Urheberrecht: Rezepte veröffentlichen

Rezepte veröffentlichen - Das sollte man wissen.
Rezepte veröffentlichen – Das sollte man wissen.

Wer hat‘s erfunden? Fragt werbeträchtig der Hersteller eines Kräuterbonbons und meint dabei natürlich die Rezeptur. So eindeutig wie in diesem Fall ist das Urheberrecht aber selten, wenn es um Rezepte geht. Denn viele Rezepte stammen aus Überlieferungen und sind über die Jahrhunderte zigmal abgewandelt, neu kreiert oder schlicht unverändert und ohne Herkunft übernommen worden. Dennoch schwingen sich gerade im Zeitalter des Internets viele Nutzer auf, diese Darstellungen mit ihrem Urheberrecht zu versehen und andere Angebote im weltweiten Netz wegen ihrer Ähnlichkeit abmahnen zu lassen. Doch was muss man eigentlich beim Rezepte veröffentlichen beachten.

Rezepte veröffentlichen: Ab wann besteht Urheberrecht?

Gerade auf dem Gebiet der Rezepte werden viele gerichtliche Schlachten geschlagen. Dabei gibt es schon seit über hundert Jahren ein sehr praktikables Kriterium, nach dem sich das Urheberrecht an einer Rezeptur bestimmen lässt. Kreiert hat diesen Maßstab das Reichsgericht in einem Urteil vom 18.12.1912, das noch heute als Grundsatzurteil betrachtet wird.

Darin wird festgestellt, dass auch Kochrezepte als Schriftwerke urheberrechtlichen Schutz genießen können, soweit sie über eine bestimmte „Schöpfungshöhe“ oder „Gestaltungshöhe“ verfügen, die durch eine individuelle geistige Tätigkeit hervorgebracht worden ist.

Unser Buch-Tipp: Stimmt’s oder hab ich Recht?: Welche Gesetze Sie unbedingt kennen müssen, um nicht für dumm verkauft zu werden

Alles, was dem nicht genügt, ist frei nutzbares Allgemeingut. Denn die simple Aufzählung von Zutaten oder die Aneinanderreihung einfacher Tätigkeiten der Zubereitung, erfüllen die Kriterien der Begründung eigenen Urheberrechts demnach nicht.

  • Die Nutzung,
  • Kopie
  • und Verbreitung

steht also jedem frei, ohne dass eine Abmahnung dies sanktionieren könnte. Dabei geht es aber allein um die textliche Darstellung. Bilder von Rezepten unterfallen diesen Kriterien nicht. Hier genießt der Fotograf oder der Rechteinhaber am Bild den kompletten Schutz. 

So wird man Urheber von Rezepten

copyright für Rezepte
Copyright für Rezepte nur durch kreative Leistung.

Wer sich also die Mühe machen will, ein allgemein bekanntes Rezept mit seinen eigenen Worten,Vorstellungen und Erfahrungen auf eine noch nicht vorhandene kreative Stufe zu heben, der schafft ein eigenes Werk. Daran kann er oder sie hiernach auch das Recht begründen, Urheber zu sein.

Erreicht die Darstellung allerdings keine sich von anderen Darstellungen abhebende Schöpfungshöhe, so ist auch das selbst verliehene Copyright völlig unbeachtlich. Der Vermerk selbst kann kein Urheberrecht begründen. Ein Copyright ist nur von rechtlicher Bedeutung, wenn das Rezept durch eigene kreative Leistung zur eigenen Rezeptvariation geworden ist.

Gartenbista-Tipp: Was für Kochrezepte gilt, das hat auch für Getränke, kalte Speisen, Tinkturen und ähnliche Dinge rechtliche Bedeutung. Deshalb wird beispielsweise die Rezeptur einiger Getränke besser bewacht als die Betriebe der Hersteller selbst.

Textquelle: Ralph Kaste

Symbolgrafiken: © Rcfotostock, Adem Percem – Fotolia.com


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