Essig gegen Unkraut – darauf muss ich achten

Essig gegen Unkraut einsetzen?
Essig gegen Unkraut einsetzen?

Zur Verfeinerung von Speisen sowie als Hausmittel wird er gerne eingesetzt. Weniger bekannt ist jedoch, dass man Essig gegen Unkraut verwenden kann. Dabei sind allerdings einige Kriterien zu beachten, denn keineswegs ist immer und überall ein Einsatz sinnvoll.

Darf man Essig gegen Unkraut einsetzen?

Es gibt kein Gesetz, welches explizit den Einsatz von Essig gegen Unkraut verbietet. Allerdings muss man sich darüber im Klaren sein, dass eine derartige Anwendung gegen die guten Sitten des Pflanzenschutzes verstößt, da weder Essig noch ein Gemisch aus ihm ein handelsübliches und zugelassenes Herbizid sind.

Oder ist das strafbar?

Lange Zeit galten Essig, Essigessenz sowie sämtliche Mischungen daraus als Pflanzenschutzmittel. Dies hatte zur Folge, dass sie keinesfalls auf gepflasterten Bereichen ausgebracht werden durften. Eine umsichtige Anwendung auf landwirtschaftlich, forstwirtschaftlich oder gärtnerisch genutzten Flächen hingegen wurde geduldet. Die neuste Rechtsprechung hingegen stuft Essig nicht mehr als Herbizid ein.

Der Einsatz von Essig gegen Unkraut ist laut einem Urteil des OLG Oldenburg vom 24.08.2017 (AZ 2 Ss OWi 70/17) nicht mehr strafbar im Sinne des Gesetzes, da es sich nicht um ein Herbizid im eigentlichen Sinne handelt. Im betreffenden Fall hatte ein Hausbesitzer aus Brake ein Gemisch aus Essig und Kochsalz zur Unkrautvernichtung auf der Zufahrt zu seiner Garage eingesetzt und wurde dafür mit einem Bußgeld von 100,- € belegt, welches sich nach seinem Einspruch auf 150,- € erhöhte.

Dennoch ist es laut Pflanzenschutzgesetz nicht gestattet, Präparate einzusetzen, welche keine Zulassung zur Unkrautvernichtung haben. Mit einer Strafe ist jedoch nicht zu rechnen, da das Urteil des OLG Oldenburg als Präzedenzfall anzusehen ist.

So wirkt Essig gegen Unkraut

Essig beziehungsweise die darin enthaltene Essigsäure hat die Eigenschaft, dass er Flüssigkeit aus Pflanzenteilen zieht. Dies wird er auch bei Unkraut machen. Als Folge dessen wird dieses vertrocknen und absterben. Etwaige Reste müssen danach nur noch leicht herausgezupft werden.

Dieser Prozess dauert für gewöhnlich einige Zeit. Mit jeder Anwendung wird die behandelte Pflanze schwächer, bis sie letztendlich keine Kraft mehr hat und komplett eingeht.

Vorteile

  • Kostengünstig: Im Vergleich zu Unkrautvernichtern aus dem Fachhandel ist Essig sehr günstig.
  • Überall erhältlich: Um an Essig zu kommen, muss man keinen Fachhandel aufsuchen und/oder sich stundenlang beraten lassen. Er ist in jedem Supermarkt frei verkäuflich zu bekommen.
  • Unschädlich: Haustierhalter müssen sich keine Sorgen machen, wenn ihre Tiere Kontakt mit Essig bekommen. Es besteht keine gesundheitliche Gefahr für die Vierbeiner.
  • Einfache Anwendung: Im Gegensatz zu vielen Herbiziden aus dem Fachhandel ist keine Vorbereitung notwendig. Die Flüssigkeit kann sofort auf das Unkraut gesprüht werden.
  • Natürlich: Last not least handelt es sich bei Essig um ein reines Naturprodukt, dem keinerlei Chemie zugeführt wurde.

Nachteile von Essig gegen Unkraut

  • Essig schädigt nicht nur Unkraut, sondern auch benachbarte Pflanzen.
  • Es besteht die Gefahr, dass Microorganismen im Boden zerstört
  • Die austrocknende Wirkung von Essig hält nicht lange an. So kann es passieren, dass zwar die oberirdisch gelegenen Pflanzenteile vertrocknen, die Wurzeln jedoch bestehen bleiben und wieder neu austreiben. Eine erneute Anwendung ist somit unumgänglich.
  • Bei regelmäßiger Anwendung auf derselben Stelle kann der Boden sauer werden.
  • An schattigen Standorten ist eine Anwendung unsinnig, da der Essig allein es kaum schaffen wird, die Pflanzen komplett auszutrocknen.

Essig oder Essigessenz?

