Wespennest entfernen: Welche Möglichkeiten gibt es?

Freihängendes Wespennest
Freihängendes Wespennest

Wespen sind ein wichtiger Bestandteil der Natur; sie gelten vielerorts als Nützlinge, weil sie Blattläuse, Mücken und andere kleinere Insekten fressen. Leben sie weit genug von Menschen entfernt, so stört sich niemand an ihrer Anwesenheit. Kritisch wird es nur, wenn sie sich menschlichen Anwesen nähern, was zum Beispiel noch dadurch gefördert wird, wenn Süßspeisen oder süße Früchte vorhanden sind. Wespen lieben derartige Nahrung; werden sie von dort vertrieben, neigen sie dazu sich zu wehren: sie stechen. Solch ein Stich ist nicht nur unangenehm und schmerzhaft, sondern kann für Allergiker auch verheerende Folgen mit sich bringen. Befindet sich in der Nähe eines Hauses ein Wespennest, so möchten die Eigentümer dieses gerne entfernen. Doch ist dies überhaupt gestattet? Welche Möglichkeiten zum Wespennest Entfernen gibt es?

Wespennest entfernen – Tipps von Gartenbista

Wespennest entfernen Tipps für Schnellleser

  • Friedliches Zusammenleben: sechs Meter Abstand zum Wespennest einhalten; ruhig bleiben; Nester nicht berühren oder in ihnen herumstochern
  • Beliebte Plätze: verlassene Erdbauten anderer Tiere; dunkle Hohlräume
  • Methoden zur Entfernung: Kammerjäger; Umweltschutzorganisation
  • Kammerjäger: Gift oder Kontaktgift
  • Kosten: abhängig von Erreichbarkeit des Nestes; 150,- € – 250,- €
  • Umweltschutzorganisation: Umsiedeln des Nestes
  • Kosten Umsiedeln: 30,- € – 100,- €; abhängig von Erreichbarkeit des Nestes
  • Alternativen: Insektennetz; Rohre; Abwarten
  • Rechtslage für Mieter: Vermieter muss zur Beseitigung des Wespennestes aufgefordert werden; Kosten trägt Vermieter
Deutsche Wespe beim Nestbau
Deutsche Wespe beim Nestbau

Wissenswertes über die Entstehung eines Wespennestes

Die bestehende Wespenkönigin besitzt eine Samentasche, mit deren Hilfe sie die Jungköniginnen begattet. Am Ende eines Sommers versterben sämtliche Wespen mit Ausnahme der Jungköniginnen. Sie verfallen in eine Art Winterstarre und verbringen den Winter in einem geschützten Unterschlupf.

Mit Beginn des Frühlings erwachen sie und wollen mit dem Eierlegen beginnen, wofür sie ein Nest benötigen. Um dieses bauen zu können, schabt die Wespenkönigin Holzfasern von Brettern oder Holzpfählen, vermischt diese mit ihrem Speichel und erlangt so das für ihren Nestbau benötigte Material. Nun werden ordentliche Waben gebaut, in die die ersten Eier abgelegt werden. Sind die ersten jungen Wespen geschlüpft, müssen diese das Nest weiter ausbauen; die Königin kann sich dadurch ihrer eigentlichen Aufgabe widmen: dem Eierlegen.

So wird im Laufe des Sommers das Nest immer größer, während auch die Anzahl der Wespen steigt. Neigt sich der Sommer dem Ende zu, versterben die Insekten wiederum; nur die neuen Jungköniginnen bleiben am Leben.

Das mühsam, errichtete Nest ist nun unbewohnt und wird es auch bleiben – verlassene Nester werden nicht erneut besiedelt.

Zusammenleben von Wespen und Menschen

Theoretisch können Menschen und Wespen in friedlicher Symbiose miteinander leben; in der Praxis ist dies leider häufig nicht möglich. Der Grund ist in dem sensiblen Nervenkostüm der Insekten zu finden: Wespen fühlen sich immer und überall angegriffen. Werden sie von ihrem Essen vertrieben, werten sie dies als Attacke und greifen den Störenfried an. Nähert man sich zu sehr ihrem Nest, sehen sie auch darin einen Angriff und gehen somit zum Gegenangriff über. Gerät man versehentlich in ihre Flugbahn, wittern sie ebenfalls einen Affront.

