Humuserde – Wissenswertes über das nährstoffreiche Substrat

Lesezeit: 8 Min.
Humuserde
Humuserde

Ein nährstoffreicher Boden ist unerlässlich für gesunde, kräftige Pflanzen – Hobbygärtner wissen das und verwenden sehr gerne Humuserde, welche als Lieferant der wichtigen Nährstoffe gilt. Leider ist in den wenigsten Gärten solch ein Substrat von sich aus vorhanden, so dass es entweder gekauft oder selbst hergestellt werden muss. Wir haben für Sie zusammengefasst, was es dabei alles zu beachten gibt.

Was ist Humuserde?

Beim Humus handelt es sich um organisches Material, welches abgestorben und verrottet ist. Je nach Ausgansmaterial ist die Qualität der Humusschicht in einem Boden größer oder kleiner. So bildet sich in Laubwäldern beispielswiese ein fantastischer Humus, da die heruntergefallenen Blätter sehr effektiv verrotten. Dasselbe gilt in Strauchgebieten sowie auf Wiesen aufgrund der dort angesiedelten Pflanzen. In Nadelwäldern hingegen ist die Humusschicht nicht hochwertig: Tannennadeln brauchen sehr lange, um zu verrotten, und geben keine Nährstoffe an den Boden ab, dasselbe gilt für die ätherischen Öle.

Übersetzt aus dem Lateinischen bedeutet es so viel wie „Erdboden“; im allgemeinen Sprachgebrauch jedoch hat das Wort einen wesentlich höhere Wertigkeit: gute Erde, guter Boden, optimales Substrat… Und genau diese Bezeichnung trifft es genau: Humus ist ein fantastisches Material, welches ganz alleine natürlichen Ursprungs ist – Menschen haben keinerlei Einfluss auf seine Entstehung.

Humus Arten

Um die ganze Angelegenheit noch ein wenig komplizierter zu machen, wird der Humus in zwei verschiedene Arten untereilt:

  • Dauerhumus
  • Nährhumus

Der Dauerhumus besitzt den größten Anteil an der Humusschicht im Boden. Ihm obliegt die Aufgabe, Nährstoffe und Wasser im Boden zu binden, während der Nährhumus wiederum der Durchlüftung des Bodens dient. Darüber hinaus ist er eine wichtige Nahrungsquelle für die Bodenorganismen und zudem unabdingbar für die Bildung von Dauerhumus. Dieser wiederum entwickelt sich erst im letzten Schritt der Kompostierung und auch nur dann, wenn zuvor der Nährhumus vorhanden ist.

Humuserde wiederum ist eine Mischung aus besagtem organischen Material und Erde. Carakteristisch für solch ein Substrat sind seine Fähigkeiten, Flüssigkeiten und Nährstoffe zu speichern.

Übrigens: Humus ist in jedem Boden enthalten – je nach dem individuell verrotteten organischen Material ist diese qualitativ höher oder niedriger.

Welche Formen gibt es?

Abgesehen von den obigen Unterscheidungen gibt es drei verschiedene Formen von Humus:

  • Rohhumus: Materialien, die sehr lange brauchen, um sich zu zersetzen.
  • Mull: Diese Humusform bildet sich auch leicht verrottenden Materialeien, die zudem den kleinen Bodenlebewesen einen Lebensraum bieten.
  • Moder, der eine Mischung aus den anderen beiden Formen darstellt.

Unterschiede zwischen Humuserde, Kompost & Mutterboden

Als Hobbygärtner kann man schon einmal durcheinandergeraten: einerseits wird von Humuserde gesprochen, andererseits von Kompost sowie Mutterboden. Dabei handelt es sich keineswegs um ein und dasselbe Substrat.

  • Kompost ist ein organischer Dünger, welcher Humus beinhaltet. Er entsteht durch Verrottung von organischem Material. Ist sein Verrottungsprozess beendet, wird ein Teil von ihm zu Humus.
  • Mutterboden wiederum als die oberste Erdschicht beinhaltet ebenfalls Humus, und zwar zu einem großen Anteil. Doch nicht nur das: darüber hinaus enthält er neben Bodenlebewesen Mineral- und Nähstoffe.

