Rattenarten – Übersicht, Steckbrief & Merkmale der heimischen Nager

Lesezeit: 8 Min.
Es gibt zwei heimische Rattenarten
Es gibt zwei heimische Rattenarten

Seit jeher verursacht der Gedanke an die großen Nager Unbehagen bei den Menschen, da sie mit Seuchen und Krankheiten in Verbindung gebracht werden. Auch heutzutage haben sie keinen guten Ruf. In Deutschland gibt es nur zwei Rattenarten, auf die man achten sollte: Wanderratten und Hausratten. Diese möchten wir Ihnen gerne näher vorstellen.

Allgemeine Informationen über Ratten

Bei den Ratten handelt es sich um eine Nagetiergattung, welche zur Familie der Langschwanzmäuse gehört. Zu dieser gehören 65 verschiedene Arten, die weltweit verbreitet sind. Sie unterscheiden sich sehr bezüglich Gewicht, Größe, Schwanzlänge und Fell. Auch ihre Lebensweisen sind sehr unterschiedlich.

Doch es gibt auch Gemeinsamkeiten: so haben Vertreter aller Rattenarten 16 Zähne, zwei Mägen und sehr gut ausgeprägte Sinnesorgane. Auch haben die meisten von ihnen keine Angst vor Menschen und leben mit ihnen beziehungsweise in deren unmittelbarer Nähe.

Rattenarten in Deutschland

Ratten
Ratten

Hierzulande gibt es zwei heimische Rattenarten: Wanderratten und Hausratten. Beide sind in freier Natur anzutreffen, und leider auch immer mehr in menschlicher Nähe. Dies liegt nicht etwa daran, dass sie sich unter Menschen so wohl fühlen und deswegen ihre Häuser und Gärten besiedeln möchten, sondern vielmehr an der Tatsache, dass sie kaum noch natürliche Habitate haben. Für die Besitzer beziehungsweise Bewohner der besiedelten Gebäude ist solch ein Besuch alles andere als angenehm: zum einen richten die Tiere dort Schäden an, zum anderen besteht eine gesetzliche Meldepflicht.

Die Anwesenheit der Nager ist meistens leicht zu erkennen: Fraß- und Fußspuren, Kot sowie Löcher sind untrügliche Indizien.

Wanderratte

Die Wanderratte ist die am häufigsten vorkommende Rattenart. Sie lebt in einem großen Familienverbund, dem bis zu 60 Tiere angehören können. Sie gilt als besonders klug und lernfähig, was an ihren stark ausgeprägten Sinnen liegt.

Hausratte

Ihren Namen verdankt diese Ratte der Tatsache, dass sie sehr gerne in Häusern lebt. Im Gegensatz zu der Wanderratte ist sie demzufolge sehr oft in Gebäuden anzutreffen. Ihre Population ist jedoch stark rückläufig, so dass sie in mehreren Bundeländern bereits als gefährdete Art gilt.

Auch Farbratten gehören zu heimischen Rattenarten

Kaum zu glauben, aber die beliebten Haustiere stammen von den Wanderratten ab, sie sind jedoch nicht in freier Natur anzutreffen, sondern werden ausschließlich im Käfig gehalten.

Rattenarten Übersicht

Hausratte, Rattus rattus Wanderratte, Rattus norvegicus  Farbratte, Rattus norvegicus

Forma domestica

Größe 17 – 22 cm 18 – 26 cm 22 – 26 cm
Schwanzlänge 18 – 23 cm 14 – 21 cm 18 – 22 cm
Gewicht 160 – 210 g 170 – 350 g (Männchen wesentlich schwerer als Weibchen) 200 – 500 g
Farbe komplett grauschwarz, grau-braun mit weißer oder grauer Unterseite Oberseite grau-braun, rötlich-grau, braun-schwarz; weiße Unterseite Verschiedene Farben

und Zeichnungen

Besonderheiten spitze Schnauze kräftiger Körperbau, dicker Schwanz (meistens kürzer als Körper)
Lebensweise tag- und nachtaktiv dämmerungs- und nachtaktiv Käfighaltung

Wanderratte Steckbrief

Seit etwa 300 Jahren gibt es in Deutschland Wanderratten. So wirklich erfreut war niemand über ihre Anwesenheit: ihr eilt der Ruf voraus, Krankheiten zu übertragen. Dies tut sie leider, ebenso wie der Rattenfloh, den sie für gewöhnlich in ihrem Fellkleid beherbergt.

Aussehen & Merkmale

Wanderratte
Wanderratte

Wanderratten sind recht große Vertreter ihrer Art: die Kopf-Rumpf-Länge misst zwischen 18 und 26 cm, dazu kommt noch der Schwanz, der bis zu 21 cm lang werden kann. Auch das durchschnittliche Gewicht von etwa 350 g macht deutlich, dass es sich bei dieser Rattenart um keine zierlichen Wesen handelt.

Die Fellfarbe variiert zwischen grau-braun, rötlich-braun und schwarz-braun, wobei die Unterseite immer weiß ist. Auffällig ist auch der zweifarbige Schwanz: oben graubraun, unten hellgrau.

