Grüne Fliege – so werden Sie die Goldfliege los

Lesezeit: 8 Min.
Grüne Fliege, Lucilia sericata
Grüne Fliege, Lucilia sericata

Sie hat eine ansprechende Farbe und glänzt metallisch. Trotz der ansprechenden Optik hat die Grüne Fliege nicht viele Freunde: sie gilt gemeinhin als Krankheitsüberträger und wird genau aus diesem Grund bekämpft. Welche Methoden es hierfür gibt und wie sich diese Schmeißfliege von anderen Insekten unterscheidet, haben wir für Sie zusammengefasst.

Allgemeine Informationen über die Grüne Fliege

Die meisten Menschen zucken bereits bei dem Begriff „Grüne Fliege“ zusammen. Vor dem geistigen Auge erscheint ein schillerndes Insekt, welches sich auf Hunde- und anderen Kothaufen sowie Aas herumtreibt, dort unendlich viele Eier ablegt und sich demzufolge maßlos schnell vermehrt. So ganz unrecht haben diese Personen nicht, denn genau das tut dieses Insekt. Da nützt es nichts, wenn sie auch als „Goldfliege“ bezeichnet wird – der schlechte Ruf eilt ihr voraus.

Hundekot dient zur Eiablage
Hundekot dient zur Eiablage

Grüne Fliegen sind nahezu auf der ganzen Welt zu finden, vorzugsweise in der Nähe von Menschen. Dadurch unterscheiden sie sich von anderen Mitgliedern der Familie der Schmeißfliegen. Sie ernähren sich überwiegend von pflanzlichen oder tierischen Resten, wobei sie tatsächlich frische Leichen alten Kadavern vorziehen. Auch auf Exkrementen sind sie zu finden. Ein echter Aasfresser ist diese Fliege dennoch nicht. Dafür hat sie eine andere unangenehme Eigenschaft: sie ernährt sich ganz gerne von nekrotischem, also absterbendem oder abgestorbenem Gewebe von Wirbeltieren, welches an Wunden zu finden ist. Solange sie nur daran knabbern würde, wäre das vielleicht nicht so schlimm, aber inzwischen ist sie dazu übergegangen, sieh auch in gesundes Gewebe hineinzufressen. Insbesondere Schafe müssen darunter leiden: die Grünen Fliegen sind verantwortlich für die Fliegenmadenkrankheit (Myiasis), der bereits unzählige Schafe zum Opfer fielen.

Die Goldfliege hat jedoch auch positive Charakterzüge: sie fliegen sehr gerne Blüten an. Besonders für die Doldenblütler gehören sie zu den wichtigsten Bestäuberinsekten und sorgen so für den Fortbestand dieser Pflanzen.

Vermehrung

Weibchen legen im Laufe ihres Lebens bis zu 3.000 Eier, aus denen bereits nach 24 Stunden die bis zu 11 mm langen Larven schlüpfen. Diese Maden der Lucilia sericata, wie sie wissenschaftlich heißt, sind rosafarben und unter Anglern sowie als Fischfutter ausgesprochen beliebt. Im Fachhandel sind sie als „Pinky Maden“ bezeichnet. Werden sie nicht zum Füttern verwendet, so verpuppen sie sich nach fünf Tagen. Unter optimalen Bedingungen – in diesem Falle bei Temperaturen um 30° C – schlüpfen nach einer Woche die jungen Goldfliegen. Anhand der kurzen Entwicklungsphase lässt sich unschwer erkennen, wie schnell aus einer einzigen Grünen Fliege eine echte Plage werden kann…

Übrigens: In der Wundtherapie werden genau diese Maden auch bei Menschen eingesetzt, um nekrotisches Gewebe entfernen zu lassen.

Merkmale

Der Körper der Goldfliege ist grünlich bis goldfarben und glänzt metallisch, zudem ist er komplett mit kleinen Haaren bedeckt und eher gedrungen. Im Gegensatz zu anderen Schmeißfliegen hat sie keinen Halsschild.

