Rasen begradigen – so gehe ich dabei vor

Rasen begradigen mit einer Walze
Rasen begradigen mit einer Walze

Zu den Herzstücken manchen Gartens zählt eine wunderschöne Grünfläche. Dumm nur, wenn diese uneben ist und somit die Optik etwas gestört wird. Da hilft nur eines: Rasen begradigen. Dies ist zwar etwas arbeitsintensiv, aber dennoch zu schaffen. Wir sagen, wie.

Warum ich meinen Rasen begradigen sollte

Die meisten Gartenbesitzer sehen in einem unebenen Rasen in erster Linie einen Schönheitsmakel. Dies allein ist schon Grund genug, gegen die Unebenheiten vorzugehen. Doch es steckt noch viel mehr dahinter als eine etwas gestörte Optik: ist die Grünfläche hügelig, so kann sie nicht so gut geopflegt werden. Infolgedessen sammelt sich an manchen Stellen das Wasser, während andere austrocknen. Düngemittel können unter Umständen ebenso schlecht gleichmäßig verteilt werden. Selbst das simple Mähen oder Vertikutieren ist schwierig, wenn man sich durch eine Hügellandschaft kämpfen muss. So kommt es zwangsläufig zu einer Vernachlässigung der Rasenpflege. Diese wiederum führt dazu, dass sich Unkraut ungehindert ausbreiten kann und die Graspflanzen immer mehr verdrängt. Leicht vorzustellen, wie die betroffene Fläche nach einigen Monaten oder gar Jahren aussehen würde.

Demzufolge sollte man also grundsätzlich seinen Rasen begradigen – selbst, wenn man sich individuell nicht an seinem Äußeren stört. In welcher Form dies geschieht, hängt von verschiedenen Faktoren ab. So ist es manchmal ausreichend, kleinere Flächen nur punktuell aufzufüllen. In anderen Fällen jedoch müssen größere Areale oder gar ganze Rasenflächen abgetragen werden.

Gründe für unebenen Rasen

Nun ist es leider nicht so, dass man einfach loslegen und seinen Rasen begradigen kann. Vielmehr müssen zunächst die individuellen Gründe gefunden werden, warum die Fläche uneben ist. Hierfür gibt es einige Möglichkeiten.

Fehler beim Anlegen

Unebene Rasenfläche
Unebene Rasenfläche

Häufig liegt die Ursache für Unebenheiten bereits in der Vergangenheit, genauer gesagt beim Anlegen der Rasenfläche. Wurde beim Neubau, als der Boden vorbereitet worden ist, nicht genau darauf geachtet, dass das Areal gerade ist, so ist es nicht weiter verwunderlich, dass auch in späteren Jahren diese Unebenheiten noch vorhanden sind.

Doch es muss nicht immer fehlerhafte Bodenvorbereitung ursächlich sein. Es kann durchaus passieren, dass erst im Nachhinein die Erde oder zumindest Teile davon einsacken.

Gewichtsbelastung

Für gewöhnlich sind Grünflächen dafür geschaffen, betreten und bis zu einem gewissen Grad auch belastet zu werden – zumindest in trockenem Zustand. Ist der Rasen jedoch sehr nass, beispielswiese nach tage- oder wochenlangen Regengüssen oder aufgetautem Schnee, und wird dann betreten, kann es durchaus passieren, dass sich an den Trittstellen Kuhlen absenken. Diese werden auch dann nicht mehr verschwinden, wenn die Fläche bereits wieder getrocknet ist.

Bäume

Ein Baum an sich wird nicht der Grund dafür sein, dass man seinen Rasen begradigen muss. Wohl aber seine Wurzeln. Gelegentlich liegen diese sehr stark an der Oberfläche. Sie machen sich dadurch bemerkbar, dass plötzlich Erhöhungen in der Grünfläche zu sehen sind.

