Bio Siegel & Zertifikate

Regionalität als Alternative zu Bio-Produkten.
Regionalität als Alternative zu Bio-Produkten.

Bio ist in der Breite der Gesellschaft angekommen, eine Nische wird hier schon lange nicht mehr bedient. Wissenschaftlich bewiesen ist die Überlegenheit von diesen Produkten bisher allerdings nicht.  Ein Argument pro Bio ist dagegen gesichert: In den Produkten finden sich nahezu keine Rückstände von Pestiziden. Die Nachfrage steigt ständig, die Zahl der Märkte wächst in rasantem Tempo, auch Bio-Supermärkte gehören inzwischen zum Standardangebot moderner Städte. Weder die Größe der Anbauflächen noch die Zahl der Betriebe halten hierzulande Schritt mit dem Wachstum des Marktes. Doch was steckt wirklich hinter den Bio Siegel & Zertifikaten?

Das Sortiment der Supermärkte

In den Supermarktregalen liegt daher zunehmend viel Importware. Jede zweite Biomöhre und jeder zweite Ökoapfel, die hierzulande verkauft werden, stammen aus dem Ausland. In Deutschlands Supermärkten wird immer alles zu jeder Zeit angeboten: Erdbeeren aus Kalifornien und Äpfel aus Neuseeland, Bohnen und Kartoffeln aus Afrika. Das alles gibt es auch noch in Bio.

Bio Siegel & Zertifikate

Zwar kaufen Verbraucher heute schon deutlich bewusster ein, doch das reichhaltige Angebot und ein Wirrwarr an Siegeln und Zertifikaten verunsichert viele. So gibt es das deutsche und das europäische Siegel, es gibt die Stempel von Anbauverbänden wie Bioland, Demeter und Naturland.

Und es gibt zusätzlich die Siegel von Handelsketten, wie

  • BioBio
  • oder Alnatura.

Doch genau das ist ein Problem für den Verbraucher. Für jede Kennzeichnung gelten unterschiedliche Richtlinien. Das macht die Sache für den Käufer unübersichtlich. Zumal die Anforderungen der einzelnen Zertifikate zum Teil deutlich auseinandergehen.

Bedingungen für Bio Siegel

Landwirte verbrauchen viel Co2.
Landwirte verbrauchen viel Co2.

Die strengsten Bedingungen stellen die Anbauverbände, wenn auch in abgestufter Form. Den Mindeststandard bekommt der Kunde mit dem europäischen Bio Siegel, dargestellt als grünes Blatt aus kleinen Sternchen und mit dem deutschen Bio Siegel, einem grünen Sechseck mit der Aufschrift Bio. Die jeweiligen Standards legt die EU-Öko-Verordnung fest. Und die lässt zur Überraschung vieler Kunden sogar Zutaten aus konventionellem Anbau zu.

Gartenbista-Tipp: Nichts zu tun mit Bio haben im Übrigen Bezeichnungen wie „kontrollierter Vertragsanbau“ oder „natürliche Herstellung“.

Idee und Verantwortung

Doch nicht überall ist die Bio-Welt auch so in Ordnung, wie man das gerne glauben möchte. In Spanien, wo ein Großteil der deutschen Bio-Tomaten und Gurken herkommt, herrschen teilweise unzumutbare Arbeitsbedingungen. Doch weil der lokale Ökolandbau die Nachfrage nicht befriedigen kann, kommen inzwischen mehr als die Hälfte aller Bio-Produkte aus dem Ausland.

Sie müssen bis zum deutschen Verbraucher also viele tausend Kilometer zurücklegen,

  • was die CO2-Bilanz nicht gerade löblich beeinflusst.
  • Auch der Bewässerungsaufwand,

den Bio-Bauern in trockenen Regionen der Erde betreiben oder der Kühl- und Lagerungsaufwand zur ständigen Verfügbarkeit zeigen, das ursprünglich gut Gedachtes noch längst nicht ausgegoren ist.

Marktwachstum und veränderte Produktionsbedingungen bringen natürlich auch neue Herausforderungen mit sich. Dem müssen sich die Landwirte in Zukunft stellen, um ihre Ideale nicht völlig aus den Augen zu verlieren. Doch auch die Verbraucher sind gefragt, zukünftig mit ihrem Bedarf verantwortungsvoller umzugehen. Wer mit gutem Gewissen essen und genießen will, der muss sich auch mal selbstkritisch hinterfragen, ob man wirklich alles und zu jeder Jahreszeit braucht. 

Regionalität als Alternative

Genaueres Hinterfragen der Produkte ist wichtig.
Genaueres Hinterfragen der Produkte ist wichtig.

Vielfach wird bereits versucht, die Mängel und Schwächen der Branche für den deutlichen Anstieg bei der Nachfrage nach regionalen Produkten verantwortlich zu machen. Mehr als die Hälfte aller Verbraucher entscheidet sich bereits mehrmals im Monat für den Kauf regionaler Lebensmittel. Drei von vier Konsumenten sind sogar bereit, für regionale Erzeugnisse einen höheren Preis zu bezahlen.

Ganz oben auf dem regionalen Einkaufszettel stehen dabei

  • Eier,
  • Gemüse
  • und Obst,
  • aber auch Fleisch
  • und Milchprodukte.

Für viele Verbraucher ist es ein Gefühl von Identität, Produkte einer bestimmten Region zu konsumieren. Dabei hat die so beliebte Regionalität ebenfalls ein generelles Problem. Denn bisher fehlt es an einer eindeutigen Definition. Auch hier gibt es inzwischen eine schier unübersehbare Menge an Markennamen, Produktsiegel und auch Länderzeichen.

Im Supermarkt boomt die Werbung mit Hinweisen auf Lebensmittel mit regionalem Bezug. Dabei ist auf viele regionale Kennzeichnungen kein Verlass. Nur weil „regional“ draufsteht ist es noch lange nicht drin. Da der Begriff „regional“ gesetzlich noch nicht geregelt ist, kann jeder Erzeuger einen Heimatbezug behaupten und sein Produkt entsprechend kennzeichnen. Regional ist also kein Trend, der Produkte aus biologischem Anbau vom Markt verdrängt. Beide Formen in sinnvoller Kombination könnten sich in Zukunft aber durchaus sinnvoll ergänzen.

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Textquelle: Ralph Kaste

Symbolgrafiken: ©  Marylin Barbone, Thomas Aumann, Carola schubbel – Fotolia.com


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