Altweibersommer: So entstand der Name

Altweibersommer.
Altweibersommer.

Von Mitte bis Ende September gibt es fast jedes Jahr eine der schönsten und beständigsten Hochdruckwetterlagen über Mitteleuropa. In Schweden spricht man vom „Birgitta-Sommer“ und in Finnland von „ruska-aika“. Hierzulande nennt man dieses Naturereignis Altweibersommer.

Altweibersommer: Was ist das?

Ursache dafür ist jeweils ein Hoch über dem Festland Osteuropas, das trocken-kontinentale Luft in unsere Breiten  einströmen lässt. Typisch sind auch die morgendlichen Nebelfelder in den Fluss-Niederungen, die sich durch die noch ausreichend starke Sonneneinstrahlung vormittags auflösen.

Gartenbista-Tipp: Dieses schöne Hochdruckwetter kann durchaus auch bis in die ersten Oktobertage hinein anhalten.

Der Begriff Altweibersommer

In Wetterstatistiken ist diese Schönwetterperiode seit etwa 200 Jahren nachweisbar und in Bauernregeln sogar seit mehreren Jahrhunderten. Man spricht gemeinhin vom Altweibersommer. Seinen Namen hat diese Zeit von den die Luft durchziehenden, hauchdünnen Fäden, die einem beim Spaziergang oft über das Gesicht streifen. Die Luft scheint voll mit schwirrenden grauen Haaren.

Und nach den ersten kühlen Nächten tauchen in den Morgenstunden, durch den Tau sichtbar geworden, plötzlich überall zwischen Gräsern und Ästen aufgespannte Spinnennetze auf. Die Bezeichnung als Altweibersommer entstammt wohl dem Altdeutschen, wo man das Knüpfen von Spinnfäden als „weiben“ bezeichnete. 

Bezeichnungen in anderen Ländern

Der Altweibersommer tritt in Nordamerika fast zur gleichen Zeit auf. Er wird dort als „Indian Summer“ bezeichnet und ist berühmt für die prächtige Herbstfärbung der Laubbäume. In Schweden spricht man vom „Birgitta-Sommer“ und in Finnland von „ruska-aika“

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Spinnfäden als typisches Merkmal

Reißfeste Spinnfäden.
Reißfeste Spinnfäden.

Die Laubfärbung ist in vielen Gegenden Deutschlands natürlich auch eine Augenweide, ebenso das Aufsteigen morgendlichen Nebels in den Niederungen. Ein ausgedehnter Aufenthalt in der Natur kann im September zum echten Erlebnis werden. Natürlich auch der Spinnen wegen. Viele Jungspinnen begeben sich am Ende des Sommers auf Reisen. Dazu bedienen sie sich natürlich und praktisch ihrer Spinnfäden. Diese sind nicht nur sehr leicht, sondern auch extrem reißfest.

Die winzigen Jungspinnen erklimmen also einen hoch gelegenen Punkt im Gelände, strecken den Hinterleib empor und pressen dabei Spinnfäden aus ihren Spinnwarzen. Diese Seidenfäden werden vom Wind ergriffen, die Spinne löst ihren Griff und schon geht die Reise los, meist ins Ungewisse.

Sie erreichen damit unglaubliche Höhen von bis zu 4000 Metern und fliegen teilweise mehrere hundert Kilometer weit. Auf diese Art und Weise können Spinnen auch entfernte und schwierig zu erreichende Lebensräume schnell besiedeln. Der Nachteil dieser Methode liegt in der fehlenden Steuermöglichkeit. So endet die Reise jedes Jahr für Tausende von Spinnen irgendwo im Meer. Doch diese Verluste werden durch die hohe Nachwuchsrate der Tiere kompensiert. Ihre Fäden schwirren aber noch einige Zeit merklich in der Luft.

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Textquelle: Ralph Kaste

Symbolgrafiken: © P.E-Faivre, KPixMining – Fotolia.com


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