Tiere

Maulwurfshügel auf dem Rasen
Maulwurfshügel auf dem Rasen

Wer einen Maulwurf im Garten hat, erkennt seine Anwesenheit schnell durch die Hügel, die sich überall zeigen. Auch diese führen letztendlich dazu, dass der Rasen Unebenheiten aufweist – wenn nicht gar wie eine Berglandschaft wirkt.

Viel gravierender ist es jedoch, wenn man Wühlmäuse auf seinem Grundstück wohnen hat. Diese Tierchen bleiben zunächst unbemerkt und graben in aller Ruhe ihre Tunnel und Gänge durch den Garten. Dies geht so lange gut, bis dieses unterirdische Höhlensystem die Rasenfläche derart unterwandert hat, dass sie an verschiedenen Stellen absinkt.

Wasserabfluss

Ist der Boden sehr stark verdichtet, so kann (Regen-)Wasser nicht tief in die Erde einsickern. Die Folge: Staunässe. Wenn diese sich aufgelöst hat, zieht sich der Boden zusammen, was zu Senkungen führt. Dieses Problem ist häufig auch daran zu erkennen, dass sich in oder an den Senken Moos bildet.

Rasen begradigen – so geht´s

Bevor man sich ans Werk machen kann, sind einige Voruntersuchungen notwendig. Zunächst muss – wie oben beschrieben – die Ursache gefunden werden. Ist dies geschehen, müssen weitere Unklarheiten beseitigt werden, um genau zu wissen, welche Methode des Rasen Begradigens durchgeführt werden soll. Dabei wird sich mit folgenden Fragen auseinandergesetzt:

  • Wie tief beziehungsweise hoch sind die individuellen Unebenheiten?
  • Handelt es sich um kleine oder große unebene Bereiche?

Während letzteres leicht mithilfe eines Bandmaßes festzustellen ist, ist das Feststellen der Höhe weniger einfach. Hierbei kann eine Wasserwaage behilflich sein, die jedoch möglichst 2 m lang sein sollte:

  • An der niedrigsten Stelle des Rasens ein Holzstäbchen in die Erde stecken
  • Dasselbe an der höchsten Stelle des Rasens durchführen
  • Mit einem Bindfaden beide Stäbchen miteinander verbinden
  • Mithilfe der Wasserwaage Bindfaden waagerecht ausrichten
  • Höhenunterschied ausmessen

Gartenbista-Tipp: Diese Methode eignet sich nicht unbedingt für ganz große Rasenflächen, die man begradigen möchte, ist bei kleineren aber durchaus hilfreich.

Zeitpunkt

Wann man seinen Rasen begradigen sollte, hängt von der Ursache und der damit verbundenen Methode zur Begradigung ab. So können die meisten Arbeiten im Sommer durchgeführt werden. Eine Ausnahme besteht in jenen Fällen, in denen große Flächen bearbeitet werden sollen. Beim

  • Abtragen sowie
  • Auffüllen

besagter Flächen braucht der Rasen hinterher lange, um sich wieder zu erholen. Würde er erst in den Sommermonaten bearbeitet werden, so bestünde die Gefahr, dass er bis zum Winter nicht genügend Kraft gesammelt hat. Demzufolge sollten diese Methoden unbedingt im Frühjahr durchgeführt werden, und zwar im Zeitraum zwischen Mitte April und Ende Mai. Wichtig dabei ist, dass der Boden nicht mehr gefroren ist – auch nicht partiell – und dass die Rasenfläche auch nicht nass ist.

Gartenbista-Tipp: Auch kleinere Begradigungen niemals später als im September durchführen!

Vorbereitung

Das A und O ist die Ermittlung des Höhenunterschieds wie oben beschrieben. In welcher Form die weitere Vorbereitung abzulaufen hat, hängt von der gewählten Methode zum Rasen Begradigen ab:

Beim Auffüllen sollten die betreffenden Stellen komplett von Unkraut befreit werden. Danach sollte die Fläche etwa zwei Wochen ruhen. Falls sich in dieser Zeit neue Wildgewächse gebildet haben, können sie mit einem Blattherbizid behandelt werden.