Wespenstiche sind sehr schmerzhaft. Auch gibt es viele Menschen, die auf das Gift der Insekten allergisch regieren und demzufolge noch größere Angst vor einer Kollision mit Wespen haben. Leider reagieren viele von ihnen völlig falsch: anstatt ruhig zu bleiben, wedeln sie wild mit den Armen, schlagen nach den Insekten oder versuchen, sie zu erschlagen. In der Regel führt dieses Verhalten nicht dazu, dass die Wespen verängstigt das Weite suchen; das Gegenteil ist der Fall: sie werden noch aggressiver und stechen erst recht, weil sie sich wehren möchten. Um friedvoll nebeneinander her leben zu können, sollten folgende Tipps beherzigt werden:

  • Mindestens sechs Meter Abstand zu Wespennestern einhalten
  • Keine hektischen Bewegungen machen, um Wespen zu vertreiben
  • In den Wespennestern nicht herumstochern
  • Nester nicht schütteln
Wespennest einer Gemeinen Wespe
Wespennest einer Gemeinen Wespe

Beliebte Plätze für Wespennester

Wird von „den Wespen“ gesprochen, so handelt es sich dabei um die einzigen beiden Wespenarten, die hierzulande heimisch sind und eine Gefahr für Menschen darstellen können:

  • Deutsche Wespe
  • Gemeine Wespe

Während erstere graue Nester bauen, sind jene der Gemeinen Wespen beigefarben.

Diese Arten suchen sich Plätze aus, die sehr geschützt sind, um dort ihre Nester zu bauen, und zwar sowohl unterhalb als auch über der Erde:

  • Dunkle Hohlräume am Gebäude
  • Fenstersturz
  • In hohlen Baumstämmen
  • Rolladenkästen
  • Unter Terrassendielen
  • Verlassene Maulwurfsnester
  • Verlassene Mäusenester
  • Vordächer

Auch im Innenbereich sind gelegentlich so verlockende Plätze zu finden, dass sich Wespen dort ihre Nester bauen:

  • Auf Dachböden
  • In Garagen
  • In Gartenschuppen

Methoden zum Wespennest Entfernen

Bevor man sich Gedanken über die Entfernung eines Wespennestes macht, sollte zunächst geklärt werden, ob diese überhaupt notwendig ist. Eine Notwendigkeit ist gegeben, wenn seitens des Nestes eine Gefahr für Menschen ausgeht – in welcher Form auch immer. Ist eine derartige Gefahrensituation nicht gegeben, so sollte ein Wespennest in Ruhe gelassen werden. Dies gilt insbesondere für freihängende Nester sowie für solche, die mindestens sechs Meter vom Haus entfernt sind.

Geht jedoch seitens des Wespennestes eine Gefahr für Menschen aus, so muss es entfernt werden. Hierfür stehen prinzipiell zwei verschiedene Methoden zur Auswahl:

  • Professionellen Schädlingsbekämpfer engagieren
  • Hilfe bei Umweltschutzorganisationen suchen

Achtung: Keinesfalls darf ein Nest eigenhändig zerstört oder entfernt werden! Gemäß dem § 39 Abs. 14 des Bundesnaturschutzgesetzes ist es nicht gestattet, Lebensräume von Wildtieren zu zerstören. Auch stehen viele Fluginsekten unter Artenschutz, so dass eine eigenmächtige Schädlingsbekämpfung rechtliche Konsequanzen mit sich bringen kann.

Wespen unter Terrassendielen
Wespen unter Terrassendielen

Wespennest durch Schädlingsbekämpfer entfernen

Wer einen professionellen Schädlingsbekämpfer engagiert, der muss sich darüber im Klaren sein, dass dieser die Wespen töten wird. In welcher Form diese Tötung erfolgt, hängt von der Erreichbarkeit des Nestes ab:

Wespennester, die gut erreichbar sind, werden zerstört und mit einem schnell wirkenden Gift behandelt. In der Regel dauert es nicht länger als 30 Minuten, bis die Wespen verstorben sind. Solch ein Procedere ist für die Insekten vollkommen schmerzlos, so dass man als Auftraggeber kein schlechtes Gewissen haben muss.

Anders hingegen ist die Situation bei schwer zugänglichen Nestern, beispielsweise wenn diese in Hohlräumen gebaut worden sind. In derartigen Fällen ist eine Behandlung mit Kontaktgiften notwendig, welche in Form von Pulver oder Schaum an den Einschlupflöchern der Wespennester angebracht werden. Die Wespen, die dieses Gift passieren, tragen es mit in das Nest hinein, wo es zu wirken beginnt. So sterben nicht nur jene Tiere, die direkt mit dem Insektizid in Berührung gekommen sind, sondern auch alle anderen, welche sich im Nest befinden – auch die Königin.

Kosten für einen professionellen Schädlingsbekämpfer

Pauschale Preise für eine professionelle Entfernung eines Wespennestes gibt es nicht. Wie hoch diese individuell sind, ist von der Erreichbarkeit des Nestes abhängig; je höher ein Nest hängt und je schwerer dieses zugänglich ist, desto höher werden die Kosten für die Entfernung ausfallen. In der Regel liegen diese zwischen 150,- € und 250,- €.

Hinzu können noch weitere Kosten kommen, wie beispielsweise Notdienstgebühren, wenn die Entfernung außerhalb der regulären Arbeitszeiten stattgefunden hat, oder auch Kosten für spezielle Werkzeuge wie eine Hebebühne.

