Was bedeutet Schrebergarten? Woher kommt die Bedeutung?



Schrebergarten (Foto: © Zerbor – Fotolia.com)

Ein Schrebergarten wird gemeinhin auch als Kleingarten oder Parzelle bezeichnet. Es handelt sich um ein abgemessenes Stück Land, das sich in einer Kleingartenanlage befindet. Diese wiederum besteht aus mehreren Einzelgärten. Ein Kleingarten kann dabei maximal 400 qm messen.

Mit einem Schrebergarten soll Menschen, die bei ihrem Haus keinen eigenen Garten besitzen, die Möglichkeit gegeben werden, Erholung im Grünen zu suchen. Gerade auch Stadtkindern soll es ermöglicht werden, den Kontakt zur Natur aufrechtzuhalten und Tiere sowie Pflanzen hautnah zu erleben. Die Erholung im eigenen Schrebergarten steht aber nicht allein im Vordergrund. Dieser muss auch kleingärtnerisch genutzt werden. Das heißt, dass ein Teil des Gartens als Anbaufläche genutzt werden sollte, um selbst Obst und Gemüse heranzuziehen oder Zierpflanzen zu pflanzen. Welche Gartenbauerzeugnisse tatsächlich möglich sind, kann in der jeweiligen Verordnung der Kleingartenanlage nachgelesen werden.

Kein Schrebergarten ohne Regularien

Wer einen eigenen Schrebergarten zu pachten beabsichtigt, sollte sich an den örtlichen Kleingartenverein wenden. In diesem muss der Interessent zudem Mitglied werden, um überhaupt als Pächter in Frage zu kommen. Das Vereinsleben wirkt sich insgesamt auch auf das Leben und Treiben im Schrebergarten aus. Denn jeder Pächter hat sich an die jeweilige Gartenordnung zu halten. Diese gibt genau vor, wie der Schrebergarten genutzt werden kann. Dies betrifft nicht nur die zulässigen Gartenbauerzeugnisse, sondern u.a. auch, welche baulichen Maßnahmen umgesetzt werden dürfen. Wer sich als Pächter nicht an die geltende Gartenordnung hält, riskiert im Zweifel eine Kündigung des Pachtverhältnisses. Für die Gartenordnung ist zum einen der jeweilige Kleingartenverein zuständig, als auch das Bundeskleingartengesetz.

So ist es in der Regel üblich, dass man sich als Pächter zwischen einem Garten- und einem Gerätehaus entscheiden muss. Denn erlaubt ist nur eine der beiden Varianten. Wer sich für ein Gartenhaus entscheidet, darf hier natürlich gerne auch hin und wieder übernachten. Ein durchgehender Aufenthalt im Sinne eines Wohnungsersatzes ist aber nicht gestattet. Weitere Regelungen finden sich beispielsweise auch was das Halten von Tieren, das Anbringen eines Sichtschutzes oder eines Zauns oder das Aufstellen eines Festzeltes angeht. Natürlich haben sich die Pächter eines Schrebergartens auch an die Mittags- und Nachtruhe zu halten. Insgesamt ist jeder Pächter eines Schrebergartens dazu angehalten, zu einem friedlichen Miteinander beizutragen. Bei einer Kleingartenanlage handelt es sich um einen eigenen Mikrokosmos, in den sich jeder einfügen sollte, von dem aber auch jeder profitiert. Gerade in kleineren Anlagen genießen es viele Pächter, der Anonymität der Großstadt den Rücken zu kehren und Teil einer aktiven Gemeinschaft zu werden. Dazu gehört natürlich auch, sich an den Mitgliederversammlungen oder an Vereinsfesten zu beteiligen. Wem der Sinn nicht nach Vereinsleben steht, der wird auf Dauer nicht gänzlich glücklich werden in seinem Schrebergarten. Natürlich bietet ein solcher Kleingarten aber immer auch eine hervorragende Rückzugsmöglichkeit, wenn diese gewünscht wird, um die nötige Erholung zu finden.