Unterschiede zu anderen geflügelten Insekten

Grüne Fliege Blattlaus Florfliege Goldaugen-bremse Goldwespe
Größe 5 – 11 mm 1 – 3 mm 10 – 15 mm 9 – 14 mm 4 – 10 mm
Farbe goldgrün, metallisch glänzend hellgrün hellgrün braungelb, schwarz bläulich-grün schimmernd
Besonderheiten behaart Blattläuse bilden bei Platz-mangel Flügel aus schlanker Körper, durchsichtige Flügel grüne Augen, gelbes Gesicht Hinterteil rot metallisch
Lebensweise tagaktiv tag- und nachtaktiv dämmerungs-aktiv tagaktiv tagaktiv
Ernährung Aas, Pflanzenreste, Nektar, Exkremente Pflanzen-säfte Blattläuse Pflanzen-säfte, Weibchen saugen auch Blut Nektar
Flugzeit JuniSeptember Frühjahr bis Winter Mai – September Mai – Oktober Juni – September
Schädling ja ja Nützling nein nein

Wo finde ich dieses Insekt?

Im Gegensatz zu einigen anderen Schmeißfliegen bevorzugt die Goldfliege menschliche Nähe und ist deswegen häufig dort anzutreffen.

Im Freien

Grüne Fliege auf Tierkadaver
Grüne Fliege auf Tierkadaver

Die Grüne Fliege ist im Freien bevorzugt auf verwesenden Tierkadavern sowie auf Doldenblütlern zu finden. Selbst, wenn man ein Gartenbesitzer sie dort als störend empfindet: sie tut im Freien niemandem etwas, sondern lebt tatsächlich ihre nützlichen Eigenschaften aus. Demzufolge sollte sie einfach in Ruhe gelassen werden – es gibt keinen Grund, sie zu töten.

 

Gartenbista-Tipp: Falls sich eine Grüne Fliege auf dem Kompost befindet, darf sie dort ruhig bleiben – sie richtet dort keine Schäden an.

In der Wohnung

Ist eine Grüne Fliege erst einmal da, werden es bald viele sein...
Ist eine Grüne Fliege erst einmal da, werden es bald viele sein…

Wenn sich eine Grüne Fliege in der Wohnung aufhält, dann wird sie dies vermutlich in der Küche tun. Dort findet sie alles, was das Herz begehrt, und kann sich in aller Ruhe mit der Eiablage beschäftigen. Bevorzugt wird sie an beziehungsweise auf

  • Essensresten oder
  • Tiernassfutter sowie im
  • Siphon vom Spülbecken

zu finden sein. Auch an Stellen, an denen versehentlich Essenreste hinfallen oder sich solche befinden, kann sie anzutreffen sein, beispielsweise hinterm Herd, im Mülleimer oder im gelben Sack – selbst kleine Tiernahrungsreste in der Dose können verlockend sein.

Dies kann der Anfang einer Invasion sein. Denken wir an die rapide Vermehrung: wenn nur eine Grüne Fliege anwesend ist, so sorgt sie innerhalb kürzester Zeit für Nachwuchs, der sich wiederum schnell fortpflanzt. Nach einigen Tagen werden die Insekten vielzählig im Haus sein, und nicht nur in der Küche.

Mögliche Ursachen

Meistens sind es Lebensmittel, welche die Grünen Fliegen anlocken. Es kann jedoch auch andere Ursachen geben, warum diese Insekten plötzlich ins Haus kommen:

  • Kadaver einer toten Maus beziehungsweise einer toten Ratte
  • Tote Wildtiere im Garten
  • Verstopftes Abflussrohr
  • Haustierkot in verunreinigten Käfigen oder Katzenklos

Gartenbista-Tipp: Grundsätzlich sollte die Ursache für die Fliegeninvasion gesucht und behoben werden!

Grüne Fliege – Schädling oder Nützling

Für die Doldenblütler ist die Grüne Fliege ausgesprochen nützlich, da sie maßgeblich zu deren Bestäubung beiträgt. Leider ist sie aber auch ein Vorratsschädling, so dass die positiven Eigenschaften eher sekundär sind – zumindest, wenn sich die Schmeißfliegen in Wohnräumen befinden.

Ist sie gefährlich für Menschen oder Tiere?