Wespennest durch Umweltschutzorganisation entfernen lassen

Wer die Wespen zwar von seinem Grundstück entfernen, sie aber nicht töten lassen möchte, der sollte sich an eine Umweltschutzorganisation wenden. Diese wird das Wespennest umsiedeln. Hierfür müssen zunächst alle Arbeiterinnen eingefangen werden. Dies geschieht mithilfe eines Gerätes, welches stark an einen Staubsauger erinnert, und an dessen Ende sich ein großer Fangkorb befindet. Ist dies erledigt, wird das Nest vorsichtig abgetrennt und an einen neuen Standort gebracht. Bei dessen Auswahl sind einige Kriterien zu berücksichtigen:

  • Mindestens vier Kilometer vom bisherigen Standort entfernt
  • Vorzugsweise unbewohnte Gebiete, wie Wälder

Wird das Wespennest an seinem neuen Standort installiert, so muss es mit einem Schutzkasten versehen werden, um die Insekten vor Fressfeinden und Witterungseinflüssen zu bewahren.

Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen kann es dennoch passieren, dass die Wespen die Umsiedlung nicht überleben. Dies ist beispielsweise dann der Fall, wenn

  • das Nest stark beschädigt wird oder
  • zu viele Arbeiterinnen versterben.

Da ein solches Umsiedeln viel Fingerspitzengefühl erfordert und zudem noch gefährlich ist, sollte es zwingend nur von Experten durchgeführt werden. Keinesfalls sollte ein genervter Gartenbesitzer auf die Idee kommen, eine Umsiedlung selbst in die Hand zu nehmen.

Gartenbista-Tipp: Auch Imker können beim Umsiedeln eines unerwünschten Wespennests behilflich sein!

Kosten für das Umsiedeln eines Wespennestes

Die Kosten für eine Umsiedlung sind wesentlich geringer als jene für die Vernichtung der Wespen. Auch hier ist die individuelle Höhe abhängig von der Erreichbarkeit des Nestes; in der Tegel ist mit einem Betrag zwischen 30,- € und 100,- € zu rechnen. Gegebenenfalls kommen noch Fahrtkosten für die (meist ehrenamtlichen) Helfer hinzu.

Wespennest am Fensterrahmen
Wespennest am Fensterrahmen

Welche Alternativen zum Wespennest Entfernen gibt es noch?

Die am häufigsten gewählte Methode, um sich lästiger Wespen zu entledigen, ist das Entfernen des Wespennestes. Diese Wespenbekämpfung muss jedoch nicht immer sein. Es gibt durchaus Möglichkeiten, auf Distanz zu den Insekten zu gehen, ohne diese in ihrer Existenz zu stören:

  • Insektennetz: Hängende Wespennester in Schuppen oder Garagen können mit einem speziellen Insektennetz zugehängt werden. Alternativ kann auch ein simples Betttuch verwendet werden.
  • Rohre: Befindet sich ein Wespennetz in einem leerstehenden Tierbau unter der Erde, so kann der Eingang an eine Stelle verschoben werden, wo er niemanden stört: ein Rohr in den Ausgang stecken, welches täglich um zwei Meter verlängert wird. Dies geschieht so lange, bis der Ausgang am gewünschten Ort angekommen ist.
  • Abwarten: Wespennester sind lediglich für ein Jahr bewohnt, danach steht es leer und wird nie wieder neu besiedelt. Mit etwas Geduld wird sich das Problem mit den unerwünschten Wespen also von selbst erledigen.

Rechtliche Lage für Mieter

Nun ist es nicht immer so, dass Wespen lediglich Eigenheimbesitzer aufsuchen und diese belästigen. Es kommt durchaus vor, dass vermietete Objekte ebenfalls zum Nestbau verwendet werden; die Mieter dieser Immobilien fühlen sich durch die Anwesenheit der Insekten nicht minder gestört. Können sie beispielsweise ihren angemieteten Balkon oder ihre Terrasse aufgrund des Vorhandenseins eines Wespennestes nicht nutzen, so können sie von ihrem Vermieter verlangen, dass er das Nest beseitigen muss. Dabei ist zu beachten:

  • Dem Vermieter muss eine angemessene Frist gesetzt werden, innerhalb derer die Beseitigung zu erfolgen hat
  • Die Kosten für die Entfernung des Nestes hat der Vermieter zu tragen

Gartenbista-Tipp: Stellt das betreffende Wespennest eine erhebliche Gefahr für den Mieter dar, so darf er ohne vorherige Benachrichtigung seines Vermieters selbst die Beseitigung in Auftrag geben!

 

Graphiken: © Hans und Christa Ede – Fotolia.com; Karin Jähne – Fotolia.com; Schlegelfotos – Fotolia.com; liantho – Fotolia.com; yeehaaa – Fotolia.com


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