Der Placebo Effekt und seine Wirkung

Placebo-Effekt
Placebo Effekt

Lange Zeit betrachteten Wissenschaftler den Placebo Effekt als überaus lästige Erscheinung. Placebos nennt man Scheinmedikamente, die keinen speziellen Wirkstoff enthalten, um eine Krankheit zu behandeln. Meist handelt es sich bei ihnen um völlig harmlose Zuckerpillen und Kochsalzlösungen. Dennoch können sie wie echte Medikamente die Krankheitssymptome deutlich bessern, soweit der Patient an ihre Wirksamkeit glaubt.

Ist der Placebo Effekt erfolgreich?

Ging man deshalb in früheren Jahren von bloßer Einbildung aus, so ist heute bewiesen, dass der Placebo Effekt ein messbarer neurobiologischer Vorgang ist. So können Placebos bei Schmerzpatienten unter bestimmten Bedingungen im zentralen Nervensystem zu einer Ausschüttung von Endorphinen führen. Diese lindern die Schmerzen.

Ähnliche Effekte wurden auch bei Erkrankungen mit Parkinson beobachtet. Durch verabreichte Placebos nebst Versprechen der Besserung, wurde der Dopamin-Ausstoß bei den Patienten deutlich erhöht. Dies bewirkt eine deutliche Verbesserung der Motorik. Dass derlei Wirkungen auch bei organischen Erkrankungen zu erzielen sind, das wurde bereits erprobt. Worauf diese Wirkung zurückzuführen ist, lässt sich aber noch nicht zweifelsfrei erklären. 

Der Einsatz von Placebos

Seit einigen Jahren wird nun erforscht, wie man mit Hilfe solcher Scheinmedikamente

  • Kosten sparen,
  • Nebenwirkungen verhindern
  • und Patienten das Leben deutlich erleichtern kann.
Placebo-Effekt
Placebo Effekt

Doch der Einsatz von Placebos ist nicht unumstritten. In Deutschland gilt zwingend die ärztliche Aufklärungspflicht. Jedem Patienten muss also der Ablauf seiner Behandlung verständlich erklärt werden. Schließlich kann nur der Patient selbst über die Vorgänge entscheiden, die seinen Körper betreffen.  Also muss er im Vorfeld auch wissen, ob er ein Placebo erhält. Angeblich wirken diese dann aber trotzdem.

Eine versteckte Placebo-Gabe wird dagegen für Erkrankungen in Erwägung gezogen, für die es keine bessere Behandlungsmöglichkeit gibt oder zur Verfügung stehende Medikamente mehr Nebenwirkungen verursachen als Nutzen. Dass ein vertrauensvolles Verhältnis zwischen Arzt und Patient besteht, ist auch hier von immenser Bedeutung.

Was ist das Nocebo-Phänomen?

Der Placebo Effekt hat nämlich auch einen weniger bekannten, dafür aber bösen Zwilling: das Nocebo-Phänomen. Es kann dafür sorgen, dass Patienten Nebenwirkungen verspüren, die gar nicht da sind.

Ausgelöst wird der Nocebo-Effekt beispielsweise dadurch, dass Patienten

  • Ängste
  • oder negative Erwartungen

an eine Behandlung haben. Sie reden sich von vornherein ein, dass sie ein bestimmtes Medikament nicht vertragen werden. Da der Nocebo-Effekt leichter zu erzeugen ist als ein Placebo Effekt, müssen die positiven Aspekte in der ärztlichen Beratung deutlich im Vordergrund stehen. Zukünftig soll es auch möglich sein, dass Patienten vorab eine Entscheidung darüber treffen, ob sie über weniger häufige Nebenwirkungen überhaupt eine Aufklärung wünschen.

Textquelle: Ralph Kaste

Symbolgrafiken: © Nikesidoroff, Andriano_cz – Fotolia.com


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