Muss man als Nachbar Pakete annehmen?

Als Nachbar Pakete annehmen ist keine Pflicht.
Als Nachbar Pakete annehmen ist keine Pflicht.

Die sogenannte Ersatzzustellung ist im Grunde nicht verwerflich, im allgemeinen wird dies als Freundschaftsdienst unter Nachbarn angesehen. Schließlich wird die Paketflut in Deutschland immer größer und nur noch selten ist der Empfänger persönlich anzutreffen. Mit der Ersatzzustellung beim Nachbarn wird der Paketzusteller die Sendung schnell los. Dabei spart sich der Empfänger außerdem nach der Heimkehr den Weg zur nächsten Filiale. Doch muss man als Nachbar Pakete annehmen?

Widerspruchsrecht – Muss man als Nachbar Pakete annehmen?

Doch auch hierbei kann einiges schiefgehen, was nicht nur den Nachbarfrieden gefährdet. Ohne ausdrückliche Einwilligung des Absenders darf eine Sendung nur an den Empfänger selbst zugestellt werden. Viele Dienstleister haben aber in ihren Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) festgelegt, dass Sendungen auch an Nachbarn ausgeliefert werden dürfen. Der Begriff Nachbar ist allerdings rechtlich nicht eindeutig definiert und deshalb umstritten.

  • Allgemein gilt für ein Mehrfamilienhaus, dass alle übrigen Hausbewohner als Nachbarn angesehen werden.
  • In Hochhaussiedlungen sind das nur noch die Mitbewohner auf der selben Etage
  • und in der Reihenhaussiedlung lediglich die Bewohner der direkt angrenzenden Grundstücke.

Wer aber von vornherein eine Ersatzzustellung nicht wünscht, dem steht ein entsprechendes Widerspruchsrecht schon bei der Bestellung zu. 

Darauf sollte man achten!

Verantwortlich ist meistens der Absender.
Verantwortlich ist meistens der Absender.

Im umgekehrten Fall besteht natürlich keinerlei Verpflichtung, fremde Sendungen annehmen zu müssen. Erbarmt man sich aber und nimmt Pakete für andere Mitmenschen an, dann muss man sie anschließend dem jeweiligen Empfänger auch aushändigen und zwar unverzüglich.

Im deutschen Recht ist die Unverzüglichkeit definiert als ein Handeln ohne schuldhaftes Zögern. Nimmt man fremde Sendungen an und verreist für längere Zeit, ohne vorher die Sendungen abzugeben, kann das eine Schadensersatzpflicht begründen.

Denn in der verwahrten Sendung kann sich verderbliche Ware befinden, ein wichtiges Detail eines geschäftlichen Auftrags oder andere Dinge, die dringend erwartet werden. Ähnlich verhält es sich, wenn die Sendung bei der Aufbewahrung abhanden kommt, beschädigt oder zerstört wird. Die Unsitte, das Paket einfach vor die Tür des Empfängers zu legen, ist also unbedingt zu unterlassen.

So lange die Sendung den Empfänger nicht erreicht hat, muss dieser bei Verlust oder Beschädigung diese auch nicht bezahlen. Wenn der Besteller im Voraus bezahlt hat und die Sendung ihn nicht erreicht, hat er einen Anspruch auf Rückerstattung der bezahlten Summe.

Wer regelt aufkommende Problemfälle?

Noch so eine Unsitte ist es, dass Paketdienstleister die Benachrichtigungszettel für Ersatzzustellungen im Hausflur des Mehrfamilienhauses oder gar ihm Außenbereich sichtbar anheften. Theoretisch kann mit dieser Benachrichtigung jeder Fremde versuchen, die betreffende Sendung auch abzuholen.

Nimmt man also selbst eine Sendung für einen Nachbarn an, den man nicht persönlich kennt, sollte man sich bei der Abholung immer den Ausweis zeigen lassen. In kleinen Shops, die sich auf die Annahme von Paketen spezialisiert haben, ist das inzwischen ohnehin zwingend notwendig.

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Gartenbista-Tipp: Im Übrigen gilt, dass eine Sendung, die den ursprünglichen Empfänger nicht erreicht, ein Problemfall des Absenders ist. Er muss sich um den Verbleib der Sendung kümmern und notfalls auch die Haftungsfragen regeln.

Textquelle: Ralph Kaste

Symbolgrafiken: © Narong Jongsirikul, Aberenyi – Fotolia.com


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