Hat man sich trotz der nicht zu übersehenden Nachteile für eine Anwendung des Hausmittels entscheiden, stellt sich die Frage, ob gewöhnlicher Essig oder lieber Essigessenz verwendet werden soll. Grundsätzlich ist es so, dass eine höhere Konzentration an Essigsäure auch schnellere beziehungsweise bessere Ergebnisse verspricht. In diesem Fall bedeutet dies: je mehr Essigsäure in dem Produkt enthalten ist, desto schneller wird es das Unkraut austrocknen. Handelsüblicher Essig enthält zwischen 5% und 6% Essigsäure; Essigessenz hingegen etwa 25%.

Jetzt ist es allerdings nicht so, dass der Essig oder gar die Essenz pur aufgetragen werden sollten. Generell sollte die Substanz mit Wasser vermischt werden.

Mischungsverhältnis

Das Mischungsverhältnis ist abhängig davon, ob gewöhnlicher Tafelessig oder Essenz verwendet werden soll.

  • Zu einem Teil Essig werden drei Teile Wasser zugefügt.
  • Wird hingegen Essigessenz verwendet, so muss dies mit 15 Teilen Wasser verdünnt werden.

Manch ein eifriger Hobbygärtner macht sich gar nicht erst die Mühe, irgendwelche Mischungen herzustellen. Er kauft fertigen Essigreiniger, da dieser dem Vernehmen nach dieselbe Wirkung erzielt. Ob dies sinnvoll ist oder nicht, muss jeder für sich entscheiden. Mit Natur hat ein solches Vorgehen jedoch nicht allzu viel zu tun.

Essig und Salz mischen?

Nun kommt manch einer auf die Idee, eine besonders starke Lösung herzustellen, indem er Essig und Salz miteinander mischt. Beiden Substanzen wird nachgesagt, dass sie austrocknend wirken. Wird eine Kochsalzlösung hergestellt und lästiges Unkraut mit dieser behandelt, so sind die Ergebnisse durchaus sehenswert, obwohl dieselben Nachteile gegeben sind wie bei Essig.

Dennoch ist von einer Mischung aus Salz und Essig gegen Unkraut abzuraten. Der Boden wird sehr belastet, für die in ihm lebenden Microorganismen ist diese doppelte Keule ebenfalls extrem schädlich.

Sind andere Zusatzstoffe sinnvoll?

Grundsätzlich sollten so wenige Substanzen wie möglich in die Natur und somit auch ins Erdreich gebracht werden. Darüber sollte sich jeder verantwortungsvolle Hobbygärtner im Klaren sein.

Um die Wirkung von Essig gegen Unkraut zu verstärken, können Tenside beigemischt werden. Diese haben an sich keine unkrautvernichtende Wirkung, sondern den ausschließlich der Unterstützung des Essigs. Sie wirken dem natürlichen Verteidigungsmechanismus einer Pflanze entgegen, so dass die aufgebrachte Flüssigkeit nicht so schnell abperlen kann. Diese Tenside können in Form von Spülmittel oder Flüssigseife gegeben sein.

Gartenbista-Tipp: Bio-Spülmittel oder Bio-Seife verwenden!

Gegen welches Unkraut ist Essig wirksam?

Je jünger ein Unkraut ist, desto besser lässt es sich behandeln. Dies liegt daran, dass junge Pflanzen für gewöhnlich noch recht schwache Wurzeln haben. Diese werden unter Umständen durch den Essig ebenfalls vernichtet. Bei älteren Exemplaren hingegen ist das Wurzelwerk für gewöhnlich so stark ausgebildet, dass sie durch die Säure nicht mit ausgetrocknet werden. So kommt es zum erneuten Austrieb.

Einjähriges Unkraut

Spätestens dann, wenn sich im Herbst das Gartenjahr dem Ende zuneigt, sterben die einjährigen Unkräuter von allein ab. Sie sorgen in der Regel durch Aussaat für ihre Vermehrung. Werden regelmäßig Blüten sowie etwaige Samenstände entfernt, ist das Risiko, im Folgejahr erneut diese Pflanzen im Garten zu haben, sehr minimiert.

Zu besagten Einjährigen zählen unter anderem:

  • Acker-Frauenmantel
  • Amarant
  • Brennnessel
  • Ehrenpreis
  • Gänsedistel
  • Gänsefuß
  • Gemeines Kreuzkraut
  • Hundskamille
  • Klettenlabkraut
  • Taubnessel
  • Vogelmiere

Mehrjähriges Unkraut

Die Behandlung von mehrjährigen Unkrautpflanzen gestaltet sich schwieriger. Im Herbst sterben die oberirdischen Pflanzenteile zwar ab, die Wurzeln verbleiben jedoch im Boden. Dort treiben sie im folgenden Frühjahr neu aus.