Die gute Nachricht vorweg: Schmeißfliegen stechen und beißen nicht und saugen auch kein Blut. Demzufolge sind sie weniger unangenehm als beispielsweise Mücken – zumindest in dieser Hinsicht. Leider sind dies die einzigen positiven Aspekte, die man aus der Gesellschaft dieser Fliegen ziehen kann. Sie legen ihre Eier in Fleisch, gelegentlich auch in andere Lebensmittel. Die Maden bohren sich dann in diese Esswaren, wodurch sie nicht mehr genießbar sind. Leider bemerkt man eine derartige Kontaminierung oft erst, wenn es bereits zu spät ist. Fleisch, auf welchem Eier abgelegt worden sind und was danach in Kühlschrank gegeben wird, ist oft nach einem Tag von Maden durchzogen. Der Grund liegt darin, dass die Larven durch Kälte nicht absterben; sie verpuppen sich lediglich nicht. (Kleiner Tipp für Aquarianer: Pinky Maden immer im Kühlschrank lagern.) Beim Kochen sterben sie zwar, doch dann kann es bereits zu spät sein: das Fleisch ist kontaminiert.

Diese Krankheiten überträgt die Grüne Fliege

Maden alleine sind schon ekelhaft, wenn sie sich in menschlicher Nahrung befinden. Doch es kommt noch schlimmer: es kommt vor, dass diese Larven Keime in sich tragen, welche auf die Lebensmittel übertragen werden. Diese Keime wiederum können zu Krankheiten führen:

  • Cholera
  • Durchfallerkrankungen
  • Typhus

Sehr unangenehm, doch genauso schlimm sind jene Erkrankungen, welche dadurch entstehen, dass sich die Insekten auf offenen Wunden niederlassen und/oder dort ihre Eier ablegen:

  • Blutvergiftung
  • Myiasis

Dabei ist es den Goldfliegen im Übrigen egal, ob diese Wunden zu Menschen oder Tieren gehören. Besonders betroffen sind Schafe, da diese nach Kot und Urin riechen und dadurch verlockend für die Schmeißfliegen duften. Als bevorzugte Stelle für die Eiablage wird ein Plätzchen hinter den Ohren gewählt, da sich die Tiere dort nicht lecken oder kratzen können. Da die Wundmyiasis für Schafe schwerwiegende Folgen bis hin zum Tod haben kann, ist die Grüne Fliege bei Landwirten sowie in der kommerziellen Tierhaltung sehr gefürchtet.

Grüne Fliege Schadbilder

Maden
Maden

Tatsächlich sin die Schadbilder zunächst gar nicht als solche zu erkennen. Eine Grüne Fliege verursacht keine sichtbaren Schäden, zumindest solange nicht, wie sie keine Eier ablegt. Nach der Eiablage hingegen erkennt man ihre Anwesenheit. Spätestens jedoch, wenn die kleinen rosafarbenen Maden geschlüpft sind, lassen sich auch die Schäden erkennen, beispielsweise zerfressenes und kontaminiertes Fleisch.

Grüne Fliege bekämpfen – so geht´s

Damit sich erst gar keine Schmeißfliegen ansiedeln, sollten einige Kriterien beachtet werden, die eigentlich selbstverständlich sein sollten:

  • Keine Essensreste herumliegen lassen, auch keine Krümel
  • Auch Reste von Tiernahrung immer wegräumen
  • Haustierkäfige sowie Katzentoiletten regelmäßig säubern und reinigen
  • Schmutziges Geschirr umgehend abwaschen oder in Geschirrspüler stellen
  • Wenn Lebensmittel frei herumliegen müssen, sollten sie abgedeckt werden
  • Gründlich saubermachen, auch unter Küchengeräten
  • Hausmüll in den Sommermonaten täglich nach draußen bringen
Fliegenklatsche - bewährtes Instrument
Fliegenklatsche – bewährtes Instrument

Sind die Schmeißfliegen erst einmal im Haus, wird es schwierig, gegen sie vorzugehen. Insektizide helfen, jedoch häufig nur gegen adulte Tiere und nicht gegen Maden. Abgesehen davon sollten chemische Mittel nicht unbedingt in Wohnräumen oder gar der Küche eingesetzt werden und schon überhaupt nicht, wenn Haustiere anwesend sind. Die gute alte Fliegenklatsche ist zwar ein etwas umständliches Instrument, um lästige Insekten loszuwerden, jedoch ein wirksames.

