucher

Größe des Gartenhäuschens

Ein Gartenhäuschen beziehungsweise eine Laube ist fast auf jeder Parzelle vorhanden. Sehr gerne werden diese Gebäude in Eigenregie gebaut, da man sich so sein eigenes kleines Traumhaus erstellen kann. Doch auch hierbei gilt es, bestehende Regularien zu beachten:

  • Maximal 24 m2 dürfen überdacht werden
  • Die Firsthöhe darf bei Satteldächern 3,50 m, bei Pultdächern 2,50 m nicht überschreiten
  • Regenrinnen sollten installiert werden, um Regenwasser aufzufangen

Des Weiteren bietet es sich an, eine kleine Terrasse zu bauen, auf der man essen, trinken oder sich einfach ausruhen kann.

Pflanzen

Im Allgemeinen wird gewünscht, dass standortgerechte Gehölze gepflanzt werden. Des Weiteren gibt es Gewächse, die nicht kultiviert werden dürfen, da sie im wahrsten Sinne des Wortes den Rahmen sprengen würden. Zu diesen gehören hochwachsende und/oder ausladende Bäume sowie Waldbäume, beispielsweise Stieleichen, Rosskastanien, Pappeln und Weißbirken. Da für gewöhnlich jede Kleingartenkolonie diesbezüglich ihre eigenen Regularien aufgestellt hat, empfiehlt es sich, sich vor der Pflanzung mit diesen auseinanderzusetzen.

Darf man im Schrebergarten grillen?

Wer einen Strebergarten gepachtet hat, darf in diesem grillen. Wichtig dabei ist, sich an die Ruhezeiten zu halten – vor allem, wenn das Grillen mit mehreren Leuten stattfindet und demzufolge etwas lauter sein kann. Welche Zeiten individuell gelten, ist in den Regularien des jeweiligen Kleingärtnervereins festgelegt.

Achtung: Lagerfeuer sind nicht gestattet!

Wohnen?

Übernachten ist im Strebergarten gestattet; Wohnen nicht
Übernachten ist im Strebergarten gestattet; Wohnen nicht

Keinesfalls sollte eine Kleingartenanlage mit einem Campingplatz verwechselt werden. Im Bundeskleingartengesetz ist verankert, dass Schrebergärten der kleingärtnerischen Nutzung dienen und keinen dauerhaften Wohncharakter haben dürfen. Dies bedeutet, dass es nicht gestattet ist, das Gartenhäuschen oder die Laube als Wohnraum zu benutzen.

Schlafen?

Gegen eine gelegentliche Übernachtung ist nichts einzuwenden. Wenn ein Pächter nach einem harten Gartenarbeitstag oder ein paar Bier zu viel in seinem Gartenhäuschen übernachtet, liegt kein Gesetzesverstoß vor.

Tipps & Ideen zur Gestaltung

Trotz der vielen Reglementierungen bleibt noch Spielraum für eine individuelle Gestaltung der Parzelle. Anders als bei Hausgärten sollte man sich jedoch an den Gepflogenheiten der Nachbargärten orientieren und nicht allzu sehr aus der Reihe scheren – ansonsten ist es schnell vorbei mit der friedlichen Idylle…

Dekoration

Sie wurden ausgelacht und verschmäht: die Gartenzwerge. Dennoch waren sie irgendwie immer präsent – besonders in Kleingartenkolonien. Inzwischen sind sie Kult geworden. Es gibt nicht nur die klassischen Modelle wie Zwerg mit Gießkanne oder Zwerg mit Blume, sondern viele andere Variationen von anrüchig über sportlich bis hin zu albern. In Kombination mit anderen Dekorationsgegenständen kann das Aufstellen eines solchen Gartenzwerges nicht schaden.

Wer einen ganz individuellen Zwerg gestalten möchte, kann dies sehr leicht selber machen, wie folgendes Video zeigt:

 

Sehr dekorativ wirken kleine Steinhaufen, die an verschiedenen Stellen des Gartens errichtet werden. Sie bieten Insekten und Kleintieren Schutz und können zudem – wenn sie mit Pflanzschalen dekoriert werden – ein toller Blickfang sein.

Des Weiteren lässt sich ein Kleingarten ebenso dekorieren wie ein Hausgarten – natürlich unter Beachtung der geltenden Regeln. Ein kleiner Teich, eine schöne Blumenspindel, ein Baumstumpf… der Fantasie des Pflanzenfreundes sind (fast) keine Grenzen gesetzt.

Was ist noch interessant für Pflanzenfreunde?

Diese Fragen stellen Pflanzenfreunde häufig:

Woher kommt der Begriff Schrebergarten?

Dass Kleingärten auch als Schrebergärten bezeichnet werden, haben wir dem 1808 geborenen Orthopäden und Pädagogen Daniel Gottlob Moritz Schreber zu verdanken. Dessen Herzensangelegenheit war es, Stadtkinder vor den schädlichen Einflüssen der Industrialisierung zu schützen und zugleich zu mehr Bewegung zu animieren. Aus diesem Grund schuf er die kleinen Gärten – damals auch als Armengärten bezeichnet – und verhalf den Kindern somit zu Aufenthalten im Grünen.

Wie viele Deutsche haben Schrebergärten?

Der Anteil an Schrebergärten steigt regelmäßig. So sind es mittlerweile über eine Million Deutsche, die ein solches Stückchen Grün gemietet oder gekauft haben. Zusammen mit den etwa 16 Millionen Hausgärten lässt sich feststellen, dass etwa jeder zweite Privathaushalt über einen Garten verfügt.

Darf ich einen Pool im Kleingartenverein errichten? Wie groß darf dieser sein?

2010 kam es zu einer Novellierung im Kleingartengesetz. Gemäß dieser benötigt man keine Genehmigung, um einen Pool, ein Wasserbecken oder einen Schwimmteich zu errichten. Die Gesamtfläche von 25 m2 darf dabei jedoch nicht überschritten werden.

 

Symbolgraphiken: © Eberhard – stock.adobe.com; PackShot – stock.adobe.com; lotharmahler – stock.adobe.com; Tom Bayer – stock.adobe.com; Tatjana Balzer – stock.adobe.com


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