Verbreitung

Die große Ratte stammt ursprünglich aus Ostasien, von wo sie im 18. Jahrhundert ihre Wanderung gen Westen begann. So kam sie über Russland nach Europa und ist heutzutage dort überall anzutreffen. Während sie in ihrer Heimat gerne in Wäldern und Büschen wohnt, lebt sie hierzulande in der Nähe von Menschen. Zwar bevorzugt sie eher wasserreiche Areale beispielsweise Abwasserkanäle, ist jedoch auch auf Bauernhöfen, in Lagerhäusern, auf Mülldeponien sowie Kellerräumen zu finden.

Lebensweise

Wanderratten sind nachtaktiv – zumindest überwiegend. Die schlauen Tiere sind jedoch flexibel genug, ihren Lebensrhythmus den menschlichen Bewohnern ihrer Habitate anzupassen. Sind die Menschen tagsüber nicht anzutreffen, so haben die Ratten kein Problem damit, sich tagsüber auf Nahrungssuche zu begeben. Auch die intuitive Vorsicht vor Fressfeinden wie Füchsen lässt sie ihren Rhythmus ändern: wissen sie genau, dass nachts Füchse auftauchen, so werden sie niemals freiwillig ebenfalls des Nachts unterwegs sein.

Die großen Nager sind Allesfresser, jedoch bevorzugen sie pflanzliche Nahrung wie Getreide, Früchte und Gemüse.

Fortpflanzung

Diese Rattenart pflanzt sich ganzjährig fort; bereits mit drei bis vier Monaten sind sie geschlechtsreif. Nach der Paarung beträgt die Tragzeit 22-24 Tage, dann kommen die Rattenbabies nackt, taub und blind zur Welt. Die Anzahl variiert sehr: sie kann zwischen einem und 15 Jungen betragen, wobei durchschnittlich 4-8 kleine Ratten geboren werden. Nach und nach entwickeln sich die Sinne, die Haare beginnen zu wachsen, und im Alter von drei Wochen sind die Jungen bereits auf Erkundungstour. Zunächst nur in ihrem Bau, später auch außerhalb. Dennoch werden sie weiter gesäugt; dies geschieht etwa sechs Wochen lang.

Hausratte – vom Aussterben bedroht

Hausratte
Hausratte

Diese Nagerart ist auch als Schiffsratten bekannt, da sie überwiegend per Schiff reiste und sich so auf der ganzen Welt verbreiten konnte. Lustigerweise hat sie dennoch keine Verbindung zu Wasser: Hausratten werden sich nicht wie die Wanderratten in Kanälen oder der Nähe von Gewässern aufhalten.

Während in der Vergangenheit Ratten eine richtige Plage gewesen sind, sind die Hausratten heutzutage vom Aussterben bedroht. Ihre Population geht immer weiter zurück, was nicht nur auf mangelnde Wohnmöglichkeiten zurückzuführen ist, sondern auch auf Gift. Es gibt immer noch Menschen, die Ratten vergiften, ohne sich Gedanken über ihr Handeln zu machen. Dies ist nicht nur unmenschlich, sondern auch verboten: die Hausratte steht auf er Roten Liste der gefährdeten Arten und darf somit weder vertrieben noch vernichtet werden.

Merkmale

Die Hausratten sind etwas kleiner als Wanderratten, können jedoch trotzdem eine Länge von 22 cm haben. Ihr Schwanz ist ein wenig länger: er wird bis zu 23 cm lang. Mit ihrem spitzen Gesicht erinnern sie an etwas größere Mäuse. Auch ihre großen Augen und Ohren verleihen ihr ein niedliches Aussehen.

Ihr Haarkleid kann grau-schwarz sein, grau-braun mit hellerer Unterseite oder eine andere Farnvariation aufweisen.

Lebensweise

Die sowohl tag- als auch nachtaktiven Hausratten leben in Verbunden von bis zu 50 Tieren zusammen, welche sich am Geruch erkennen. Für Angehörige fremde Clans ist es somit unmöglich, sich in ein solches Rudel einzuschleichen.

Rattus rattus gilt zwar als Allesfresser, nimmt aber nur sehr selten tierische Nahrung zu sich. Viel mehr bevorzugt sie pflanzliche Nahrung:

  • Früchte
  • Getreide
  • Samen
  • Wurzeln

Wenn sie nicht gerade fressen, vermehren sie sich: Hausratten können dies ganzjährig tun. Sie werden im Alter von 4-6 Monaten geschlechtsreif und paaren sich mit anderen Mitgliedern ihres Clans. Nach einer dreiwöchigen Tragzeit kommen bis zu 15 Junge zur Welt, die wie junge Wanderratten blind, taub und kahl sind. Sie wachsen, gedeihen, werden geschlechtsreif – und der Kreislauf beginnt von vorne. Da sie bereits mit etwa sechs Wochen selbständig sind, kann ihre Mama erneut schwanger werden. Es ist also leicht vorstellbar, wie gut sich Hausratten fortpflanzen könnten, wenn ihnen die Möglichkeit gelassen werden würde.

Wo finde ich sie?