Klebefallen?

Ob Fliegenbänder oder Lockstofffallen: es gibt verschiedene Klebefallen, die aufgestellt werden können, um Grüne Fliegen zu fangen. Abgesehen davon, dass der Anblick dieser Fallen alles andere als schön ist, erleiden die Tiere dort einen langsamen und qualvollen Tod. Auch Nützlinge können sich dort verirren und ebenfalls elendig sterben, so dass derartige Utensilien keine Option zur Vernichtung von Schmeißfliegen sein sollten.

Finger weg von UV-Lampen!

Im einschlägigen Handel werden UV-Lampen angeboten, die außen ein Stromgitter besitzen. Die Schmeißfliegen werden von dem Licht angelockt, fliegen gegen das Gitter und verglühen – so zumindest die Theorie. In der Praxis ist es jedoch so, dass diese Geräte häufig nicht so funktionieren, wie sie sollten:

  • Insekten verglühen nicht, sondern verbrennen lediglich ihre Flügel
  • Licht ist zu schwach, so dass keine oder nur wenige Insekten angelockt werden
  • Nicht nur Schädlinge, sondern auch Nützlinge verirren sich in dem UV-Licht

Im Freien ist es verboten, solche Lampen aufzustellen; im Haus zwar nicht, jedoch sollte aus oben genannten Gründen auf den Einsatz solcher Geräte zwingend verzichtet werden.

Übrigens: in Biotonnen sammeln sich gerade im Hochsommer häufig Maden an, aus welchen sich Fliegen entwickeln werden. Wie man diese bekämpfen kann, erfahren Sie in folgendem Video:

Vorbeugen ist besser als bekämpfen

So gerne Grüne Fliegen bestimmte Gerüche haben, so sehr verabscheuen sie andere. Zu diesen gehören unter anderem Nelken, Zitronen und Geranien. Diese Tatsache kann man sich zunutze machen und so verhindern, dass die Insekten ins Haus kommen:

  • Mit Nelken gespickte Zitronenscheiben auf die Fensterbänke legen
  • Geranien oder Tomaten in Blumenkästen auf Außenfensterbänken sowie Terrassen und Balkonen kultivieren
  • Mit Essig oder Pfefferminzöl getränkte Lappen an möglichen Eintrittspforten auslegen
  • Duftsäckchen mit Lorbeeren, Lavendel und Wacholder füllen
  • Fliegengitter an den Fenstern anbringen

Was ist noch interessant für Pflanzenfreunde?

Diese Fragen stellen Pflanzenfreunde häufig:

Wie lange lebt eine Grüne Fliege?

Die Lebenserwartung ist abhängig von der jeweiligen Umgebung. Grundsätzlich wird jedoch davon ausgegangen, dass die Schmeißfliegen maximal zwei Monate lang leben.

Was hilft am besten gegen Fliegen?

Die kleinen Insekten mögen keine ätherischen Öle. Werden diese nun an jenen Stellen verteilt, an denen die Fliegen ins Haus hineinkommen können, wirken sie abschreckend.

Warum sind Florfliegen nützlich?

Die filigranen Insekten ernähren sich von Blattläusen und verzehren sie in großen Mengen. Sie werden teilweise sogar extra gezüchtet, um dann für die natürliche Schädlingsbekämpfung eingesetzt zu werden.

 

Symbolgraphiken: © paulrommer – stock.adobe.com; JJ Gouin – stock.adobe.com; Alekss – stock.adobe.com; Victor – stock.adobe.com; Kirill Gorlov – stock.adobe.com; Michael Eichhammer – stock.adobe.com


• 8. September 2021 • Kategorie: Tiere & Natur

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Du kannst unter Pseudonym kommentieren. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Ja, ich habe die Datenschutzerklärung gelesen.