Rasen begradigen Anleitung

Grundsätzlich stehen verschiedene Möglichkeiten zum Rasen Begradigen zur Auswahl:

  • Auffüllen
  • Walzen
  • Punktuell auffüllen
  • Abtragen

Nicht jeder dieser Methoden ist für sämtliche Schadbilder geeignet. Vielmehr kommt es auf die individuelle Größe der unebenen Fläche an, die Tiefe der Mulden sowie auf die Ursache für dieses Schadbild.

Auffüllen

Diese Methode wird am häufigsten praktiziert. Zwar dauert es vergleichsweise lange, bis eine gleichmäßige Fläche entstanden ist, jedoch ist der Arbeitsaufwand überschaubar. Ein großer Vorteil liegt darin, dass der vorhandene Rasen nicht abgetragen werden muss. Auch ist das Auffüllen bei Kuhlen jeglicher Tiefe möglich.

  • Mutterboden mit Sand mischen
  • Mulden etwa 1 cm mit dem Substrat auffüllen
  • Angießen
  • In den folgenden Wochen gleichmäßig feucht halten
  • Sobald sich die Gräser durch die Erde durchdrücken, wird das Prozedere wiederholt
  • Dies geschieht so oft, bis die Rasenfläche eben ist

Gartenbista-Tipp: Niemals das Substrat festtreten, da ansonsten die Gräser Probleme bekommen, sich durchzudrücken.

Walzen

Rasenwalze
Rasenwalze

Das Walzen ist für Rasenflächen geeignet, deren Mulden nicht allzu tief sind. Dafür ist diese Methode sehr gut anwendbar auf Arealen jeglicher Größe. Selbst in Fällen, in denen eine gesamte Grünanlage begradigt werden muss, kann sie durchgeführt werden. Allerdings – und darüber sollte man sich im Klaren sein – ist enorm viel Kraft notwendig, um eine Walze überhaupt bewegen zu können. Bereits ihr Eigengewicht ist derart beträchtlich, dass manch einer sie nicht einmal aus dem Schuppen holen, geschweige dann verwenden kann.

  • Rasen mähen
  • Gründlich wässern
  • In einer hinteren Ecke mit dem Walzen beginnen
  • Walze in geraden Bahnen über die Rasenfläche bewegen
  • Keine krummen Wege oder gar enge Kurven fahren, da dies zu unerwünschten Erdverschiebungen führen würde
  • Wenn alle Bahnen längst abgegangen wurden, die gesamte Rasenfläche noch einmal quer walzen

Gartenbista-Tipp: Niemals mit der Walze über junge Rasenpflanzen gehen, da diese mit einem derartigen Kraftakt nicht zurechtkommen können.

Treten anstatt Walzen?

Nun kommen manche Hobbygärtner auf die gute Idee, anstelle von Walzen Bretter zu verwenden, mit denen sie ihren Rasen begradigen wollen. Theoretisch wäre dies möglich. in der Praxis hat es sich jedoch gezeigt, dass eine derartige Handhabung nur auf sehr kleinen unebenen Flächen erfolgreich ist. Bei größeren Bereichen wird es nicht gelingen, tatsächlich mit Hilfe von Brettern eine Rasenfläche eben zu bekommen – zumindest nicht, wenn diese bereits mit Graspflanzen bedeckt ist.

Punktuell auffüllen

Sind nur einzelne Stücke der Rasenfläche uneben, können diese punktuell aufgefüllt werden. Hierfür empfiehlt sich die Anschaffung eines sogenannten Rasenkantenstechers. Bei diesem handelt es sich um ein schaufelähnliches Gartengerät, mit welchem es möglich ist, Rasenkanten sauber abzustechen und somit von Beeten zu trennen. Beim Rasen Begradigen wird es zum Einstechen der unebenen Stellen verwendet:

  • Die betroffenen Stellen in Kreuzform einstechen
  • Entstandene Teilstücke von innen nach außen aufklappen
  • Freigelegten Boden gründlich auflockern

Sollte es sich bei den Unebenheiten um Mulden handeln, werden diese mit einem Mutterboden-Sand-gemisch aufgefüllt. Sind es hingegen Erhebungen, welche die Unebenheiten verursachen, so können diese nun abgetragen werden. Danach wird die Erde gut festgetreten. Die hochgeklappten Rasenstücke können nun wieder hinuntergelassen werden.