Gemeinhin besteht die Annahme, dass sich Hausratten in beziehungsweise in unmittelbarer Nähe von menschlichen Behausungen aufhalten. Dies ist nur bedingt richtig. Sie leben lediglich in kälteren Regionen in Kellerräumen, Ställen, Vorrats- oder Wohngebäuden lebt. Ansonsten bevorzugt sie ein ruhiges Domizil im Freiland, wo sie schläft, isst, sich vermehrt und auf Erkundungstouren geht.

Farbratten sind beliebte Haustiere

Diese Rattenart zählt zu den Haustieren
Diese Rattenart zählt zu den Haustieren

Bei den Farbratten handelt es sich um eine Zuchtform der Wanderratten, welche dadurch entstanden ist, dass Wissenschaftler diese Tiere studieren wollten. Durch die Züchtungen wurden sie immer mehr so, wie man sich ein Haustier wünscht – und sind es geblieben. Sie sind zutraulich, intelligent und schmusebedürftig: gerne lasen sie sich von „ihrem“ Menschen am Körper herumtragen.

 

Gartenbista-Tipp: Für ausreichend Bewegung sorgen! Keine Laufräder, da diese zu schweren Rückenschäden führen können!

Steckbrief

Ein wenig kleiner als ihre Stammmutter, die Wanderratte, ist die Farbratte schon, und demzufolge auch ein wenig leichter. Sie kann in allen möglichen Farben und Farbvariationen auftreten, von reinweiß über bräunlich, gescheckt, grau bis hin zu schwarz. Charakterlich fehlen ihr jene Aggressionen, welche der Wildform nachgesagt werden.

Sehr gerne leben Ratten zusammen mit Artgenossen, doch Vorsicht: bereits mit etwa sechs Wochen sind sie geschlechtsreif, was zwangsläufig zu einer Vermehrung der Population im Käfig führt.

Welche Rattenarten sind gefährlich für Menschen?

Gefährlich im Sinne von „Ratte greift Menschen an und zerstückelt ihn“ sind die Nager nicht. Dies bedeutet jedoch noch, dass ein Zusammenleben mit ihnen ungefährlich ist: es gibt über 100 verschiedene Krankheiten, welche von Ratten auf Menschen übertragen werden können. Es ist allerdings nicht so, dass diese alle auch tatsächlich von ein und derselben Ratte übertragen werden, sondern lediglich jene Krankheiten, die ohnehin in der Region vorkommen:

  • Bandwürmer
  • Fleckfieber
  • Leptospirose
  • Salmonellen
  • Tuberkulose

Die Übertragung findet nicht nur durch Bisse (Speichel) oder Kratzer statt, sondern auch durch Hutkontakt oder Einatmen von Bakterien und Viren, welche sich in den Ausscheidungen der Ratten befinden.

Gartenbista-Tipp: Die Pest wird nicht von Ratten übertragen, sondern vom Rattenfloh!

Für Tiere?

Katzen und Hunde sollten sich besser vor Ratten in Acht nehmen. Zum einen können auch auf sie Krankheiten übertragen werden. Zum anderen sind Verletzungen durch Kratz- sowie Bisswunden meistens mit anschließenden bakteriellen Entzündungen verbunden, welche sehr schmerzhaft sind und unangenehme Folgen haben können.

Die größte Gefahr geht jedoch von jenen Ratten aus, welche bereits irgendwo Rattengift aufgenommen haben. Dieses wirkt für gewöhnlich nicht sofort, sondern schleichend, so dass diese kontaminierten Tiere noch eine Weile umherlaufen können. Werden sie in dem Zustand von einem Hund oder einer Katze gegessen, so besteht allergrößte Gefahr, dass dieses Haustier ebenfalls sterben wird. Besteht nur der geringste Verdacht, dass eine Ratte auf dem Speiseplan des Vierbeiners stand, sollte umgehend ein Tierarzt aufgesucht werden!

Video-Tipp der Redaktion: Wie Ratten leben

In folgendem Video bekommt man einen sehr guten Überblick, wie Ratten leben und wovon sie sich ernähren:

 

Was ist noch interessant für unsere Leser?

Diese Fragen stellen unsere Leser häufig:

Wo halten sich Ratten tagsüber auf?

Wenn sie sich nicht gerade in unbewohnten Gebäuden oder auf Müllhalden aufhalten. Sind sie in ihrem Bau. Diesen verlassen sie erst bei Dämmerung.

Wie viele Rattenarten gibt es?

Weltweit sind 65 Rattenarten bekannt. Von diesen sind jedoch nur zwei in Deutschland anzutreffen.

Welche Ratten sind Laborratten?

Farbratten sind sehr intelligente, soziale Tiere, die beliebte Haustiere sind. Leider werden sie auch als Versuchstiere missbraucht.

 

Symbolgraphiken: © lberlik – stock.adobe.com; Michael Eaton – stock.adobe.com; Holger T.K. – stock.adobe.com; JAH – stock.adobe.com; babsi_w – stock.adobe.com


• 25. Juli 2021 • Kategorie: Tiere & Natur

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Du kannst unter Pseudonym kommentieren. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Ja, ich habe die Datenschutzerklärung gelesen.