Bernsteinschabe – Schädling oder Nützling? So erkenne ich sie

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Bernsteinschabe
Bernsteinschabe

Obwohl sie ursprünglich aus wärmeren Regionen stammt, ist die Bernsteinschabe in den vergangenen Jahren aufgrund von Klimaveränderungen immer häufiger in heimischen Gärten anzutreffen. Obwohl sie völlig harmlos ist, verursacht ihre Anwesenheit manch einem Hobbygärtner einen großen Schrecken: die Ähnlichkeit mit den nicht gerade beliebten Küchenschaben ist nicht abzustreiten. Wie sich die beiden Insekten unterscheiden lassen und was es sonst über den Gartenbewohner zu wissen gibt, haben wir für Sie zusammengefasst.

Kurz & knapp

  • Bernsteinschaben gehören zur Familie der Waldschaben
  • Ursprünglich aus Südeuropa stammend, haben sie sich inzwischen auch in Deutschland angesiedelt
  • Im Gegensatz zu der Deutschen Schabe ist diese Spezies kein Schädling, sondern ein Nützling und sollte demzufolge nicht bekämpft werden
  • Anhand einiger Merkmale ist eine Unterscheidung der beiden Arten gut möglich
  • Da sie für die Bodenverbesserung unerlässlich sind, sollte ein Garten möglichst naturnah gestaltet werden, um den Insekten einen Lebensraum zu schaffen

Allgemeine Informationen über die Bernsteinschabe

Die Bernsteinschabe, Ectobius vittiventris, gehört zur Familie der Waldschaben. Sie ist ursprünglich in Südeuropa beheimatet, da sie es gerne warm hat. Seit einigen Jahren jedoch sind immer mehr dieser Insekten über die Alpen zu uns nach Deutschland gekommen, da aufgrund der Klimaerwärmung die Temperaturen auch hier gestiegen sind.

Merkmale

Waldschabe
Waldschabe

Auffällig ist der schlanke Körperbau: die bis zu 14 mm lange Schabe wirkt grazil und elegant. Verstärkt wird dieser Eindruck noch von den Fühlern, die fast ebenso lang wie der gesamte Körper sind. Der Leib ist hellbraun gefärbt und erinnert von der Farbgebung und vom Schimmern her an Bernstein, wodurch auch die Bezeichnung erklärt ist.

Die zarten Flügel, die nicht nur der Dekoration gelten, sondern voll benutzbar sind, überragen den Hinterleib. Sie können kleine Pünktchen aufweisen, jedoch niemals große, dunkle Flecken. Der Nackenschild ist ebenfalls braun und kann an den Rändern leicht transparent sein.

Verbreitung

Die Heimat der kleinen Bernsteinschabe ist das Gebiet südlich der Alpen. Die warmen Regionen Südeuropas bieten ihr den Lebensraum, die sie zur Vermehrung benötigt. Aufgrund der Tatsache, dass sich auch nördlich der Alpen das Klima immer weiter erwärmt, haben sich die Insekten vor etwa 20 Jahren auf den Weg nach Mitteleuropa gemacht. Zunächst wurde ihre Population in Bayern und Baden-Württemberg festgestellt, inzwischen auch in den meisten anderen Landesteilen.

Übrigens: Auch in unseren Nachbarländern Österreich und der Schweiz sind die Bernsteinschaben mittlerweile anzutreffen.

Entwicklungsstadien der Bernsteinschabe

Leider ist es so, dass Waldschaben noch nicht komplett erforscht sind. Besonders zum Thema Entwicklung sowie Lebensdauer gibt es noch keine fundierten Erkenntnisse. Auch weiß man bedauerlicherweise nicht, wie viele Eier ein Weibchen in einem Jahr beziehungsweise im Laufe ihres Lebens legt. Folgende Informationen basieren lediglich auf Vermutungen von Naturwissenschaftlern beziehungsweise aus Erfahrungen, die mit anderen Waldschaben-Arten gemacht worden sind.

Nach der Paarung entwickeln sich Eier, die jedoch nicht einfach abgelegt, sondern von den Weibchen in sogenannten Eipaketen mit sich herumgeschleppt werden. Ab dem Spätsommer bis in den Herbst hinein ist dieses Phänomen zu beobachten. Dann werden sie an einem ruhigen, warmen Ort abgelegt und überwintern dort. Im folgenden Frühjahr schlüpfen die Larven. Sie häuten sich mehrmals und überwintern ein zweites Mal. Erst im darauffolgenden Jahr – nach der letzten Häutung – ist die adulte Bernsteinschabe entstanden.