 

Gelegentlich liest man zudem über Schwarzerde sowie Terra Preta. Bei ersterer handelt es sich um einen sehr humusreichen und demzufolge fruchtbaren Boden, welcher sich in den ehemaligen Steppengebieten der nördlichen Hemisphäre sowie in einigen Teilen Österreichs entwickelt hat. Terra Preta hingegen stammt aus dem Amazonasgebieten – und wird auch dortbleiben, da ein Import nicht gestattet ist: dieses Substrat wird von Menschenhand hergestellt, indem die einzelnen Komponenten zusammengepresst und danach fermentiert werden. Es besteht aus Pflanzenresten, Fäkalien, Holzkohlenstaub sowie Zweigen und ist demzufolge sehr nährstoffreich. Im Fachhandel werden nachgemachte Produkte verkauft, die zwar ebenfalls qualitativ hochwertig sein, an das Original jedoch nicht herankommen.

Verwendung des Substrats

Humuserde kann für verschiedene Zwecke verwendet werden, wobei immer darauf geachtet werden muss, ob nährstoffreicher oder eher -armer Humus ausgebracht werden sollte.

  Nährstoffgehalt Idealer Humus Zugaben
Frühjahrspflanzung hoch Biokompost Organische Dünger wie Stallmist oder Hornspäne
Herbstpflanzung niedrig Grünkompost Kaliumhaltiger Dünger
Kübelpflanzen abhängig von der jeweiligen Pflanze Biokompost, Grünkompost
Bodenverbesserung hoch Biokompost
Rasen unerheblich alle Sorten

Frühjahrspflanzungen…

Viele Pflanzen freuen sich über Humuserde
Viele Pflanzen freuen sich über Humuserde

Im Frühjahr benötigen die Pflanzen viele Nährstoffe, um zu gedeihen und sich optimal zu entwickeln. Demzufolge wird zu dieser Jahreszeit nährstoffreicher Humus ausgebracht. Falls es sich um besonders hungrige Gewächse – sprich: Starkzehrer – handelt, können sie zusätzlich noch andere organische Dünger zugeführt bekommen.

…und Herbstpflanzungen

Werden hingegen im Herbst Pflanzen in die Erde gebracht, haben diese einen eher geringeren Nährstoffbedarf. Entsprechend kann zu diesem Zeitpunkt nährstoffarme Humuserde ausgebracht werden.

Humuserde für Kübelpflanzen

Bei der Verwendung von Humuserde von Kübelpflanzen ist etwas Fingerspitzengefühl gefragt. Ein Pauschalrezept gibt es nicht. Vielmehr ist der individuelle Nährstoffbedarf der Gewächs bei der Wahl des passenden Komposts zu beachten: handelt es sich um Starkzehrer, wird Biokompost verwendet, während Pflanzen mit einem geringen Nährstoffbedarf lieber nur Grünkompost bekommen – wenn überhaupt. Einige nämlich, beispielswiese mediterrane Kräuter, mögen lediglich nährstoffarme Substrate und würden sich überhaupt nicht über Humus freien.

Zur Verbesserung des Bodens und des Rasens

...auch Rasen kann verbessert werden...
…auch Rasen kann verbessert werden…

Da nicht jeder Boden genügend Humus besitzt, kann die Beschaffenheit durch Zugabe von Humuserde verbessert werden. Hierbei wird die Humuserde auf die entsprechende Fläche gelegt und oberflächlich in den Boden eingearbeitet. Dieses Procedere sollte im Frühjahr sowie im Herbst durchgeführt werden.