Die Geschichte des Schrebergartens

Selbstanbau (Foto: © Ella – Fotolia.com)

Die Wurzeln der Kleingärten, wie man sie heute kennt, reichen zu den Anfängen des 19. Jahrhunderts zurück. Die Bevölkerung nahm damals stark zu, was dazu führte, dass es zu einer verstärkten Armut kam. Einige wohlhabende Personen zeigten sich barmherzig und legten sogenannte Armengärten an. Dies hatte rein praktische Hintergründe. Denn die armen Menschen sollten so die Möglichkeit haben, zum Selbstversorger zu werden. Denn wer eigenes Obst und Gemüse anbauen kann, muss weniger Hunger leiden. Dies war zu damaligen Zeiten somit der ursprüngliche Gedanke, warum solche Kleingärten überhaupt angelegt wurden. Auch heute werden Schrebergärten gern zum Selbstanbau genutzt. Jedoch weniger, um dem Hunger entgegenzuwirken, als vielmehr aus dem Grund heraus, dass sich immer mehr Menschen bewusster ernähren und Obst sowie Gemüse stärker in ihren Speiseplan integrieren. Und was kann gesünder sein, als dieses einfach selbst anzubauen? Dies ist die beste Möglichkeit, um sicherzugehen, keine behandelte Rohkost auf dem Teller zu haben.

Woher kommt die Bedeutung „Schrebergarten“?

Dass man Kleingärten auch unter dem Begriff Schrebergarten kennt, hat seinen Grund. Namensgeber war hier der Arzt und Pädagoge Daniel Gottlob Moritz Schreber, der 1808 in Leipzig geboren wurde. Schreber selbst hatte mit Kleingärten tatsächlich allerdings nichts zu tun. Vielmehr engagierte er sich zeitlebens für die sportliche Integration von schwächlichen und gebrechlichen Kindern. Einige Jahre nach seinem Tod sollte es schließlich erst zur Gründung des ersten Schrebervereins kommen. Es handelte sich eigentlich um einen Schulverein, für den man den schlichten Namen Schul- oder Erziehungsverein jedoch zu banal fand. So wurde der Verein einfach nach Dr. Schreber benannt, um dessen eigenes Engagement für Kinder in diesem Bereich zu würdigen. Und diese Bezeichnung hat sich bis heute durchgesetzt. Der erste „Schreberplatz“ entstand 1865 in Leipzig. Zunächst wurde dieser nur als Spielwiese genutzt, der gärtnerische Aspekt sollte erst später folgen, um den Kindern weitere Beschäftigungsmöglichkeiten zu bieten. Die Gärten fanden jedoch einen solch großen Anklang, dass sich hier ganze Familien zusammenfanden. Die so entstandenen „Familienbeete“ wurden umzäunt und in Parzellen unterteilt – der Schrebergarten wie wir ihn heute kennen war geboren.

Landläufig wird jedoch bis heute immer noch angenommen, Dr. Schreber sei der Erfinder der Schrebergartenbewegung gewesen, was so nicht stimmt. Er war vielmehr lediglich der Namensgeber.

Schrebergärten in Deutschland (Foto: © Sternstunden – Fotolia.com)

Mehr als eine Million Schrebergärten in Deutschland

Das Prinzip der Schrebergärten hat sich vor allem in Städten durchgesetzt. Denn gerade dort mangelt es den Menschen an Gartenland. So wurden mit der Zeit immer mehr Schrebergärten angelegt. Mittlerweile sind es deutschlandweit bereits mehr als 1 Million Schrebergärten, die zusammen eine Fläche von über 46.000 Hektar bilden.

Die Kleingartenanlagen können dabei ganz unterschiedliche Größen besitzen. So befindet sich in Kamenz eine Schrebergartenanlage mit lediglich 5 Parzellen. Wohingegen in Ulm der größte Kleingartenverein des Landes ansässig ist. Hier sind es ganze 1315 Parzellen, die verpachtet werden.

Schrebergärten sind ausgesprochen beliebt. Wer sich daher dafür interessiert, selbst zum Kleingärtner zu werden, muss meist damit rechnen, zunächst auf einer Warteliste zu landen. Dies gilt vor allem für Großstädte. Und Schrebergärten sind durchaus kein ausschließlich auf Deutschland beschränktes Phänomen. Auch in vielen anderen europäischen Ländern nutzen Menschen diese Möglichkeit, einen Ausgleich vom Leben in der Stadt mit mangelnden Grünflächen zu gewinnen. Kleingärtnervereine finden sich daher u.a. auch in Norwegen, Schweden, der Schweiz, Belgien, Dänemark, Frankreich und Finnland. Nach Deutschland ist vor allem Polen das Land mit den meisten Mitgliedern in Kleingärtnervereinen.

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