Ist die Tigerschnecke ein Schädling oder Nützling?

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Tigerschnecke
Tigerschnecke

Gemeinhin gelten die Weichtiere als Schädlinge, da sie sehr gerne Pflanzen an- und auffressen. Doch es gibt auch Ausnahmen: die Tigerschnecke ist ein Nützling und somit ein gerne gesehener Gast in heimischen Gärten. Es macht Sinn, sie anzulocken und anzusiedeln, was mit ein paar einfachen Tricks gelingt.

Tigerschnecke – Steckbrief von Gartenbista

  • Farbe: braun oder grau mit dunkleren Flecken
  • Größe: 10 – 20 cm
  • Besonderheiten: ernährt sich nicht von Grünpflanzen
  • Verbreitung: nahezu weltweit
  • Entwicklungsstadien: Ei, helles Jungtier, adulte Nacktschnecke mit typischer Färbung
  • Lebensweise: nachtaktiv
  • Schadwirkung: keine

Allgemeine Informationen – Tigerschnecken

Bei der Tigerschnecke (Limax maximus) handelt es sich um eine Nacktschnecke, die auch als Tigerschnegel bekannt ist. Ihr Heimat ist Südeuropa, jedoch ist sie inzwischen auch in Mitteleuropa und vielen anderen Ländern zu finden.

Ihre Bezeichnung ist ein wenig irreführend, da die braune oder graue Schnecke nicht getigert ist, sondern dunkle Tupfen aufweist. Dennoch unterscheidet sie sich in ihrer Optik von anderen Nacktschnecken, die für gewöhnlich einfarbig sind. Tigerschnecken sind nachtaktiv, so dass man sie nur äußerst selten zu Gesicht bekommt.

Der Bestand der Tiere geht immer weiter zurück. In manchen Bundesländern wird die se Nacktschnecke bereit als gefährdete Art angesehen.

Gelegentlich kommt es zu Verwechslungen mit einer Raubschnecke, welche ebenfalls als Tigerschnecke bezeichnet wird. Dabei handelt es sich um ein Weichtier, welches im Wasser lebt und ein Gehäuse besitzt, dass getigert ist. Der Limax maximus hingegen ist ein reiner Landbewohner und nicht für ein Leben im Wasser geeignet.

Übrigens: Der Tigerschnegel ist Weichtier des Jahres 2005!

Verwechslungsgefahr mit anderen Insekten

Tigerschnecke und Wegschnecke
Tigerschnecke und Wegschnecke

Tigerschnecken können mit anderen Nacktschnecken verwechselt werden – zumindest bei oberflächlicher Betrachtung. Bei genauerem hinsehen wird man feststellen, dass es durchaus Unterschiede in Farbe, Größe und Musterung gibt.

  Genetzte Ackerschnecke Graue Ackerschnecke Schwarze Wegschnecke Spanische Wegschnecke
Farbe hell- bis dunkelbraun, cremefarben, grau hellgrau, gelblich, dunkelbraun schwarz, dunkelbraun, grau rötlich, hell- bis dunkelbraun, grau
Größe 4 – 6 cm 3 – 4 cm 10 – 13 cm 7 – 12 cm
Musterung netzartig gemustert; dunkle Flecken keine nein keine

Ist diese Nacktschnecke ein Schädling?

Vielen Gartenbesitzern sträuben sich die Nackenhaare, wenn sie auch nur das Wort „Nacktschnecke“ hören – geschweige dann, wenn sie eine solche sehen. Der schlechte Ruf eilt den Weichtieren nicht ganz unbegründet voraus: für gewöhnlich ernähren sie sich von Pflanzenteilen, und dann auch noch bevorzugt von jungen Blättern und Trieben. Kein Wunder also, dass sie als Schädlinge angesehen werden. Dies ist bei der Tigerschnecke nicht der Fall: sie knabbern nur in äußerst seltenen Fällen Pflanzen an, so dass für die Flora im Garten keinerlei Gefahr besteht.

Oder ein Nützling?

Der Tigerschnegel ist definitiv ein Nützling: er ernährt sich von anderen Nacktschnecken sowie deren Eiern, so dass er nicht nur die heimischen Pflanzen in Ruhe lässt, sondern auch noch bei der Schädlingsbekämpfung eine wichtige Rolle spielt.

Was fressen diese Schnecken noch?

Am liebsten ernähren sich Tigerschnecken tatsächlich von Artgenossen – und nicht etwa von kleineren: sie können durchaus Nacktschnecken verzehren, die ebenso groß sind wie sie selbst. Auch die Eier anderer Schnecken stehen ganz oben auf dem Speiseplan. Darüber hinaus verzehren sie:

  • Aas
  • Abgestorbene Pflanzenteile
  • Pilze
  • Welke Blätter und Triebe

Nur, wenn all diese Speisen nicht verfügbar sind, gehen die Tigerschnegel an frische Pflanzenteile. Da eine solche Situation aber so gut wie nie eintritt, sind keine Fälle bekannt, in denen der Limax maximus vom Nützling zum Schädling mutiert ist.