 

Übrigens: Je wärmer es ist, desto schneller und intensiver vermehren sich die Bernsteinschaben!

Lebensweise

In freier Natur leben die kleinen Schaben überwiegend in Büschen sowie an Waldrändern. Kleine Sträucher sind ihr liebstes Revier, weswegen sie sich auch in Hausgärten heimisch fühlen.

Sie ist sowohl tag- als auch dämmerungsaktiv.

Ernährung

Bernsteinschaben ernährten sich früher ausschließlich von Nahrung, welche sie am Waldboden gefunden hat: abgestorbenes Pflanzenmaterial. Inzwischen hat sie ihre Ernährung jedoch dahingehend umgestellt, dass sie sich von jeglichen abgestorbenen Pflanzenteilen leben kann. In heimischen Gärten findet sie davon im Allgemeinen genug, so dass es nicht weiter verwunderlich ist, dass sie dort neue Habitate bezogen haben.

Ist die Bernsteinschabe ein Schädling?

Die kleine Schabe macht nichts, weswegen sie als Schädling bezeichnet werden könnte. Sie ernährt sich weder von frischen Pflanzenteilen noch überträgt sie Krankheiten. Auch sticht und beißt sie nicht.

Oder ein Nützling?

Da sich die Waldschaben von abgestorbenen Pflanzenteilen ernähren, bilden sie durch deren Ausscheidungen Humus. Nicht umsonst werden sie deswegen gerne als „oberirdische Regenwürmer“ bezeichnet. Für die Bodenverbesserung sind sie deswegen ebenso nützlich wie die unterirdisch lebenden Würmer.

Giftig für Menschen?

Waldschaben sind nicht giftig. Sie können unbesorgt angefasst werden – falls sie sich das gefallen lassen und nicht schnell wegfliegen. Allergische Reaktionen auf die Insekten sind ebenfalls nicht bekannt.

Auch besteht keinerlei Gefahr, dass Waldschaben Krankheiten übertragen. Küchenschaben hingegen kommen viel mit Abfall, Essensfesten und ähnlichem in Kontakt, so dass sie potenzielle Überträger von Pilzen, Bakterien, Viren und anderen Keimen sind, welche wiederum Krankheiten verursachen können. Auch treten gelegentlich Allergien auf, wenn sich die Küchenschaben häuten und empfindliche Personen mit den Hautresten in Berührung kommen.

Für Tiere?

Hunde und Katzen kommen gelegentlich in Versuchung, die hübsch anzusehenden Schaben zu jagen. War die Jagd erfolgreich, wird die Beute verzehrt – ganz so, wie es große Jäger halt machen. Eine gesundheitliche Gefahr besteht dabei nicht. Bernsteinschaben sind weder giftig für Tiere noch können sie bei ihnen irgendwelche Krankheiten hervorrufen.

Dennoch sollte man als verantwortungsvoller Tierhalter ein wenig aufmerksam sein: wenn es sich bei der erbeuteten Schabe um eine Küchenschabe handelt, sollte sie möglichst nicht gegessen werden – ähnlich wie bei Menschen können sie unter Umständen auch bei Tieren zu Gesundheitsstörungen führen.

Bernsteinschabe – Kakerlake Unterschied

Aufgrund der Ähnlichkeit mit der Küchenschabe – auch als Gemeine Schabe bekannt -geraten viele Menschen in Panik, wenn sie eine Bernsteinschabe sehen. Dies ist besonders dann der Fall, wenn sich das kleine Insekt in Wohnräume verirrt hat. Selbst, wenn der gesunde Menschenverstand vor Schreck kurzzeitig ausgeschaltet ist, so sind dennoch einige Unterschiede zwischen den beiden Arten zu erkennen. In diesem Zusammenhang sollten auch die Kakerlaken erwähnt werden. Echte Kakerlaken ähneln optisch den Schaben gar nicht so sehr, werden jedoch auch als Orientalische oder Deutsche Schabe bezeichnet. Interessanterweise haben diese Tierchen es geschafft, dass ihre Bezeichnung im Allgemeinen für Schaben verwendet wird.