Ein weiteres Problem mit dieser Pflanzengattung besteht in deren Blattwerk. Einige Arten haben Blätter, von denen Feuchtigkeit einfach abperlt oder die keine Säure aufnehmen. Derartige Unkräuter braucht man gar nicht erst zu behandeln. Der Essig würde einfach abrutschen und in den Boden gelangen, wo er unnötigerweise Schäden anrichten würde.

Gut behandelbar sind folgende Mehrjährige:

  • Ackerwinde
  • Giersch
  • Große Brennnessel
  • Hirtentäschel
  • Huflattich
  • Löwenzahn
  • Quecke
  • Wegerich

Gartenbista-Tipp: Bei Unkraut wie Giersch ist eine mehrmalige Anwendung zwingend notwendig!

Essig gegen Unkraut auf Wegen

Selbst, wenn der Einsatz von Essig gegen Unkraut auf gepflasterten Flächen nicht mehr strafbar ist: von einer Anwendung ist abzuraten. Die Schäden im Boden, die durch eindringende Essigsäure entsteht, stehen in keinem Verhältnis zu dem Nutzen, den eine Behandlung bringt. Zudem besteht die große Gefahr, dass der Essig durch regen in die Kanalisation und danach in die Kläranlagen gespült wird, was ebenfalls nicht der richtige Ort für diese Substanz ist.

Zu gepflasterten Flächen zählen im Übrigen nicht nur Wege, sondern auch Terrassen und Hofeinfahrten.

Im Rasen

Es scheint so einfach zu sein, lästiges Unkraut im Rasen mit Essig zu bekämpfen. Zumindest in der Theorie. In der Praxis hingegen ist es nahezu unmöglich, ausschließlich die unerwünschten Gewächse zu behandeln und die Rasenpflanzen unbeschadet zu lassen. Für gewöhnlich werden sie ebenfalls etwas von der Essigsäure abbekommen, so dass sie vertrocknen und im schlimmsten Fall eingehen. Vermutlich wird dies noch schneller geschehen als beim Unkraut, da ein zarter Grashalm dem Essig viel weniger entgegenzusetzen hat als ein kräftiges Unkraut.

Sieht man als Hobbygärtner keine andere Möglichkeit, als Essig gegen Unkraut im Rasen einzusetzen, so muss die Behandlung mit äußerster Sorgfalt geschehen. Die Wildgewächse sollten nicht eingesprüht, sondern lediglich mit einem Pinsel betupft werden. Dennoch ist es unvermeidlich, dass darunterliegender Rasen in Mitleidenschaft gezogen wird. Bei so viel Mühe ist natürlich zu überlegen, ob man das Unkraut nicht doch lieber auf herkömmliche Weise entfernen sollte….

In Fugen

Fugen befinden sich normalerweise dort, wo auch gepflasterte Flächen sind. Somit wäre wieder die Problematik gegeben, dass die Essigsäure in den Boden gelangt. Auch hier gilt: möglichst keine Unkräuter in Fugen behandeln, falls dies unumgänglich ist, lediglich mit einem Pinsel.

Essig gegen Unkraut im Beet einsetzen?

So unglaublich es klingt: Beete sind tatsächlich die einzigen Stellen, an denen notfalls Essig gegen Unkraut eingesetzt werden kann. Dabei gilt es jedoch, zwischen Zier- und Nutzflächen zu differenzieren. Es ist zwar möglich, auch in Gemüsebeeten eine derartige Anwendung zu machen, jedoch ist dies nicht unbedingt sinnvoll. Leicht kann es zu einer Übersäuerung des Bodens kommen, welche sich negativ auf die Qualität des Gemüses beziehungsweise Obstes auswirkt. Darüber hinaus sollten Nutzbeete sowieso regelmäßig aufgelockert beziehungsweise gehackt werden, so dass bei einem guten Hobbygärtner schon allein dadurch das Unkraut im Keim erstickt wird.

In Beeten, in denen ausschließlich Zierpflanzen kultiviert werden, ist eine Behandlung dann sinnvoll, wenn einige Kriterien bei der Anwendung beachtet werden.

Anwendung

  • Essig-Gemisch in eine Sprühflasche füllen
  • Flasche mit der Düse immer weg vom eigenen Körper halten
  • Aus kurzer Distanz das Gemisch direkt auf die Pflanze aufsprühen
  • Keine anderen Pflanzen besprühen
  • Besteht die Gefahr, dass Zierpflanzen mit behandelt werden, die Flüssigkeit mit einem Pinsel auftragen und jedes Blatt einzeln betupfen

Generell sollte nur so viel Essig-Gemisch hergestellt werden, wie tatsächlich benötigt wird. Reste dürfen weder einfach so in den Boden gegossen noch über die Toilette oder andere Abflüsse entsorgt werden.