Ist die Tigerschnecke gefährlich?

Schnegel sind harmlos
Schnegel sind harmlos

Von Tigerschnecken geht nicht die geringste Gefahr aus – weder für Menschen noch für Haustiere. Sie beißen nicht, sie stechen nicht, sie machen nicht einmal Geräusche. Es ist tatsächlich so, dass man nur selten überhaupt bemerkt, dass man die so wichtigen Tiere in seinem Garten hat. Lediglich nach Regenfällen ist es möglich, sie auch tagsüber zu sehen. Ansonsten verstecken sie sich in Komposthaufen oder unter Steinen, um nicht von Fressfeinden wie Spitzmäusen gesehen zu werden. Erst im Schutze der Dunkelheit kommen sie hervor.

Giftigkeit?

Auch sind diese Nacktschnecken nicht giftig. Falls also ein Hund oder eine Katze versehentlich eine solche verzehrt, besteht keine gesundheitliche Gefahr.

Schnegel in den Garten locken

Die wichtige Rolle, die er im Ökosystem spielt, macht ihn zu einem unverzichtbaren Gartenbewohner. Als Gartenbesitzer sollte man diese Tatsache bedenken – vor allem dann, wenn Schneckenkorn gegen andere Weichtiere ausgelegt wird. Dieses Mittel tötet nicht nur jene Weichtiere, die sich schädlich verhalten, sondern auch die Tigerschnecken. Bei Schneckenplage sollte man grundsätzlich zu anderen Maßnahmen zu deren Bekämpfung greifen – und am besten Tigerschnegel anlocken.

Dies kann auf verschiedene Arten geschehen: sehr gut geeignet ist eine Trockenmauer. In deren Ritzen und Spalten finden nicht nur Schnegel einen sicheren Unterschlupf, sondern auch viele andere Insekten. Doch auch andere Verstecke werden gerne angenommen, sofern sie dunkel und feucht sind:

  • Ast- oder Laubhaufen
  • Holzstapel
  • Steine
Trockenmauern sind ideale Verstecke
Trockenmauern sind ideale Verstecke

Wenn Unterschlupfmöglichkeiten angelegt werden, so sollten es grundsätzlich mehrere sein. Je mehr Tigerschecken im Garten sind, desto besser. Demzufolge sollten möglichst an mehreren Stellen – im Garten verteilt – die Verstecke installiert werden.

Es kann durchaus passieren, dass sich eine Tigerschnecke versehentlich in einem Kellerraum verirrt. Da sie dort zwangsläufig verhungern würde, sollte sie umgehend ins Freie gebracht werden.

Abgesehen von geeigneten Wohnmöglichkeiten ist auch das Nahrungsangebot nicht unerheblich: je eiweißreicher diese ist, desto lieber kommen die Schnegel. So können beispielsweise Champignonscheiben in unmittelbarer Nähe der Verstecke ausgelegt werden. Die Tigerschnecken werden durch derartige Leckereien angelockt und bleiben, wenn sie sich wohl fühlen. Dabei sollte man natürlich niemals vergessen, auch weiterhin gelegentlich etwas essen auszulegen.

Gartenbista-Tipp: Auch Dachziegel eignen sich hervorragend als Unterschlupf.

Tigerschnecke – so siedelt sie sich an

Wenn der Tigerschnegel eine optimale Umgebung entdeckt hat, kommt er von ganz alleine. Man kann allerdings seinem Glück auch ein wenig auf die Sprünge helfen: im Fachhandel sind die Tigerschnecken käuflich zu erwerben. Dies sollte bereits im Frühjahr geschehen, ist aber bis in den Herbst hinein möglich. Die Weichtiere werden umgehend im Garten ausgesetzt. Wunder können sie jedoch nicht vollbringen: es dauert lange, bis sich ein offensichtlicher Effekt im Kampf gegen andere Nacktschnecken einstellt. Ein einziger Schnegel ist dazu nicht in der Lage, so dass zum einen mehrere Exemplare gekauft werden müssen, zum anderen die Lebensbedingungen immer optimal gestaltet werden sollten. Ist dies der Fall, werden sie sich vermehren, um nach einigen Jahren wirksam Schädlinge bekämpfen zu können.

 

Symbolgraphiken: © Martina – stock.adobe.com; lapis2380 – stock.adobe.com; Karsten – stock.adobe.com; Reklov – stock.adobe.com


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