Nicht nur Nutz- und Zierbeete, sondern auch der Rasen freut sich über Humuserde. Schadhafte Stellen und Löcher können ganz einfach repariert werden:

  • Humuserde breitwürfig auf dem Rasen verteilen
  • Mit einer Harke gleichmäßig verteilen
  • Rasenfläche gründlich wässern
  • Gegebenenfalls Rasensamen ausbringen

Humusbildung aktivieren

Leider ist es nicht so, dass sich Humus für immer und ewig hält. Bekommt der Boden keine Nährstoffe zugeführt, wird die Humusbildung gestoppt. Dies sollte natürlich nicht sein. Glücklicherweise gibt es verschiedene Möglichkeiten, den Prozess wieder in Gang zu bringen:

  • Gründüngung
  • Flächenkompostierung

Die Gründüngung ist nahezu jedem Hobbygärtner ein Begriff: Lupinen, Senfsaat und andere Gründungpflanzen werden auf einem abgeernteten Beet ausgesät und verrotten lassen. Danach werden die verrotteten Pflanzenteile in den Boden eingearbeitet.

Die Flächenkompostierung ist besonders für Staudenbeete, unter Hecken und Sträuchern sowie auf Flächen geeignet, auf denen Gewächse dauerhaft stehen. Sie wird mithilfe von Mulch, Grün- oder Rasenschnitt durchgeführt. Diese Materialien werden unterhalb der Pflanzen ausgebracht, wo sie in Ruhe verrotten können.

Humuserde kaufen?

Möchte man seinem Garten etwas Gutes tun, kommt einem schnell die Idee, Humuserde zu kaufen. Dies ist im Fachhandel sowie Internet möglich, aber Vorsicht: Humuserde ist nicht gleich Humuserde! Es gibt einige qualitative Unterschiede, die sich auch im Preis niederschlagen. Es macht keine Sinn, günstige Erde zu kaufen und darauf zu hoffen, dass sie wirken wird. Für gewöhnlich wird sie das nicht tun, denn nur qualitativ hochwertige Humuserde wird den Pflanzen den gewünschten Nutzen bringen.

Was ist dabei zu beachten?

Das Internet ist fantastisch, um seine Einkäufe zu erledigen. Bei solch einem wichtigen Produkt wie Humuserde ist es jedoch empfehlenswert, dieses beim Fachhändler vor Ort zu kaufen, denn man sollte tatsächlich die Erde anschauen, anfassen und riechen können.

Auch die Inhaltsstoffe sind von Bedeutung: keinesfalls sollte Humuserde Torf enthalten, sondern eine Mischung zu jeweils 50 % Pflanzenerde und Humus sein.

Gute Humuserde erkennen – Tipps

Beim Kaufen die Erde anschauen, riechen und fühlen
Beim Kaufen die Erde anschauen, riechen und fühlen

Für einen Laien ist es oftmals schwierig, gute Humuserde von weniger guter zu unterscheiden. Hierein sind einige Tests hilfreich. Nimmt man die Erde in die Hand, so sollte sie sich

  • Feinkrümelig,
  • Feucht und
  • leicht

anfühlen. Zerreibt man sie zwischen den Fingern, so sollte dies ein angenehmes Gefühl erzeugen.

Ist man sich nicht sicher, hilft die Schnupperprobe. Gute Humuserde riecht nach Waldboden oder zart nach Pilzen. Kein Geruch ist im Übrigen auch kein schlechtes Zeichen, sondern ein Indiz dafür, dass es sich um komplett ausgereifte Komposterde handelt.

Schlechte Qualität hingegen riecht unangenehm, eventuell sogar faulig. Die Erde fühlt sich staubig an und ist trocken. In derartigen Fällen heißt es: Finger weg! Jeder Cent, der für solche ein Produkt ausgegeben wird, ist reine Geldverschwendung.

Oder lieber selber machen?

Ein Kompost ist unabdingbar zur Herstellung von Humus
Ein Kompost ist unabdingbar zur Herstellung von Humus

Als Gartenbesitzer kann man Humuserde selbst herstellen; genauer gesagt: für die Entstehung von Humus sorgen. Dies geschieht mithilfe eines Komposthaufens, auf dem Pflanzenreste und Gartenabfälle gesammelt werden, welche nach und nach verrotten und wunderbaren Kompost ergeben. Diesen kann man alljährlich als Gründüngung verwenden und auf Nutz- und Zierbeete ausbringen.