Gartenbista-Tipp: Nach Beendigung der Tätigkeiten Rasenfläche auf Unebenheiten überprüfen. Sind noch welche vorhanden, müssen die Maßnahmen wiederholt werden.

Rasen begradigen durch Abtragen

Abtragen eines Rasenstücks
Abtragen eines Rasenstücks

Das Abtragen ist mit Abstand die arbeitsintensivste Methode, um einen Rasen zu begradigen. Sie ist vergleichbar mit einer kompletten Neuanlage, so dass im Zweifelsfall überlegt werden sollte, ob sich das Procedere lohnt oder ob tatsächlich eine Neuanlage die bessere Alternative wäre. Abgetragen wird in jenen Fällen, in denen

  • die Kuhlen und Erhöhungen derart ausgeprägt sind, dass sie nicht mehr gewalzt werden können und/oder
  • ein Auffüllen ebenfalls viel zu arbeitsintensiv wäre.

Bereits die Vorbereitungen nehmen Zeit in Anspruch:

  • Rasen mähen
  • Unkraut jäten
  • Grasnarbe senkrecht mit einem Spaten anstechen
  • Spaten unter die Grassode schieben und stückchenweise herausheben
  • Fläche umgraben oder umpflügen

Ist dies alles geschehen, kann mit der eigentlichen Tätigkeit begonnen werden:

  • Rasenfläche komplett mit einem Gemisch aus Mutterboden und Sand auffüllen
  • Grundsätzlich an der gemessenen Schnurhöhe orientieren
  • Einige Tage abwarten
  • Gegebenenfalls erneut Substrat auf die Fläche auftragen
  • Noch einmal warten
  • Mithilfe einer Walze den Boden ebnen
  • Rasen aussäen
  • Gründlich wässern

In der Folgezeit muss die Fläche regelmäßig gewässert werden, so dass sie nicht austrocknet. Keinesfalls darf sie betreten werden! Dies ist erst beim ersten Mähen gestattet, welches bei einer Höhe von 10-15 cm erfolgt.

Wie man leicht merkt, ist dieses Procedere alles andere als einfach. Die Mühe wird allerdings belohnt: wurde alles richtig gemacht, erstrahlt die Grünfläche im neuen Glanz.

Gartenbista-Tipp: Bei Ausbringen des Rasensamens etwas Dünger mit verabreichen.

Kann ich maschinell Rasen begradigen?

Manch ein Fachhändler versucht, ahnungslosen Hobbygärtnern eine sogenannte Rasenfräse zu verkaufen. Diese soll es einem ermöglichen, Rasenflächen einzuebnen. Bei Neuanlagen kann sie durchaus hilfreich sein, bei länger bestehenden Grundstücken eher nicht. Zwar würde die Fräse den oberen Rasen inklusive sämtlicher Erhebungen abfräsen, jedoch bleiben sowohl die Kuhlen als auch die Unkrautwurzeln bestehen. Trotz einer nachfolgenden Neuaussaat wäre das Problem mit einem unebenen Rasen nicht gelöst.

Tipps und Tricks

  • Wenn möglich, Rasen in einer warmen und trockenen Witterungsperiode begradigen.
  • Keinesfalls im ersten Jahr nach dem Rasen Begradigen die Fläche vertikutieren.

Video-Tipp der Redaktion: So begradige ich einzelne Stellen in meinem Rasen

In folgendem Video wird sehr schön anschaulich dargestellt, wie einzelne Unebenheiten im Rasen begradigt werden können:

Symbolgraphiken: © savoieleysse – stock.adobe.com; Tom Bayer – stock.adobe.com; schulzie – stock.adobe.com; schulzfoto – stock.adobe.com; Simone – stock.adobe.com


, Kategorie: Garten

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