Zeitpunkt

Da es mehrere Tage dauern kann, bis der Essig seine Wirkung entfaltet hat, sollte die Behandlung stattfinden, wenn für die Folgezeit kein Regen prognostiziert wird. Zu viel Sonne hingegen schadet nicht; im Gegenteil: je größer die Sonneneinstrahlung ist, desto schneller vertrocknen die Blätter des Unkrauts.

Optimale Jahreszeiten sind das Frühjahr sowie der Sommer. Im Herbst liegen die meisten Pflanzen ohnehin schon in Agonie, so dass jegliche Behandlung überflüssig ist.

Gartenbista-Tipp: Nicht an einem windigen Tag Essig gegen Unkraut versprühen!

Häufigkeit

Wie oft Essig gegen Unkraut eingesetzt werden muss, hängt von verschiedenen Faktoren ab:

  • Alter des Wildkrauts
  • Art des Unkrauts
  • Jahreszeit

Handelt es sich bei dem betreffenden Unkraut um ein mehrjähriges, so ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass es einige Zeit nach der Behandlung erneut austreiben wird. Ist genügend Blattmasse vorhanden, muss die Behandlung wiederholt werden. Dasselbe gilt für ältere Pflanzen, die bereits ein starkes Wurzelwerk ausgebildet haben. Für gewöhnlich kann dieses durch den Essig nicht komplett vernichtet werden, so dass auch hier mit einem Wiederaustrieb zu rechnen ist.

Auch die Jahreszeit ist von Bedeutung: erfolgt die Behandlung im Spätsommer, so ist es wenig wahrscheinlich, dass sie wiederholt werden muss. Im Frühjahr hingegen, wenn jede Pflanze im wahrsten Sinne des Wortes im vollen Saft steht, werden sich nur wenige Unkräuter schnell entfernen lassen.

Einschränkungen bei Essig gegen Unkraut

  • In ausschließlich schattigen Bereichen wird Essig gegen Unkraut kaum wirken, da es ohne Hilfe der Sonne nicht so gut vertrocknen kann.
  • Grundsätzlich kann die Anwendung nur in einer Phase stattfinden, in der mehrere Tage die Sonne scheint. Regen ist logischerweise gänzlich unpassend, da er die Flüssigkeit sofort von den Blättern wieder abspülen würde. Doch selbst trübe, verhangene oder bedeckte Tage sind ungeeignet.
  • Wächst das Unkraut sehr dicht zwischen Zier- oder Nutzpflanzen, so sollte kein Essig angewendet werden. Die Gefahr, dass er seine Pflanzennachbarn ebenfalls austrocknet und vernichtet, ist zu groß.

Tipps & Tricks

  • Sehr hohe Wildgewächse bieten zu viel Masse, die vernichtet werden müsste. Bei derartigen Pflanzen empfiehlt es sich, diese zunächst abzuschneiden und erst danach zu behandeln.
  • Vor der Anwendung den Essig aufkochen und heiß aufsprühen. Dieses Procedere hat den Vorteil, dass die behandelten Pflanzen durch die Hitze zusätzlich geschwächt werden.
  • Unkraut noch vor dem Aussamen
  • Bei der Anwendung Handschuhe und gegebenenfalls einen Augenschutz tragen. Dämpfe keinesfalls einatmen.
  • Wer wirklich ökologisch Unkraut vernichten möchte, sollte zu herkömmlichen Methoden Jäten, Ausstechen sowie vor dem Entfernen mit heißem Wasser übergießen ist zwar wesentlich aufwändiger, jedoch schädigt es weder den Boden noch Nachbarpflanzen oder Microorganismen.

 

Symbolgraphiken: © Markus Bormann – stock.adobe.com


, Kategorie: Garten

2 Kommentare

  1. Vielen Dank für die ausführlichen Informationen. ich habe bis jetzt immer gedacht, dass Essig keinerlei Nebenwirkungen auf die Umwelt hat. nun sehe ich das anders und werde bestimmt keinen mehr im Garten benutzen!

  2. Wir machen uns tatsächlich die Mühe, jedes Unkraut einzeln mit Essig zu besprühen. Dafür nehmen wir einen kleinen Blumensprüher. Das ist zwar ziemlich mühsam, aber so kommt wenigstens kein Essig auf andere Pflanzen. Früher haben wir gerne Salz auf Unkraut zwischen Gehwegplatten gestreut, aber nachdem mein Nachbar meinte, dass das schädlich für die Umwelt ist, nehmen wir dafür einen Fugenkratzer.

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