Nicht für jede Pflanzenart ist dieser Kompost allerdings geeignet: Gewächse, die Kalk und Salze nicht so gut vertragen, sollten lieber nicht mit ihm versorgt werden. für sie eignet sich kompostiertes Laub, welches im Herbst gesammelt und in Drahtkörben gelagert wird. Dort verrottet es ein Jahr lang, bis es so weit zersetzt ist, um als Rohhumus eingesetzt zu werden.

Tipps

Zum Herstellen von Humus sollten generell viele Blätter verwendet werden, vorzugsweise Buchenblätter. Sie haben den großen Vorteil, dass sie langsam verrotten und demzufolge über einen längeren Zeitraum die Bildung von Humus fördern. Auch zum Mulchen sind sie fantastisch geeignet.

Kompostwürmer kommen von ganz alleine...
Kompostwürmer kommen von ganz alleine…

Besonderes Augenmerk ist auf die Regenwürmer zu richten: sie sind unerlässlich bei der Humusbildung. Nun wird gelegentlich empfohlen, sie irgendwo auszugraben und gezielt im Kompost einzusetzen, damit sie den Verrottungsprozess beschleunigen. Kann man so machen, jedoch ist es ein wenig widersinnig, die Würmer umzusetzen, da sie an anderer Stelle auch gebraucht werden. Viel empfehlenswerter ist es, die Regenwürmer anzulocken. Hierfür werden die dubiosesten Methoden vorgestellt: Regenwürmer anlocken mit Senf, Wasser oder Vibrationen. Wer nicht gerade ein Erdbeben in seinem Garten veranstalten möchte, versucht es mit einem ganz einfachen Mittel: füttern. Jene Würmer, die so fleißig Humus herstellen, sind Kompostwürmer. Sie gehören zur Familie der Regenwürmer und sind immer dann zur Stelle, wenn es einen Komposthaufen zu bearbeiten gibt. Von ganz alleine. Sie werden sich über Kartoffel- und Zwiebelschalen sowie kleingehakte Eierschalen und Kaffeesatz freuen. Alles Komponente, die ohnehin auf dem Kompost landen sollten. Einfacher geht es nicht…

Video-Tipp der Redaktion: Humus-Gehalt im Garten ermitteln

Wenn Sie sich unsicher sind, wie hoch der Humusgehalt in Ihren Beeten tatsächlich ist, sollten Sie folgendes Video anschauen. Dort bekommen Sie wertvolle Tipps, wie dieser Gehalt zu ermitteln ist.

Was ist noch interessant für Hobbygärtner?

Diese Fragen stellen Hobbygärtner häufig:

Was ist ein humusreicher Boden?

Wie der Name sagt, handelt es sich dabei um einen Boden, der einen hohen Anteil an Humus besitzt. Er hat den Vorteil, dass sich Pflanzen mit einem hohen Nährstoffbedarf dort sehr gut entwickeln können. Doch nicht nur das: durch seine dunkle Farbe erwärmt er sich schneller und besser und bietet so ein wunderbares Klima zum Wachsen sowie für die Aktivität der Bodenlebewesen.

Kann man die Fruchtbarkeit eines Gartenbodens an seiner Farbe erkennen?

Grundsätzlich kann man davon ausgehen, dass ein Boden umso fruchtbarer ist, je dunkler er ist. Dies liegt am Humusanteil, der für die dunkle Färbung sorgt.

Welche Pflanzen mögen keine Humuserde?

Einige mediterrane Kräuterwürden sich in Humuserde nicht wohl fühlen. Zu diesen gehören unter anderem Lavendel, Salbei und Rosmarin: sie bevorzugen humusarme, dafür mineralische Böden. Beim Ausbringen von Humus oder Kompost sollte deswegen zwingend auf die individuellen Ansprüche der Gewächse geachtet werden.

 

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• 10. April 2021 • Kategorie: Garten

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