Deutsche Schabe Bernsteinschabe Orientalische Schabe, (Kakerlake)
Größe 1,5 cm 10 – 15 mm 3 cm
Farbe hell – dunkelbraun hellbraun (bernsteinfarben) schwarz
Nackenschild transparent bis dunkelbraun mit zwei dunklen Streifen hellbraun, am Rand transparent schwarz
Flugfähig nein ja nein
Besonderheiten nachtaktiv tag- und dämmerungsaktiv läuft bis zu 5 km/h
Vorratsschädling ja nein ja

Befindet sich solch ein Tierchen im Haus, ist eine Identifikation auch anhand ihres Benehmens möglich: während sich die Küchenschaben umgehend verstecken, sobald das Licht angemacht wird, ist das bei den bernsteinschaben überhaupt nicht der Fall. Vielmehr werden sie etwas unbeholfen über den Boden krabbeln, wo sie gut eingefangen werden können.

In folgendem Video erklärt ein professioneller Kammerjäger sehr gut verständlich die Unterschiede zwischen den beiden Spezies:

Muss ich die Bernsteinschabe bekämpfen?

Meistens ist es so, dass Schaben bei Menschen Ekel hervorrufen. Dabei ist es unerheblich, ob es sich um Vorratsschädlinge oder nützliche Tierchen handelt. Die erste Reaktion ist häufig: Latschen nehmen und auf das Tierchen einschlagen. Dies ist jedoch insofern schade, als dass eine derartige Bekämpfung bei keiner Schabenart sinnvoll ist: eine Bernsteinschabe muss man überhaupt nicht vernichten; eine Küchenschabe wiederum kommt selten alleine, so dass ein totes Tier einen möglichen Befall immer noch nicht gestoppt hat. Wer eine Schabe in seinem Haus oder Garten sieht, sollte zunächst einmal Ruhe bewahren und versuchen, sie genau zu identifizieren.

Im Garten?

Kein Insekt, welches sich im Garten aufhält, sollte bekämpft werden – Fraßschädlinge einmal ausgenommen. Wenn die entdeckte Schabe zu den Waldschaben gehört, sollte man sich glücklich schätzen. Dass sich eine Küchenschabe ins Freie verirrt, kann nur ein Versehen sein, da sie dort nicht leben. Eine genaue Beobachtung der Umgebung kann jedoch nicht schaden: es ist möglich, dass sich das Tierchen gemeinsam mit der kompletten Sippschaft gerade auf den Weg macht, um durch Ritzen und Spalten ins Haus zu gelangen. Wurde sie dabei inflagranti erwischt, ist eine Bekämpfung angebracht.

Im Haus?

Schaben im Haus
Schaben im Haus

Licht zieht Waldschaben magisch an. Kein Wunder also, dass sie gelegentlich ins Haus kommen. Mit etwas Glück wird sie dort auch wieder verschwinden; sinnvoll ist es, das Fenster offen zu lassen, Licht auszumachen und gegebenenfalls im Garten für Beleuchtung zu sorgen. Alternativ kann die kleine Schabe auch mit dem alten Trick hinausbefördert werden: Glas über sie stülpen, vorsichtig ein Stück Papier unter das Glas schieben und das Insekt ins Freie bringen. Keinesfalls sollte Chemie angewendet werden! Zum einen haben Pflanzenschutzmittel nichts in geschlossenen Räumen zu suchen, zum anderen wäre es der Bernsteinschabe gegenüber unfair, sie einfach zu töten.

Gartenbista-Tipp: Die Überlebenschancen der Waldschaben sind in geschlossenen Räumen sehr gering; nach einigen Tagen versterben sie von ganz alleine.

So halte ich die Schaben aus Wohnräumen fern

Auch, wenn die kleinen Tierchen keine Schäden anrichten: in Wohnräumen möchte man sie nicht unbedingt haben. Damit sie gar nicht erst kommen, können einige Methoden angewendet werden:

  • Fenster und Türen möglichst geschlossen halten – vor allem, wenn es draußen bereits dunkel ist und drinnen Licht brennt
  • Insektenschutzgitter an den Fenstern anbringen

Kommen immer wieder Bernsteinschaben ins Haus, können ätherische Öle Abhilfe schaffen: Nelken- sowie Pfefferminzöl ist für menschliche Nasen angenehm, wirkt jedoch abschreckend auf die ungebetenen Gäste.

Aus dem Garten

Abgesehen davon, dass es keinen Grund dafür gibt, ist es recht schwierig, Waldschaben vom Grundstück komplett fernzuhalten. Man kann jedoch versuchen, sämtliche Voraussetzungen für eine Besiedelung abzuschaffen, jedoch ist es recht unwahrscheinlich, dass dies gelingen wird.

Dazu gehört in erster Linie, das Grundstück von Laub und anderem verrottenden Material freizuhalten. Ist kein organisches Pflanzenmaterial vorhanden, so entfällt die Lebensgrundlage für die Nützlinge. Allerdings nicht nur für sie, sondern auch für viele andere Gartenbewohner, was man immer bedenken sollte.

Gartenbista-Tipp: Wenn man so wenig Bernsteinschaben wie möglich auf seinem Grundstück haben möchte, sollte man möglichst sämtliches Efeu entfernen, da dieses von den kleinen Tierchen bevorzugt aufgesucht wird!

Waldschabe im Garten ansiedeln

Amseln helfen dabei, eine Überpopulation zu vermeiden
Amseln helfen dabei, eine Überpopulation zu vermeiden

Jeder Gartenbesitzer kann sich glücklich schätzen, wenn auf seinem Grundstück Bernsteinschaben wohnen. Im Allgemeinen muss man nichts dafür tun – sie kommen von ganz alleine, vor allem dann, wenn folgende Voraussetzungen gegeben sind:

  • Sonnige, lichtdurchflutete Stellen
  • Warmer Boden
  • Niedrige Sträucher

Dennoch gibt es die Möglichkeit, den Garten noch attraktiver für die nützlichen Helfer zu machen, indem ihr bevorzugter Lebensraum geschaffen wird.

Lebensraum schaffen

  • Liegt Laub unter den Sträuchern, so ist dies bereits eine Einladung für die nützlichen Insekten
  • Ein Komposthaufen dient nicht nur als Speisekammer, sondern auch als Unterschlupf an kalten beziehungsweise frostigen Tagen
  • Efeuranken werden bevorzugt besiedelt

Wer solch ein Paradies für Waldschaben geschaffen hat, braucht sich nicht zu wundern, wenn sie bald in rauen Mengen vorhanden sind. Die Gefahr einer Überpopulation besteht zwar nicht unbedingt, da die kleinen Insekten einige Freßfeinde haben. Es kann allerdings nicht schaden, diese ebenfalls in den Garten zu locken, um das ökologische Gleichgewicht zu erhalten. Zu den Feinden gehören:

  • Spinnen
  • Gartenvögel wie Amseln und Drosseln

Auch Reptilien essen ganz gerne mal die eine oder andere Schabe; es ist jedoch eher unwahrscheinlich, dass hierzulande eine Schildkröte oder ein Gecko angelockt werden kann…

Für die Freßfeinde sollten Plätze geschaffen werden, an denen sie sich wohl fühlen und leben können. Dazu gehören:

  • Blumenrabatten mit heimischen Pflanzen
  • Dichte Hecken
  • Gartenteich
  • Totholzhaufen
  • Trockenmauern

Was ist noch interessant für Naturfreunde?

Diese Fragen stellen Naturfreunde häufig:

Kann die Bernsteinschabe fliegen?

Während die Kakerlaken ihre Flügel lediglich zum Flattern sowie zum Abbremsen des freien Falls benutzen, können die Waldschaben fliegen.

Vermehren sich Bernsteinschaben in der Wohnung?

Es sind keine Fälle bekannt, in denen eine Waldschabe eine Wohnung zur Eiablage genutzt hat. Wenn sie sich in ein Haus verirren, dann ist dies tatsächlich ein Versehen. Die kleinen Insekten setzen alles daran, schnellstmöglich wieder in ihr gewohntes Umfeld zu gelangen, und werden sich ganz sicher kein Nest bauen. Anders hingegen die Kakerlaken, die bevorzugt ihre Eier in Ritzen, Nischen und anderen kleinen Öffnungen ablegen.

Woher kommen Schaben ins Haus?

Waldschaben kann es versehentlich passieren, dass sie im Flug durch ein Fenster oder durch eine geöffnete Tür in ein Gebäude gelangen. Kakerlaken hingegen krabbeln zwar auch durch diese, jedoch schlüpfen sie auch gerne durch Spalten oder Ritzen ins Innere des Hauses. Auch schleppt man gelegentlich vom Einkaufen die Schädlinge beziehungsweise deren Eier nach Hause. Sie sitzen in oder an Lebensmitteln und gelangen so ungehindert dorthin, wo sie sich wohl fühlen: in die Küche.

 

Symbolgraphiken: © Karin Jähne – stock.adobe.com; photophlox – stock.adobe.com; RHJ – stock.adobe.com; Irina K. – stock.adobe.com; Micha Trillhaase – stock.adobe.com


• 20. Januar 2021 • Kategorie: Tiere & Natur

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